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In der Sporgasse kam es zu wilden Tumulten #

Um 1590 hatte der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten in Graz seinen Höhepunkt erreicht, in der Sporgasse kames zum Tumult.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Leichenzug Erzherzog Karls II. von Innerösterreich
Der Leichenzug Erzherzog Karls II. von Innerösterreich vor den Mauern von Graz auf dem Weg nach Seckau.
Foto: © PRIVAT

Seit 1723 gibt es schon das Gasthaus „Zur Goldenen Pastete“ in der Sporgasse. Seine Spezialität: ein für Graz einzigartiger Runderker. Das Renaissance-Haus hatte der Hofbindermeister Ruepp Dietrich um 1570 errichten lassen. Damals war in Graz der Konflikt zwischen den Katholiken und den Anhängern der neuen Lehre Luthers an seinem Höhepunkt angelangt. Ein Großteil des steirischen Adels und viele Grazer Bürger waren zum neuen Glauben übergetreten, doch der Landesherr kämpfte vehement für die katholische Sache. Und holte zum Gegenschlag aus - die Gegenreformation begann.

Renaissancehaus
Vor dem Renaissancehaus, in dem heute die „Goldene Pastete“ ist, kam es 1590 zum großen Tumult, der vor dem Rathaus seine Fortsetzung fand.
Foto: © KK

In dieser aufgeheizten Stimmung schickte Ruepp Dietrich ein überzeugter Protestant, 1590 seinen Sohn in die evangelische Stiftsschule, deren Besuch auf Befehl Erzherzog Karls bereits verboten war. Also erschien am 4. Juni „abends gegen neun Uhr“ der Stadtrichter Andreas Spiegl mit seinen Wachen vor dem Haus, um Dietrich abzuholen.

„Wir reißen dich in Stücke“ #

Doch der mutige Bürger floh übers Dach seines Hauses zum gegenüberliegenden Dach des damaligen Münzhauses in der Hofgasse. Der Tumult lockte viele Zuschauer an, die den Stadtrichter und seine Wachen mit Fäusten und Steinwürfen vertrieben. Erbost schrie die Meute der Handwerksgesellen dem Wachtmeister zu: „Wir reißen dich in Stücke und werfen dich vom Fenster herab.“

Als am nächsten Tag der Sohn des Fassbindermeisters verhaftet wurde, belagerten an die 500 Personen das Rathaus, in dem damals das Gefängnis untergebracht war. Der „Pöbelhauf“ befreite den jungen Dietrich „und war schon nahe daran auch das Collegium der Jesuiten zu überfallen und an diesen ... Rache zu nehmen, als sich ein heftiges Unwetter erhob“, schrieb Richard Peinlich, Direktor des Akademischen Gymnasiums, im Schuljahrbuch von 1846.

„Der Tumult war so arg, dass der päpstliche Nuntius Malaspina und der Bischof von Gurk vom Pöbel misshandelt wurden“, berichtet Wilhelm von Gebler in der „Geschichte des Herzogthums Steiermark“ 1862. Der Aufruhr war derart wild, dass man in Graz von einer zweiten Pariser Bluthochzeit sprach – in Erinnerung an die blutige Bartholomäusnacht vom 24. August 1572, als in Paris Hunderte Hugenotten ermordet wurden.

Die Lage war so ernst, dass der herzkranke Erzherzog Karl, der zur Kur in Bad Mannersdorf war, sofort nach Graz aufbrach. „Er ließ sich über Maria-Zell bis Bruck in einer Sänfte tragen; von dort eilte er auf der Mur zu Schiff nach Graz, wo er am 7. Juli anlangte und am 10. Juli im fünfzigsten Jahre seines Alters und im sechsundzwanzigsten seiner Regierung den Geist aufgab.“

Als Herrscher folgte ihm sein zwölfjähriger Sohn Ferdinand und zog die Gegenreformation konsequent durch. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele