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Wohltäter gründeten Sparcasse #

20 Jahre Franzosenkriege, Zerstörungen, Inflation und Staatsbankrott stürzten Österreich im frühen 19. Jahrhundert in große Not. Da bot eine neue Idee Sicherheit.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Versatzhaus
Das Versatzhaus befand sich seit 1826 im dritten Stock im Haus Bürgergasse 6.
Foto: © Kleine Zeitung
In diesem kleinen Schalterraum begann 1825 die „Steiermärkische Sparkasse“., Foto: © KK
In diesem kleinen Schalterraum begann 1825 die „Steiermärkische Sparkasse“.
Foto: © KK

Am 15. Mai 1825 um 10 Uhr vormittags öffnete die „Steyermärkische Sparcasse zu Grätz“ im kleinen Landhaushof ihren Schalterraum. Ein epochales Ereignis für die Steiermark, eine Wohltat für die Armen, denn damals gab es hier noch kein einziges Geldinstitut. Und das war bitter notwendig geworden, Land und Leute lagen nämlich wirtschaftlich völlig am Boden.

Denn zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das kleine Graz in großer Not: Die Straßen befanden sich in einem furchtbaren Zustand, nur ein kleiner Teil war gepflastert. Bastionen und tiefe Gräben umgaben die Landeshauptstadt, die man nur durch sechs Stadttore betreten konnte. Die Mur war ein reißender Fluss, der im Westen an der Stadt vorbeifloss. Vor allem aber litt Graz schwer an den Folgen der Niederlage und der Verwüstungen nach 20 Kriegsjahren mit den Franzosen. Vier Mal waren sie in Stadt und Land eingefallen, und als 1810 der letzte Franzose Graz verließ, war die Festung auf dem Schloßberg großteils zerstört. Der österreichische Staat war hoch verschuldet. 1811 musste die Regierung den Staatsbankrott erklären.

Aber auch die politische Situation trug nichts zur Verbesserung bei – Österreich war unter Metternich ein Polizeistaat, es herrschte Zensur. Die Steuern stiegen ständig und spitzten die sozialen Gegensätze weiter zu. 1818 musste ein Armenversorgungsverein gegründet werden. Die Bürger zogen sich in die kleine Welt ihrer Häuser zurück, nach außen herrschte Ordnung – wir waren im Biedermeier.

„Verschämte Arme“ #

Versatzhaus
Hinter diesen drei Fenstern links vom Torbogen lag der Schalterraum.
Foto: © KK

Die Preise stiegen ins Unermessliche. Für Brot und Fleisch wurden sie monatlich neu geregelt. Wer Geld benötigte, musste sich an einen Banquier wenden, wie die privaten Geldverleiher genannt wurden, die nach der Vertreibung der Juden im Mittelalter alle Geldgeschäfte übernommen hatten. Aber kleine Leute hatten bei ihnen keine Chance. Sie mussten in Graz zum „Tabakamtsplatzl“ gehen – dem heutigen Mehlplatz Nr. 4. Dort befand sich seit 1755 das k. k. Versatzamt, wo jeder Geld Suchende Wertgegenstände für ein „Darlehen“ versetzen konnte. 1826 übersiedelte das „Pfandl“ in die Bürgergasse 6. Weil die Einrichtung für „verschämte Arme“ war, die sich nirgendwo Geld leihen konnten, geschah alles anonym. Für die sichere Veranlagung kleiner Ersparnisse gab es aber überhaupt keine Gelegenheit. Da eroberte eine Idee aus England den Kontinent: 1817 entstand in London eine Sparbank. 1819 eröffnete die „Erste österreichische Spar-Casse“ in Wien ihre Schalter. Und 1825 war es auch in Graz so weit.

Graf Hartig
Graf Hartig, der Gründer der Steiermärkischen Sparkasse.
Foto: © KK

Der eigentliche Gründer der Steiermärkischen Sparkasse war Franz de Paula Graf Hartig, kaiserlicher Statthalter in der Steiermark. Er war seit 1823 Mitglied des Vereins der Ersten Spar-Casse in Wien gewesen und hatte so Einblick in die Anfänge des Sparkassenwesens, schildert Werner Rauchenwald in „Die Grazer Sparkassen-Chronik“. Hartig initiierte einen „Verein der Menschenfreunde“ und legte Subskriptionslisten auf, damit die Sparkasse gegründet werden konnte. Viele Wohlhabende beteiligten sich, um die Armut bekämpfen zu helfen. Am 16. Februar 1825 trafen sie im Admonter Hof (heute K&Ö) zusammen und gründeten die Sparkasse. „Obervorsteher“ war „Seine Exzellenz“ Herr Gotthard, der einstige Prälat von Admont, selbst ein Pio nier der Sparkassenidee. Die Leitung hatte der „Ausschuß“, das waren 17 Männer, die ihre Funktion unentgeltlich ausübten.

Im hinteren Teil des kleinen Landhaushofes wurde von den Ständen ein Lokal für die ersten Amtsräume der Sparkasse zur Verfügung gestellt – ein kleines Gewölbe mit drei Fenstern. Heute befindet sich darin die „Welscher Stube“. Der Eingang befand sich in der Schmiedgasse Nr. 345. Man befand sich hier inmitten der Gerber, Sattler und Schmiede, die ihr lautes Gewerbe noch auf offener Straße ausübten.

Sparkasse für kleine Leute#

Jeweils am Mittwoch von 14 bis 19 Uhr und am Sonntag von 10 bis 12 war der Schalter geöffnet. Die wichtigste Aufgabe der Sparkasse war die Entgegennahme auch der kleinsten Spargroschen der „kleinen Leute“ für vier Prozent Verzinsung. Aber die Steirer mussten erst mühsam überzeugt werden, dass ihnen das Sparen helfen könnte. Viel zu misstrauisch waren die Menschen. Dass später auch kapitalkräftige Leute einmal ihr Geld bei der Sparkasse anlegen würden, war damals noch völlig undenkbar.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele