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Ferdl schreckt die Türken #

Wie der österreichische Feldherr Hans Katzianer und der Ferdl aus Fernitz 1532 listig gemeinsam die Türken vertrieben haben.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Leichtes Geschütz des türkischen Heeres am Kamel
Leichtes Geschütz des türkischen Heeres zur Zeit Sultan Suleiman II. des Prächtigen (1520-1566). Das Kamel trug auf jeder Seite eines.
Foto: © KK

Als Sultan Suleiman II. der Prächtige im Jahr 1532 von der Belagerung Wiens, das die Türken so poetisch „Der goldene Apfel“ nannten, Abstand nahm, überschritt er mit angeblich 200.000 Mann bei Friedberg die steirische Grenze. Über Hartberg und Gleisdorf zog sein gewaltiges Heer nach Graz.

Am Abend des 11. September traf die türkische Vorhut hier ein und den ganzen nächsten Tag lang marschierte das Türkenheer an der gut befestigten Stadt vorüber. Doch der Nebel war so dicht, dass die verängstigten Bewohner erst gegen Abend die türkischen Massen beschießen konnten. Nun mussten die Türken die Straßen verlassen und zogen über den Ruckerlberg nach St. Peter und Liebenau und verwüsteten alles, was sie vorfanden. Graz hatte aber Glück, denn Suleimans Großwesir Ibrahim Pascha führte keine schweren Belagerungsgeschütze mit sich.

Von Rennern und Brennern#

So zog seine Hauptstreitmacht über Kalsdorf, Wildon und Leibnitz weiter, das nach mehreren Angriffen in die Hände der Osmanen fiel. Die berüchtigten türkischen Renner und Brenner verwüsteten das gesamte Gebiet der Weststeiermark bis zur Koralpe.

Ein kleiner Trupp aber überquerte bei Graz die Mur und versuchte im Schutze des Morgennebels die Murvorstadt anzugreifen. Doch hier hatten die Grazer schon gewartet und wehrten alle Angriffe der Türken erfolgreich ab, wobei sich vor allem die Bäcker besonders tapfer hervortaten und die Türken zurücktrieben.

Türkische Heer zog an Graz vorbei
Am 11. September 1532 zog das türkische Heer unter Großwesir Ibrahim Pascha an Graz vorbei.
Foto: © SAMMLUNG STRAHALM

Jetzt schlug die Stunde des österreichischen Feldherrn Hans Katzianer, Reichsgraf von Katzenstein. Er schickte 2000 Reiter nach Fernitz, die sich in den dortigen Wäldern in den Hinterhalt legen sollten. Er selbst verfolgte mit etwa 6000 Mann die türkische Nachhut. Als diese nun Fernitz erreichte, brachen plötzlich Katzianers Husaren aus den Wäldern hervor und griffen die überraschten Türken von der Seite an. Im selben Moment griff Katzianer die Türken im Rücken an und ließ auch alle seine mitgeführten Geschütze auf sie abfeuern.

Und die Sage erzählt, dass der Bauernsohn Ferdl Grubner aus Fernitz sich ganz allein in einem Turm am Nordrand des Ortes verschanzt hatte – mit Böllern, die er schnell aus dem Mesnerhaus organisierte. Als die Türken nun näherkamen – getrieben von Katzianers Truppen – brannte Ferdl alle Böller ab und veranstaltete ein derartiges Höllenspektakel, dass der Feind glaubte, aus einer Festung mit schwerem Geschütz beschossen zu werden.

Die türkische Nachhut saß nun in der Falle. Nur der Weg zur Mur war noch frei. Also drängten sie in ihrer Not fluchtartig dorthin. An die 8000 von ihnen verloren in der Schlacht bei Fernitz ihr Leben – und der tapfere Ferdl erhielt von den dankbaren Fernitzern ab nun den Ehrentitel „der Türkenschrecker“.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele