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Suppe gab es zum Frühstück #

Ja, das Essen und das Trinken war immer schon wichtig. Aber die Esszeiten und die Gepflogenheiten, wie man seine Nahrung zu sich nahm, waren früher in Graz etwas anders.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Schaustücke
Schaustücke
© UMJ

Im Mittelalter haben die Grazer nur zwei Mahlzeiten am Tag eingenommen, berichtet Fritz Popelka in der „Geschichte der Stadt Graz“: die Morgenmahlzeit um 9 Uhr, das Abendmahl um 16 Uhr. In der Hofspitalsordnung von 1590 wurden die Mahlzeiten auf 10 und 18 Uhr verschoben. In der Folge wurden die beiden Hauptmahlzeiten des Tages immer später angesetzt, bis im 18. Jahrhundert das Frühmahl zum Mittagessen geworden war, das gewöhnlich um 11 Uhr, später um 12 Uhr eingenommen wurde. Das Abendmahl wurde zum Nachtmahl, das man je nach Jahreszeit zwischen 18 oder 19 Uhr verzehrte.

„guet und wohlgekocht“ #

Die landschaftliche Stiftsschule gab ihren Schülern 1575 drei verschiedene „Tische“ (Pensionen), sozusagen erste, zweite und dritte Klasse. Für den ersten und „fürnembsten“ Tisch der jungen Adeligen wurden zu den Hauptmahlzeiten vier „guete und wohlgekochte“ Speisen aufgetragen, darunter zweierlei Fleisch und täglich am Abend ein Braten. Auf dem zweiten Tisch gab es pro Mahlzeit drei Speisen und drei Mal pro Woche Braten. Auf dem dritten Tisch wurden zwei gute Speisen pro Mahlzeit serviert und ein Gerstenkoch, im Sommer gab es auch grünes Kraut.

Gemälde von Balthasar Denner
„Alter Mann beim Essen“ nennt sich das Gemälde von Balthasar Denner (1685–1749, links) und zeigt den einst als Speise üblichen Brei.
© UMJ

Da man die Frühmahlzeit immer später gegessen hat, wurde im 17. Jahrhundert die Morgensuppe als Frühstück allgemein gebräuchlich. Zwischen Mittag- und Abendmahl schob man eine Jause ein, die gewöhnlich aus Wein und Brot bestand. So forderten 1662 auch die Grazer Schustergesellen eine Jause, wie sie in Wien üblich war. Weil die Abendmahlzeiten zwischen 16 und 18 Uhr gegessen wurden, klaffte bald schon ein großes Zeitloch zwischen Mahlzeit und Schlafengehen. Dafür erfand man den „Nachttrunk“. Im 18. Jahrhundert wurden die Abendmahlzeiten immer kleiner, dafür baute man den „Nachttrunk“ zu einem größeren Essen aus.

Wie aber haben unsere Vorfahren gegessen? Die Menschen verwendeten früher Messer nur zum Schneiden, gegessen wurde mit einem Löffel, der aus Holz, meist Buchsbaumholz, oder Horn geschnitzt war. Messer und Löffel aus Silber gab es nur für feierliche Anlässe und nur bei wohlhabenden Bürgern. Unter „Besteck“ verstand man früher einen Behälter für Messer und Löffel, den man ab dem 15. Jahrhundert am Gürtel mit sich trug. Gegessen wurde in ärmeren Kreisen (also bei der Mehrheit der Bevölkerung) auf Holz oder Steinguttellern. In gutbürgerlichen Kreisen war Zinngeschirr weit verbreitet. Als ganz besonders vornehm galt später Majolikageschirr (farbig bemalte und glasierte Keramik).

Museum im Palais
Schaustücke im Museum im Palais.
© KK

Das Werkzeug des Teufels #

Da man die Gabel in Graz noch nicht kannte, verwendeten die Bürger bei Tisch Servietten, um sich die Finger abwischen zu können. Gabeln waren im 17. Jahrhundert in unseren Breiten noch sehr selten. Und das hatte einen guten Grund, denn sie waren übel beleumundet, weiß Eva Marko, die Kuratorin der kleinen Ausstellung „Aufgegabelt“, die bis 30. Dezember im Museum im Palais in der Sackstraße bei freiem Eintritt zu sehen ist.

„Die Kirche hat sich dagegen ausgesprochen. Die hat gesagt, der liebe Gott hat uns fünf Finger gegeben, und daher können wir diese Finger auch verwenden und brauchen keine Gabel“, so Marko. Denn diese sei ein Instrument des Teufels, wie die Zacken beweisen. Schon die bekannte Mystikerin Hildegard von Bingen soll im 12. Jahrhundert gesagt haben, wer die Gabel statt der Finger benutze, verhöhne Gott.

Seit dem 11. Jahrhundert hat sich die Gabel allmählich von Byzanz über Venedig in Europa verbreitet, bis sie im 16. Jahrhundert auch in Mitteleuropa ankam. Nun benützten die Damen bei Hof Gäbelchen für picksüßes Konfekt und klebriges Obst, um sich nicht die Finger schmutzig zu machen. Hatte man anfangs eher Angst vor der Gabel bzw. hielt sie für völlig unnütz, so machte man sich nun lustig über sie, tat sie als weibisch ab und konnte sich gar nicht vorstellen, dass das Essen mit einer Gabel schmecken könnte. Noch Ende des 19. Jahrhunderts war der britischen Marine per Dekret verboten, eine Gabel zu verwenden – weil sie unmännlich sei.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele