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Wie der Fasching einst nach Graz gekommen ist #

Das waren noch Zeiten, als „Bürgermeister“ Sepp Trummer die Hauptbrücke „taufte“ und Onassis Graz besuchte.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Grazer Faschingszug
Bis zu 100.000 Zuschauer – viele von ihnen fröhlich verkleidet – nehmen Jahr für Jahr am Grazer Faschingszug teil. © PHILIPP

„Dick & Doof“-Auto
Ein „Dick & Doof“-Auto war dabei...
© MELBINGER

Bürgermeister Scherbaum
...auch Bürgermeister Scherbaum
© JUNGWIRTH

Am Anfang war das Nichts. Aber schon gar nichts war los im Grazer Fasching. Bis im Jahre 1966 lustige Redakteure der Kleinen Zeitung beschlossen, dem ein Ende zu setzen. Kurzerhand kündigten sie in ihrer Zeitung für Faschingdienstag die offizielle Eröffnung der Grazer Hauptbrücke an. Dieser Neubau überspannte nämlich seit einiger Zeit schon namenlos die Mur, da man sich im Gemeinderat auf keine Bezeichnung einigen konnte.

Hier setzte der erste Faschingsscherz der Kleinen Zeitung an: Der beliebte Kabarettist Sepp Trummer trat als Bürgermeister auf, eine Schar verkleideter Statisten aus dem Opernhaus sowie Journalisten der Kleinen wurden in einer langen Taxi-Kolonne zur Hauptbrücke gebracht und sperrten diese überfallsartig ab.

Zwei Bürgermeister#

Sepp Trummer
...und natürlich unser Sepp Trummer
© KK

Vor hunderten Neugierigen wurde dem „Herrn Bürgermeister“ ein roter Teppich ausgerollt, die Musikkapelle des Bürgerkorps spielte schmissige Weisen und das Volk begann langsam zu applaudieren, erzählt der langjährige Chefredakteur Fritz Csoklich lachend. Dieser Auflauf hatte sich rasch bis ins Rathaus herumgesprochen und immer mehr Politiker mischten sich unter die Zuschauermenge. Als schließlich auch Bürgermeister Gustav Scherbaum auftauchte, wurde er von Sepp Trummer freundlich begrüßt. Die Verwirrung war perfekt, die Reaktion überwältigend – und die Brücke hieß nun „Hauptbrücke“. Unzählige Menschen meldeten sich begeistert in der Redaktion der Kleinen Zeitung und meinten, so etwas habe in Graz bisher gefehlt. Das sollte man jedes Jahr tun. „Das war freilich leichter gesagt als getan, und so geschah zunächst einmal nichts“, erinnert sich Csoklich.

Aristoteles Onassis alias Karl Farkas
...auch Aristoteles Onassis alias Karl Farkas beehrte Graz © KK

Im übernächsten Fasching wurde für die Stadtväter ein Politiker- Slalom auf dem Hauptplatz organisiert. 1969 aber schoss man den Vogel ab, als der populäre Kabarettist Karl Farkas samt Partnerin Elly Naschold per Bahn aus Wien eintrafen – als Reeder Onassis mit seiner Frau Jacky Kennedy, um sich am Hauptplatz zu präsentieren. Die Kleine Zeitung hatte die Ankunft angekündigt, die Neugier war groß. Ein Spalier von Eisenbahnern mit weißen Handschuhen empfing das hohe Paar, ein roter Teppich war ausgerollt, die Eisenbahnerkapelle spielte fröhlich auf. Auf dem Hauptplatz warteten bereits tausende Neugierige und diskutierten heftig, ob nun das Onassis-Paar echt war oder nicht. Schließlich erklomm Karl Farkas alias Ari Onassis ein Podest und begrüßte die „lieben Grazer“.

Triumphale Rückfahrt#

Als Farkas mit seiner Begleiterin abends mit dem Zug zurück nach Wien fuhr, hatte sich überall herumgesprochen, was passiert war. In allen Bahnhöfen von Graz bis Wien standen Eisenbahner und applaudierten. Das war fast nicht mehr zu überbieten, also musste sich die Redaktion etwas Neues einfallen lassen – der Faschingszug durch die Grazer Innenstadt war geboren und hatte am 10. Februar 1970 Premiere. Seither beteiligen sich Jahr für Jahr bis zu 100.000 Menschen am Höhepunkt des Narrentreibens – so auch wieder diesen Dienstag.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele