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Erste Luftkriegstote war eine Grazerin #

Heute fast vergessen ist, dass bereits am 6. April 1941 die ersten Bomben des Zweiten Weltkriegs auf Graz abgeworfen wurden. Eine 13-jährige Grazerin wurde so die erste Luftkriegstote Österreichs.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Zerstörter Tummelplatz nach Bombentreffern
Zerstörter Tummelplatz: Nach Bombentreffern im Jahre 1944.
Foto: © JOANNEUM ARCHIV
Wenn bei uns von Bombenabwürfen im Zweiten Weltkrieg die Rede ist, denken die meisten Menschen sofort an den strategischen Bombenkrieg der Alliierten ab 1943. Aber der erste – heute fast vergessene – Bombenabwurf auf österreichisches Gebiet erfolgte durch ein jugoslawisches Flugzeug nur eine Stunde nach dem Angriff des Deutschen Reiches auf Jugoslawien am 6. April 1941 um 6.45 Uhr.

Am selben Tag flogen zwei jugoslawische Flugzeuge unbemerkt bis Graz. Sie hatten sich einem von der Bombardierung Belgrads zurückkehrenden deutschen Bomberverband unbemerkt angeschlossen, was nur möglich war, weil es sich um einen deutschen Flugzeugtyp (ME 109) handelte, der seinerzeit an Jugoslawien verkauft worden war, berichtet Walter Brunner in seinem Buch „Bomben auf Graz“. Erst auf dem Grazer Feld wurden sie bemerkt und von der Flak beschossen, aber nicht getroffen.

Zerstörter Tummelplatz nach Bombentreffern
Bomben fallen auf die Stadt: Luftangriff auf Graz am 1. April 1945.
Foto: © KK

Es war ein schöner, warmer Frühlingstag, dieser 6. April 1941, und Palmsonntag dazu. Viele Grazer befanden sich im Freien und genossen die Sonnenstrahlen, als einer der beiden Flieger aus etwa 200 Meter Höhe über dem Grazer Hauptbahnhof drei Bomben abwarf. Es war Punkt 15.58 Uhr. Er verfehlte aber sein Ziel und traf in der Asperngasse das Werkstättengelände der Baufirma Granit und die Wagnerei Luttenberger.

Eine Bombe schlug in die Straße ein und deckte das Dach des Stallgebäudes des Gebirgsjägerregimentes 138 ab. Ein in der Nähe der Einschlagstelle gehendes 13-jähriges Mädchen namens Maria Schrotter aus der Dreierschützengasse 50 wurde von den Sprengsplittern getroffen und starb im Landeskrankenhaus. Sie war somit die erste Luftkriegstote des Zweiten Weltkriegs in Österreich.

Das zweite Flugzeug warf um 16.03 Uhr eine Sprengbombe in der Nähe des Landeskrankenhauses auf das Haus Födranspergweg 10 ab, wobei durch Glassplitter drei Frauen verletzt wurden.

57 Fliegerangriffe auf Graz#

DieME109 flog in etwa 150 Meter Höhe über die Keplerbrücke zum Hauptbahnhof und warf dort um 16.05 Uhr drei weitere Bomben ab. Getroffen wurde die Kaufmännische Großeinkaufsgenossenschaft am Bahnhofgürtel. Um 17.25 Uhr konnte Entwarnung gegeben werden.

Der große strategische Bombenkrieg begann bei uns am 25. Februar 1944 – als die deutsche Wehrmacht ihre Offensivstärke schon lange verloren hatte. Polizeioberst i. R. Rudolf Weissmann hat alle Ereignisse des Luftkrieges gegen Graz minutiös aufgezeichnet und die meisten Bombenschäden auch fotografiert. Ihm verdanken wir heute die genaue Kenntnis dieser Ereignisse.

Seine traurige Bilanz: Bei 57 Fliegerangriffen wurden 7733 Gebäude in Graz zerstört bzw. beschädigt. 8999 Wohnungen unbenutzbar gemacht und 11.065 Wohnungen beschädigt. 3707 Tonnen Bomben wurden insgesamt auf Graz abgeworfen, fast 2000 Tote waren zu beklagen, etwa 1500 Menschen wurden verletzt. 45 Prozent aller Gebäude waren beschädigt oder zerstört. 57 öffentliche Luftschutzräume mit einem Gesamtfassungsvermögen von 10.000 Personen hielten die Zahl der Toten aber relativ gering.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele



Höchstinteressant, es dürfte sich aber um Messerschmidt 110 gehandelt haben, da die 109 als Jäger keineswegs drei Bomben transportieren konnte. Wenn ich da irre, lerne ich gerne dazu. Die ME 109 wurde erst viel später als Jagdbomber eingesetzt.

Wie auch immer: Dass der Angriff im Schatten der Bomberverbände des Kriegsverbrechers Alexander Löhr, der heute noch in der Wiener Stiftskirche mit einer Gedenktafel geehrt wird, stattfand ist eine wichtige neue Erkenntnis.

Nachdem Löhrs Luftflotte Belgrad in Brand gebombt hatte ("Zielbeleuchtung" nennen das seine Verehrer) erfolgte in der Nacht mitten in die Löscharbeiten hinein der verheerende Vernichtungsangriff, der derartige schäden anrichtete, dass sogar der abgebrühte Geheimdienstmann Canaris bei der Besichtigung in Tränen ausbrach. In der apologetischen Lit. wird das immer umgekehrt dargestellt und Löhrs Terrorangriff ohne Kriegserklärung als Folge des Angriffes auf Graz interpretiert.Wichtiger Beitrag !

-- Glaubauf Karl, Mittwoch, 22. Juni 2011, 15:33