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Der vergessene Künstler #

Hans Brandstetter ist einer der bedeutendsten Grazer Bildhauer mit vielen Denkmälern an öffentlichen Gebäuden.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


„Styria“ von Hans Brandstetter
Die „Styria“ wurde von der Hauptbrücke in den Stadtpark versetzt
Foto: © ENGELE

„Waldlilie“ von Hans Brandstetter
Hans Brandstetters (1854-1925) „Waldlilie“ steht im Stadtpark in der Nähe des Schanzgrabens auf einem Marmorpodest neben einer romantischen Quelle.
Foto: © ENGELE

Hans Brandstetter
Der Bildhauer Hans Brandstetter
Foto: © KK

Wenn Sie vom Glacis in Höhe der Zinzendorfgasse in Richtung Stadtparkbrunnen oder Forum spazieren, müssen Sie an den zwei schönen Denkmälern „Styria“ (rechts) und „Austria“ (links) vorbeigehen, die am Wegrand stehen.

Diese Allegorien aus Bronze wurden im Jahr 1891 von Hans Brandstetter geschaffen und standen auf der alten Hauptbrücke über die Mur (siehe Foto rechts unten). 1964 wurden sie bei der Neuerrichtung der Brücke abgetragen und schließlich 1970 im Stadtpark wieder aufgestellt. Wenn Sie nun etwas weitergehen, finden Sie zwischen Cafe Parkhaus und dem Schanzgraben in einem kleinen Hain samt Quelle ein weiteres Werk von Brandstetter – die „Waldlilie“, die der Bildhauer 1884 geschaffen hat. Sie ist einer Novellenfigur seines Freundes Peter Rosegger nachempfunden und neben einem etwas weniger geglückten Reh dargestellt.

Wer aber war dieser Hans Brandstetter, der heute fast vergessen ist? Bloß die nach ihm benannte Gasse nahe dem St. Peter-Schulzentrum erinnert an den steirischen Bildhauer, der 1854 in Michelbach bei Hitzendorf als ältestes von 14 Kindern geboren wurde. Der Sohn eines Nagel schmieds und Keuschlers verbrachte seine Jugend in äußerst ärmlichen Verhältnissen. Sein Vater, der „Nagelschmiedpeter“, spielte in seiner Freizeit mit der Geige in den benachbarten Bauernwirtshäusern den Gästen auf. Und der kleine Hansl war immer dabei. Sein Vater war aber auch ein geschickter Holzschnitzer – und der Sohn tat es ihm bald nach. Dennoch musste er nach der Volksschule bei seinem Onkel Anton Jantscher in Friesach das Nagelschmiedhandwerk erlernen. So stand der Bub unter der Woche am Amboss und an den Sonntagen verkaufte er vor der Kirche die Schuhnägel seines Vaters.

Ein begnadeter Schnitzer#

Die karge Freizeit aber verbrachten Vater und Sohn mit dem Schnitzen, vor allem Krippen waren die Spezialität der Brandstetters. Der Junior zog auch von Haus zu Haus und schnitzte für Kost und Quartier den Leuten Krippen. Sein Ruf drang schließlich bis nach Graz, wo er 1870 beim bekannten (Kirchen-)Bildhauer Jakob Gschiel in die Lehre gehen durfte. Nebenbei besuchte er den Zeichen- und Modellierunterricht an der Ortweinschule. 1875 begegnete er dem Schriftsteller Peter Rosegger, mit dem ihn lange eine innige Freundschaft verband. Nach einer Dresden-Reise 1879 übersiedelte Brandstetter nach Wien, wo er dank eines kaiserlichen Stipendiums und mit Unterstützung der Gräfin Anna Saurau an der Wiener Kunstakademie Bildhauerei studierte. 1881 hatte der Künstler mit Anna Gösser einen Sohn Wilhelm, der ebenfalls zu den bedeutendsten Grazer Bildhauern zählt.

Die alte Hauptbrücke von Graz
Die alte Hauptbrücke von Graz war einst von den Bronzefiguren „Styria“ und „Austria“ des Bildhauers Hans Brandstetter geschmückt
Foto: © BILD- UND TONARCHIV

Nach einem Studienaufenthalt in Italien (1888/89) kehrte er nach Graz zurück und wurde Professor für Modellieren an der Staatsgewerbeschule. In der Naglergasse 9 besaß Brandstetter ein eigenes Atelier, wo er in Holz, Marmor, Bronze und Terrakotta arbeitete. Er war ein sehr geselliger Mensch, der vielen Vereinen angehörte, darunter auch der „Schlaraffia“.

In jeder Nische eine Figur #

Auf fast allen öffentlichen Gebäuden in Graz ist Brandstetter mit Nischen- und Attikafiguren sowie Giebelreliefs vertreten – vom Rathaus über die Alte Technik und das Opernhaus bis zur Karl-Franzens-Universität. Sein größter öffentlicher Auftrag war jedoch die Ausstattung der Herz-Jesu-Kirche, an der er von 1889 bis 1899 arbeitete. Als sein Hauptwerk gilt dabei das Grabmonument für Bischof Johannes Zwerger in der Krypta der Kirche.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele