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„Sie hausten wie die Türken“ #

Mürzzuschlag wurde zerstört, das Mürztal von Türken und Kaiserlichen verheert. Erst ab 1500 wurde es besser. 2. Teil. #

Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Türkische Soldaten nehmen christliche Gefangene
Türkische Soldaten nehmen christliche Gefangene, zeitgenössische Darstellung aus dem Alpenraum
© STANZER
Mehr als 20 Jahre litt Mürzzuschlag unter der Baumkircherfehde, den Türkeneinfällen und dem Krieg gegen die Ungarn. 1487 fand der negative Höhepunkt statt, als Truppen Kaiser Friedrichs III. den Ort von den Ungarn zurückeroberten. Dabei wurde der Markt so vollständig niedergebrannt, dass er „gleichsam unbewohnbar wurde“, wie es in einer Urkunde heißt. Von diesem Schlag erholte sich Mürzzuschlag lange nicht.

Dazu kam, dass die „Italienstraße“ über den Semmering ihre Bedeutung verloren hatte. Die ständige Türkengefahr und die vielen Kriege waren für das Geschäft tödlich und überdies hatte sich der Italienhandel nach Westen verlagert. Die neue Transitroute ging über den Brenner, an die Stelle von Wien rückten Nürnberg und Augsburg als die großen Umschlagplätze. Mürzzuschlag kam unter die Räder, seine Steuerkraft hatte sich in diesen Jahren der Not halbiert.

Renner und Brenner #

Doch noch immer herrschte keine Ruhe. An die 4000 türkische Renner und Brenner brachen im Oktober 1529 über den Semmering ins Mürztal ein. Spital am Semmering wurde grausam verwüstet, Bauernhöfe niedergebrannt. 300 Reiter zogen nach Neuberg und belagerten die befestigte Zisterzienserabtei. Als ihr Anführer durch einen Glückstreffer getötet wurde, zog der Trupp wieder ab, brannte aber die Ortschaft nieder und verwüstete das obere Mürztal. Besonders arg hausten sie in Krieglach, wo sie ihre Gefangenen zusammentrieben. Über den Alpsteig und die Schanz versuchten die Türken in die Oststeiermark zu gelangen, von den Bauern waren jedoch die Wege durch gefällte Bäume gesperrt worden. Viermal wurden die Türken zurückgetrieben, dann zogen sie wieder nach Krieglach und tobten sich aus.

Mürzzuschlag
v. l. n. r.: Das alte Dominikanerkloster in Mürzzuschlag/Das Neuberger Münster war umkämpft/Mürzzuschlag: Kirche mit Grabstein Hofkirchers
© ENGELE, KK

Um nichts besser ging es der Bevölkerung aber im Oktober 1532, als 3000 Mann der italienisch- spanischen Hilfstruppen des Kaisers durchs Mürztal in ihre Heimat zurückzogen. Da sie schlecht verköstigt und noch schlechter bezahlt waren, stahlen und plünderten sie, wo sie nur konnten. In Mürzzuschlag brannten sie einen Stadtturm nieder, weil sich die Bewohner gegen das Plündern gewehrt hatten.

Die Gültschätzung von 1542 #

Um ein starkes Heer gegen die Türken aufzustellen, wurde 1542 eine Sondersteuer ausgeschrieben. Dafür wurden Besitz und Vermögen, Handwerk und Gewerbe jedes Bauern und Bürgers aufgezeichnet. Diese „Gültschätzung“ von 1542 gibt einen einmaligen Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse der Region. Da sieht man aber auch die überragende Bedeutung des Eisenhandwerks für Mürzzuschlag. Denn von den 68 Steuerpflichtigen (also den Hauseigentümern) waren 28, die Besitzanteile an den Hammerwerken hatten oder deren Handwerk mit Eisen zu tun hatte – was 41 Prozent aller Steuerpflichtigen entspricht.

Dem Eisenhandwerk verdankt der Markt auch, dass es ab 1500 wieder bergauf ging. Da inzwischen in der Laming bei Bruck auch Eisenhämmer entstanden waren, musste man sich in Mürzzuschlag etwas Neues einfallen lassen, um erfolgreich zu sein. Daher spezialisierte man sich hier als Waffenschmiede. Der neue Aufschwung ist untrennbar mit Peter Hofkircher verbunden. Schon 1512 zählte er zu den großen Waffen- und Munitionshändlern König Ferdinands I. Er wurde Marktrichter und nahm ab 1526 die Massenproduktion von Handfeuerwaffen auf. Dann eröffnete er in der Fröschnitz ein Bergwerk und baute ein Schmelzhaus. So wurde Hofkircher zum Hammerherren und reichsten Mann Mürzzuschlags. Am6. April 1557 starb Hofkircher, sein Grabstein befindet sich neben der Kirchentüre seiner Heimatgemeinde. Die Weichen für die Zukunft Mürzzuschlags aber waren auf Wohlstand gestellt.

--> Über den wilden Semmering (Teil 1)


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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele