unbekannter Gast
Geben Sie diesem Artikel Ihre Stimme:
5

„Heute existiert kein Admont mehr“#

Am 27. April 1865 brach mitten in Admont ein Brand aus, der schnell auf die Nachbargebäude und das Benediktinerstift übergriff. 20 Häuser und große Teile des Stiftes mit unschätzbaren Werten verbrannten, 17 Menschen starben - nur die berühmte Bibliothek konnte gerettet werden.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Admont vor 1865
Admont vor 1865
kk

Am 27. April, Nachmittags 4½ Uhr, brach in Admont in einem Wirthschaftsgebäude Feuer aus, welches bei dem heftigen Winde so rasch um sich griff, daß im Verlaufe einer halben Stunde der größte Theil des Marktes, die Stiftskirche und das großartige Stift selbst in Flammen stand. Mit äußerster Anstrengung konnte das Feuer auf den oberen Theil des Marktes beschränkt werden. Den Bewohnern war es kaum möglich, auch nur das Werthvollste von ihrer Habe in Sicherheit zu bringen. Viele retteten nur das nackte Leben. Sechs Personen kamen in den Flammen um, darunter der bekannte Buchbinder Stocker, bei dem sonst die Admont besuchenden Touristen einzukehren pflegten“, berichtete „Die Presse“ am 6. Mai 1865. Und ein Stiftscapitular stellte erschüttert fest: „Heute, am 28. April, existiert kein Admont mehr. Alles ist niedergebrannt bis auf die Bibliothek...“

Das verheerende Feuer war im Haus vulgo Oberlederer ausgebrochen, das in der Mitte des Marktes Admont lag, als Ursache wird Brandstiftung angegeben. Der Täter soll dies sogar auf seinem Totenbett gestanden haben, schildert Stiftsarchivar P. Maximilian Schiefermüller OSB in seinem fundierten Bericht „Das Stift brennt!“ in der Admonter Museumszeitung zur Sonderausstellung 2015, die Stiftsbrand und Wiederaufbau gewidmet ist. Dort wird auch ein Augenzeuge des Brandes, P. Blitmund Tschurtschenthaler, zitiert: „In kurzer Zeit standen beide Häuserreihen von der Mitte des Marktes an bis zur Stiftskirche und auch die alte Amanduskirche in ein Feuermeer gehüllt. … Brennende Schindeln wurden nach allen Richtungen vom heftigen Wind durch die Lüfte getragen und fielen rechts und links von mir im Stiftshofe nieder. Mittlerweile hatte der starke Funkenflug aus dem Markt her kommend auch die Dachung der Stiftskirche erfasst, und dies kaum eine Stunde nach dem Ausbruch des Brandes... Plötzlich erscholl der Schreckensruf: „Das Stift brennt“.

In kürzester Zeit brannten alle Dächer der weitläufigen Stiftsanlage, die 1074 als Benediktinerabtei St. Blasius zu Admont gegründet worden war und damit das älteste bestehende Kloster in der Steiermark ist. Da die Spritzanlage des Stiftes bereits im Markt im Einsatz war, versuchte man verzweifelt, mit Kübeln und anderen Gefäßen Wasser zum Löschen herbeizuschaffen. Dramatisch verschärft wurde die Situation, weil an diesem Donnerstag nur wenige Mönche im Kloster waren. Denn donnerstags war stets „Rekreationstag“, an dem Schule und Kanzleien geschlossen waren. Viele Wertgegenstände wurden verzweifelt in den „Steinernen Saal“ geschleppt, der als feuersicher galt und am Rande des Klostergebäudes lag. Aber als dessen Gewölbe teilweise einstürzte, drang das Feuer auch hier ein und die wenigen Mönche wollten nun die geretteten Gegenstände wieder ins Freie bringen. Wirres Chaos herrschte - und ganze fünf Tage lang brannte das Stift. Einzig die berühmte Stiftsbibliothek, der Kapitelsaal, das Neugebäude und die Sakristeien blieben vom Brand mehr oder weniger unberührt.

Schnell entschied sich der Konvent für ein „neues Admont“, schreibt Schiefermüller. „Eine Klosteranlage sollte entstehen, die den Anforderungen und dem Geschmack der damaligen Zeit entsprach.“ Also wurden mittelalterliche und barocke Gebäudeteile abgetragen und die gesamte Anlage „entkernt“. In der Zeit des Historismus galt das Barocke als „überholter“ Baustil. Für die Stiftskirche wählte man die dem Zeitgeist entsprechende Neugotik als Baustil. Glücklicherweise war aber eine bauliche Veränderung der Bibliothek oder des frühbarocken Kapitelsaals nicht vorgesehen. Hier beließ man das „alberne Barock“, wie ein Zeitzeuge es beschrieb. Bereits 1868 - nur drei Jahre nach dem großen Brand - wurde die neue Stiftskirche als erstes in Österreich im neugotischen Stil errichtetes Gotteshaus geweiht.

Admont brennt
Admont brennt
kk
Admont Neubau
Admont Neubau
kk



zur Übersicht
© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele