unbekannter Gast

Steinerne Zeugen - Relikte aus dem alten Wien#


Ausstellung in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten
21.3.2008 -11.1.2009


Zeugen der Veränderung

Prächtige Bürgerhäuser, adelige Palais, Klöster und Spitäler: Bis zu ihrer Demolierung prägten sie Wien, heute sind sie meist vergessen. Doch die Menschen, die einst in diesen Gebäuden lebten, hinterließen ihre Spuren und verewigten sich mit Hauszeichen, Wappen, Gedenktafeln und Inschriften. Davon haben einige den Abriss der Gebäude überlebt und wanderten in Depots. Die Ausstellung holt diese "Steinernen Zeugen" erstmals seit vielen Jahren ans Licht: Die gewichtigen Exponate erzählen von 400 Jahren Stadtgeschichte.

Bürgerhäuser und Palais

So hatte das Bevölkerungswachstum nach der zweiten Türkenbelagerung 1683 eine enorme Bautätigkeit zur Folge. Bürgerhäuser wurden umgebaut und aufgestockt, rascher Besitzerwechsel war die Regel. Umso wichtiger waren "Markierungen": Madonnenstatuen an der Fassade demonstrierten öffentlich die Frömmigkeit des Eigentümers, Wappen und Inschriften zeugten vom gesellschaftlichen Stand und berichten heute vom Leben einstmals bekannter Bürger. Reste von Adelspalästen sind vor allem dann erhalten, wenn sie von der Stadt erworben und einer anderen Verwendung zugeführt wurden, wie das Palais Esterhazy-Arenberg, das Schloss Pötzleinsdorf oder das Czartoryski-Palais.

Bild 'Diem_Loewe'

"Löwe" vom Palais Esterházy-Erdödy, Krugerstraße 10 / Walfischgasse 9 (Wien 1), 1810-1812,

Die zunehmende Profanisierung der Stadt lässt sich ebenfalls gut ablesen: Nachdem Joseph II. all jene Klöster auflösen ließ, die sich keinen sozialen Aufgaben widmeten, blieben oft nur die Epitaphe von Ordensschwestern oder Grundsteine übrig. Auch die frommen Andachtszeichen des Barock verschwanden im Laufe der Zeit, wie der "Christus in der Rast" oder die Dreifaltigkeitssäule vom Schwendermarkt.Viele Relikte erinnern an eine wichtige öffentliche Aufgabe: die Betreuung von armen, alten und kranken Menschen, etwa im Bürgerspital zu St. Marx oder im "Bäckenhäusel". Auch das Peilertor aus der Babenbergerzeit, die "Mehlgrube" am Neuen Markt und die Ferdinandsbrücke werden durch die Ausstellung wieder ins Bewusstsein gerückt.

Wer beauftragte einst die spätgotische Balkonbrüstung (1458) am Fleischmarkt?

Bild 'Diem_wappen'


Nach dem von Lukas Cranach d. Ä. gemalten Gnadenbild Mariahilf (Innsbruck, 1537) schuf der bekannte Bildhauer Balthasar Ferdinand Moll um 1770 ein Relief für sein Haus:

Bild 'Diem_madonna'


Und wie tröstlich mag die "Vindobona"-Figur gewirkt haben, die am Bürger-Versorgungshaus in der Alservorstadt "die Armut schützend" aufnahm?



Bild zum Vergrößern anklicken
Bild zum Vergrößern anklicken

Vindobona
Bild zum Vergrößern anklicken

Franz Melnitzky, "Vindobona, die Armut aufnehmend", vom Bürgerversorgungshaus in der Alservorstadt, Währinger Straße 45 / Spitalgasse (Wien 9), um 1860, St. Margarethner Kalksandstein, Gewicht: 600 kg.

Bild 'Diem_painting'

Das Gemälde links vom Ausgang zeigt rechts das 1860 vollendete und 1928 geschleifte Bürgerversorgungshaus, an dessen zentralem Dachfirst sich die Gruppe mit der 6 m hohen Figur der Vindobona befand.

Idee und Konzept zur Ausstellung stammen von Renata Kassal-Mikula. Die Kunsthistorikerin und Vizedirektorin des Wien Museums zeichnete in mehr als dreißig Jahren für viele erfolgreiche Ausstellungen verantwortlich und realisiert mit den "Steinernen Zeugen"– knapp vor ihrer Pensionierung – ein lange gehegtes "Lieblingsprojekt".