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Stock im Eisen#

Stock im Eisen (mit Klick vergrößern!) © P. Diem
Stock im Eisen

Der Stock im Eisen ist ein sagenumwobenes Wiener Wahrzeichen. Es befindet sich, von einer Plexiglaswand geschützt, seit 1891 am Equitable-Palais, Stock im Eisen-Platz 3. Die Türflügel des historistischen Gebäudes zeigen eine Darstellung der Sage. Seit 1974 steht der Stock im Eisen unter Denkmalschutz. Damals wurde er auch restauriert und wissenschaftlich untersucht. Demnach handelt sich um einen 2,19 m hohen Stamm einer zweiwipfeligen Fichte, die um 1440 gefällt wurde. Die Vorderseite ist mit Eisennägeln beschlagen (dies geschah schon, als der Baum noch lebte, bis ins 19. Jahrhundert und sogar noch beim U-Bahn-Bau) und von einem Eisenring mit einer Schlossattrappe umgeben. Der Baum wuchs außerhalb der Stadtmauer. Die Erstnennung - Standort bei einem Brunnen in der Mitte des heute nach ihm benannten Platzes ("da der Stock in Eisen liegt") - erfolgte 1533.

Ab dem 17. Jahrhundert setzte die Sagenbildung ein. Dabei mag die Deutung des Wahrzeichens als mythischer Mittelpunkt Wiens eine Rolle gespielt haben. Mithilfe eines Teufelspakts wurde ein Lehrbub zu einem berühmten Schlossermeister. Seine Seele war so lange vor dem Bösen sicher, als er die Sonntagsmesse besuchte. Nachdem er dies einmal wegen eines Trinkgelages unterlassen hatte, erschien der Teufel als riesiges Ungeheuer, packte den Schlosser und fuhr mit ihm in die Lüfte. Passanten fanden den zerfetzten Leichnam auf der Richtstätte. Erwiesen ist die Benagelung durch wandernde Schlossergesellen ab 1715. 1988 stellte die Schlosserinnung in ihrem Innungshaus eine Nachbildung auf, in die man nach bestandener Gesellen- oder Meisterprüfung einen Nagel einschlagen darf.

hmw

Quellen: Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Bd. 5. Wien 1997; Reingard Witzmann: Wunderorte, Zauberzeichen. St. Pölten 2003