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1827 überflutete die Mur#

Die Geschichte der Grazer Brücken war immer auch eine Chronik des Kampfes gegen die zahlreichen Flutkatastrophen.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


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Die tobenden Wassermassen der Mur zerstörten 1827 Brücken und Häuser, halb Graz stand unter Wasser
Foto: REPRO SOMMER

Wenn es also nach Bürgermeister Siegfried Nagl geht, wird die jetzt eigentlich namenlose Hauptbrücke bald schon in „Erzherzog Johann-Brücke“ umbenannt. Warum eigentlich nicht? Es gibt uns vor allem auch einen guten Anlass, einen Blick auf die Geschichte der Grazer Brücken und ihrer Namen zu werfen.

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Reste des alten Brückendekors sind unter der Hauptbrücke ausgestellt
Foto: TH. STANZER

Lange Zeit hatte es zwischen Graz und Frohnleiten ja nur eine einzige Brücke über die Mur gegeben – die Grazer Hauptbrücke. 1361 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt und im Laufe der Jahrhunderte beständig erneuert. Als es 1659 wieder einmal so weit war, wollte der Magistrat aber die Kosten verringern und hatte die glorreiche Idee, auf der neuen Brücke eine ganze Reihe von gedeckten Verkaufsstandeln aufzustellen, die er verpachtete. Etwa so wie sie heute noch auf dem Ponte Vecchio in Florenz als große Touristenattraktion zu sehen sind.

Eine weitere Brücke wurde in Graz erst dringend notwendig, als ab 1786 die Jakomini-Vorstadt errichtet wurde. So entstand die „Neue Brücke“ als Vorläuferin der heutigen Radetzkybrücke. Sie war aus Holz gebaut und fiel ebenso wie die Hauptbrücke den verheerenden Fluten des Hochwassers von 1827 zum Opfer.

Die Hochwasserkatastrophe#

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Kunstvoll verziert zeigte sich die Hauptbrücke bis 1964, dann wurde sie abgetragen und durch die heutige ersetzt
Foto: BILD- UND TONARCHIV

„In der Nacht vom 7. auf den 8. Juni schwoll die Mur zu solch einer Höhe an, dass die Murvorstadt, die Lend, der Gries und der Damm außer dem Sacktor unter Wasser gesetzt und die benachbartenGärten und Felder im weiten Umfang wie von einem See bedeckt wurden“, berichtet ein Augenzeuge. „Auf den hoch gehenden Wogen trieben die Trümmer zerstörter Häuser, viele Hausgeräte, tote Haustiere und anderes mehr.“ Der Wasserstand der damals in Graz noch nicht durch hohe Böschungen gezähmten Mur pendelte sich in diesen Tagen auf dramatische sechs Meter ein.

„Die tiefer liegenden Gebäude wurden ganz überflutet, bei vielen Häusern reichte das Wasser in den ersten Stock. Die Wassermassen ergossen sich über den Hauptwachplatz (heute Hauptplatz), über den Franziskaner-, den Fischplatz (heute Andreas Hofer-Platz), die sogenannte Neue Welt, in die Schmied- und Raubergasse und setzten die Murvorstadt unter Wasser.“ Die ganze Dramatik jener Ereignisse hat Leopold Kuwasseg in seinen Lithografien festgehalten und der Nachwelt überliefert.

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Blick auf die idyllische Kettenbrücke von 1836, die Vorläuferin der Keplerbrücke
Foto: KK

In dieser nun brückenlosen Notzeit wurde vor dem äußeren Sacktor eine „fliegende Brücke“ errichtet, also eine an einem Seil hängende Überfuhr, die einige Jahre in Betrieb war. Schließlich erklärte sich deren Pächter, ein ewisser Franz Strohmeyer, bereit, hier eine Kettenbrücke zu bauen, wenn er für 50 Jahre das Mautrecht bekäme. Die Stadt willigte ein und bereits 1836 war die Kettenbrücke nach Plänen des Wiener Architekten Johann Jäckl fertig undwurde nach Kaiser Ferdinand benannt, der als der „Gütige“ in die Geschichte einging.

Als aber 1875 die Keplerstraße fertig gestellt wurde, begann hier ein äußerst reger Verkehr mit schweren Fuhrwerken, wodurch eine neue, stärkere Brücke notwendig wurde. Also wurde 1882 die alte Kettenbrücke durch eine Eisenbrücke ersetzt, die bis 1963 erhalten blieb. Bereits 1883 wurde auch die vierzig Jahre zuvor ausHolz erbaute Tegetthoffbrücke durch eine Eisenkonstruktion ersetzt. 1897/98 folgte die Radetzkybrücke nach. Das eiserne Zeitalter hatte sich nun auch bei den Grazer Brücken durchgesetzt.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele