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Kunigunde, die sagenhafte Prinzessin#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Kunigunde von Österreich mit 20 Jahren. Mit diesem Porträt ging Friedrich III. auf Bräutigamsuche für seine Tochter
Kunigunde von Österreich mit 20 Jahren. Mit diesem Porträt ging Friedrich III. auf Bräutigamsuche für seine Tochter (KK)

Es war einmal eine Kaisertochter namens Kunigunde, die in der Grazer Schloßbergfestung lebte, aber von ihrem Verlobten, einem ausländischen König, mit Waffengewalt entführt werden sollte, da ihr Vater gegen diese Verbindung war. Nur das laute Bellen eines treuen Hundes verhinderte die Entführung - das ist der Stoff, aus dem Märchen und Sagen gemacht werden. Und wirklich, kaum eine steirische Sagensammlung von Franz Anton Brauners „Was die Heimat erzählt“ bis Franz Preitlers soeben erschienenem Buch „Was die Mur erzählt“ verzichtet auf diese Geschichte. Sogar in steirischen Schulbüchern wurde sie als Sage abgedruckt und heute noch gerne erzählt.

Doch das Beste daran ist, dass es sich hier nicht um eine Sage handelt, sondern um eine wahre Begebenheit, die nur leicht verfremdet wurde: Kunigunde von Österreich war die Tochter von Kaiser Friedrich III. und seiner schönen Gemahlin Eleonore von Portugal. Sie wurde am 16. März 1465 in Wiener Neustadt, das damals zur Steiermark gehörte, geboren und wuchs hier und in Graz, das Friedrich zur Residenzstadt ausbaute, ohne strenge höfische Sitten und Zwänge auf. Als um 1470 der ungarische König Matthias Corvinus aus strategischen Überlegungen um die Hand der erst fünfjährigen Kunigunde anhielt, wies ihn Friedrich als nicht standesgemäß ab, was den stolzen Ungarn sehr kränkte. Die Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser und dem Ungarnkönig eskalierten aber im Laufe der Jahre. 1481 waren die ungarischen Truppen schon weit in die Steiermark und nach Kärnten eingedrungen, auch kam es immer wieder zu Angriffen auf Wien. Als sogar die Hofburg, in der sich gerade Kunigunde und ihr Hofstaat aufhielten, unter Beschuss geriet und in Wien auch noch die Pest ausbrach, schickte Kaiser Friedrich seine geliebte Tochter schwer bewacht von 1300 Soldaten in die Steiermark. Doch gerade hier, in der scheinbar so uneinnehmbaren Grazer Schloßbergfestung drohte ihr die größte Gefahr, wie Georg Wieser, der Augsburger Gesandte am Kaiserhof, in regelmäßigen Briefen nach Hause berichtete. Am 30. November 1481 schrieb er, dass an die 2000 ungarische Soldaten von Leibnitz aus, das bereits fest in ungarischer Hand war, einen Anschlag auf die Grazer Feste ausführen wollten. Dabei seien diese von zwei Verrätern namens Hymelfeint und Greslin unterstützt worden, die eine kleine Nebenpforte in der Burgmauer öffnen sollten, schildert Karina Graf in ihrer Dissertation „Kunigunde, Erzherzogin von Österreich und Herzogin von Bayern-München“ an der Uni Mannheim (2000). Doch der Anschlag blieb ohne Erfolg, da Burghauptmann Ulrich von Graben die beiden entdeckte und sofort Alarm schlug. Von einem Hund als Retter ist in keinem Bericht die Rede, auch die Steinfigur, die am Schloßberg an ihn und sein rettendes Bellen erinnern soll, wurde mehr als 200 Jahre später angebracht. Wahrscheinliches Ziel der Aktion war, Kunigunde zu entführen, um ein wertvolles Pfand für Verhandlungen mit dem Kaiser zu haben, bestätigen nicht nur die Briefe des Augsburger Gesandten, sondern auch eine anonym verfasste zeitgenössische Biographie Kunigundes und der Fuggersche Ehrenspiegel. Genau so erzählt auch Thea Leitner Kunigundes abenteuerliche Geschichte in „Habsburgs verkaufte Töchter“.

Kunigunde blieb nach dem versuchten Überfall längere Zeit in Graz, weil sowohl Wien als auch Wiener Neustadt viel zu unsicher geworden waren. Auch der Kaiser folgte seiner Tochter nach Graz, als Matthias Corvinus 1482 bis Baden bei Wien vordrang.

Doch Graz war furchtbar langweilig für die junge Kunigunde - das Leben hier war karg, es gab weder Feste noch Turniere oder ausländische Delegationen. Da die militärische Lage für den Kaiser immer aussichtsloser wurde und die Ungarn kurz vor der Eroberung Wiens standen, entschloss er sich, alles Wertvolle in Sicherheit zu bringen, vor allem aber seine Tochter. Am 24. Februar 1484 brachen Kunigunde und ihr Hofstaat in 28 Wagen, jeder mit sechs Hengsten bespannt, aus Graz auf. Gefolgt von 14 Wagen voller Urkunden und 600 Berittenen als Begleitschutz. Kaiser Friedrich schlug seine Residenz in Linz auf, seine Tochter aber schickte er ins ferne Innsbruck zu seinem Vetter Herzog Sigismund. Die junge Frau war nun 20 Jahre alt, hatte ein rundliches, etwas ausdrucksloses Gesicht, war aber erfrischend herzlich und intelligent, heißt es. Am lebensfrohen Hof Sigismunds blühte Kunigunde auf, hier jagte ein Fest das andere und vor allem begegnete sie Herzog Albrecht von Bayern, der sie unbedingt zur Frau haben wollte - um an die habsburgischen Besitzungen zu kommen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Die Burg auf dem Grazer Schloßberg um 1480
Die Burg auf dem Grazer Schloßberg um 1480
Kaiser Friedrcih III. mit dem steirischen Herzoghut
Kaiser Friedrcih III. mit dem steirischen Herzoghut (KK)
Ungarns König Matthias Corvinus
Ungarns König Matthias Corvinus (KK)



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele