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Vom Luxushotel zum Einkaufscenter #

Wo sich in Graz Könige, Schauspieler und die Prominenz ein Stelldichein gaben – und im Hinterzimmer Politik gemacht wurde: Der „Steirerhof“ am Jakominiplatz.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Hotel am Jakominiplatz um 1900
Das alte Hotel am Jakominiplatz, wie es um 1900 ausgesehen hat.
Foto: © KK

Hand aufs Herz, wer kannte ihn nicht, den Steirerhof? Jahrzehntelang war er die Grazer Institution für glanzvolle Bälle, Polit-Diners, Feiern und fröhliches Studentenleben.

In seiner besten Zeit stiegen hier gekrönte Häupter, Prominente aus Show- und Filmgeschäft, bekannte Politiker ab. König Paul und Königin Friederike von Griechenland nächtigten hier, Jugoslawiens Staatspräsident auf Lebenszeit Josip Broz Tito, der deutsche Bundeskanzler Willy Brandt, Frankreichs Staatspräsident Giscard d’Estaing. Die Schauspieler Attila Hörbiger und Paula Wessely ebenso wie der pitzelige Hans Moser, Filmlegende Curd und Sänger Udo Jürgens (allerdings getrennt), Chansonette Juliette Greco, „Winnetou“-Darsteller Pierre Brice und der Wundergeiger Yehudi Menuhin.

„Steirerhof“ gestern (1986) und heute
„Steirerhof“ am Jakominiplatz – gestern (1986) und heute STUHLHOFER u. SOMMER
Foto: © STUHLHOFER, SOMMER

„Eine wirkliche Hetz war es mit Oskar Sima. Die Angestellten sind aus dem Lachen nicht herausgekommen. Außerdem hat er einen gesegneten Appetit gehabt: Drei Backhendln hat er wie nichts vertilgt. Er müsse das, erklärte er feixend, das erhalte ihm seine Figur“, erzählte Thilde Leb, die Legendäre ,Frau Sacher von Graz‘, in einem Interview 1976, schildert Ursula Kiesling in ihrem Buch „Grandhotel Steirerhof Graz“. Marcel Prawy aber war mit zwei Plastiksackerln angereist – in einem die Unterhose für den nächsten Tag, im anderen Lesematerial, kicherte man jahrelang.

„Haus zur Stadt Triest“#

Das Gebäude war 1790, als Kaiser Josef II. die Stadtbefestigung aufhob, zweigeschossig als „Haus zur Stadt Triest“ errichtet worden – dort, wo später das Hotel „Steirerhof“ war und heute das gleichnamige Einkaufscenter am Jakominiplatz steht.

Als es 1904 verkauft werden sollte, suchte der steirische Bauernpolitiker Franz Hagenhofer gerade für seinen katholisch- konservativen Bauernverein Räume für Versammlungen und die Beherbergung der Vereinsmitglieder. Er ließ das Haus renovieren, es erhielt eine nachts beleuchtete Uhr am Dachfirst, wurde zum „Grandhotel Steirerhof“ umbenannt und am 9. September 1905 neu eröffnet. Schließlich übernahmen1910 Carl und Therese Leeb die Pacht und modernisierten das Hotel nach dem Ersten Weltkrieg mit Zentralheizung und Telefon in jedem Zimmer.

Hotel am Jakominiplatz um 1900
Oskar Sima (links) mit Peter Alexander in einem Graf Bobby-Film
Foto: © APA

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Besatzungszeit wurde der „Steirerhof“ durch den Neffen Karl Leb (der sich wirklich so schreibt) und seine Frau Mathilde zum Luxushotel umgebaut – und dennoch: Jedes Jahr wurden arme Studenten zum täglichen Mittagstisch geladen und „durchgefüttert“. Kein Wunder, dass das „Bierstüberl“ bei Studenten so beliebt war.

Als Karl Leb überraschend starb, entschloss sich seine Frau, die Leitung des Hotels alleine weiterzuführen. Mit Unterstützung der Raiffeisenzentralkasse vergrößerte sie es, auch Landeshauptmann Josef Krainer I., selbst gerne hier zu Gast, zählte zu ihren Förderern.

1962 begann die goldene Ära des Hauses, als Hotelklassifizierungen erarbeitet wurden – und der „Steirerhof“ in die Luxuskategorie A1 gehoben wurde. Doch auch die Konkurrenz holte auf, bald blieben abends Tische völlig ungewohnt leer, es kam zu Umsatzeinbrüchen, der fünfte Stern ging verloren und am 29. Dezember 1989 lief der Pachtvertrag aus. Mit dem Nachfolge-Neubau setzte die Raiffeisenlandesbank voll auf Konsum – für den Tourismus aber hat dieser „Steirerhof“ jede Bedeutung verloren.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele