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Auer von Welsbach, Carl Freiherr#

* 1. 9. 1858, Wien

† 4. 8. 1929, Schloss Welsbach Sankt Veit an der Glan, Kärnten


Chemiker

Auer_von_Welsbach
Carl Frh. Auer von Welsbach. Foto.
© Bildarchiv d. ÖNB, Wien, für AEIOU

Carl wurde am 1. September 1858 in Wien als Sohn des Direktors der k. k. Hofdruckerei Alois Ritter Auer von Welsbach und seiner Frau Therese geboren.

1877 legte er die Reifeprüfung an der Josefstädter Realschule ab, 1878 begann er - nach Ableistung des Militärdiensts als Einjährig-Freiwilliger - an der Technischen Hochschule in Wien zu studieren. Im April 1880 wechselte er an die Universität Heidelberg, wo er Vorlesungen und Laboratoriumsübungen bei Professor R.W. Bunsen besuchte.

1882 promovierte er zum Doktor der Philosophie an der Ruperta-Carola-Universität in Heidelberg mit sehr gutem Erfolg und kehrte nach Wien zurück. Er arbeitete als unbezahlter Assistent am Chemischen Institut der Universität Wien bei Prof. Adolf Lieben.

1885 gelang ihm die erstmalige Zerlegung des vermeintlichen Elementes "Didym" mit Hilfe einer neuen, von ihm entwickelten Trennmethode (beruhend auf der fraktionierten Kristallisation einer Didymammoniumnitratlösung) und damit die Entdeckung zweier neuer Elemente: nach der charakteristischen Färbung bekam die grüne Komponente von Auer die Bezeichnung Praseodymium, die rosa Komponente den Namen Neodidymium (im Laufe der Zeit bürgerte sich die Bezeichnung Neodymium ein).

Auer entwickelte ein Verfahren zur Glühkörperherstellung beruhend auf der Imprägnierung von Baumwollgeweben mittels Flüssigkeiten, in denen "Seltene Erden" gelöst sind und der Veraschung des Gewebes in einem nachfolgenden Glühprozess.

Er begann erste Glühkörper aus Lanthanoxid herzustellen, mit denen er die Gasflamme strumpfförmig umhüllte und erwarb 1887 die Fabrik für chemisch-pharmazeutische Erzeugnisse Würth & Co in Atzgersdorf zur industriellen Herstellung seiner Glühstrümpfe.

Durch Mängel dieser frühen Glühstrümpfe begannen 1889 Absatzprobleme und die Fabrik in Atzgersdorf wurde geschlossen.

Metallfaden-Glühlampe
Carl Auer von Welsbach, Metallfaden-Glühlampe
© Bildarchiv d. ÖNB, Wien, für AEIOU

1890 entwickelte Auer das Pasteverfahren zur Herstellung von Glühfäden aus hochschmelzenden Metallen und 1891 kam es zur Patentierung eines neuen, verbesserten Glühkörpers - dem "Auer-Glühstrumpf" aus 99% Thoriumoxid und 1% Ceroxid, der in Bezug auf die Lichtemission eine direkte Konkurrenz zur elektrischen Kohlenfadenlampe dieser Zeit war.

Die Produktion in Atzgersdorf wurde erfolgreich wieder aufgenommen.

Ebenfalls 1890 wurden zwei Herstellungsverfahren für Glühfäden patentiert und 1892 wurde die Firma Auergesellschaft Berlin gegründet.


Auer von Welsbach befasste sich auch mit der Verbesserung der elektrischen Glühlampe und entwickelte durch den Einsatz von Osmium und Wolfram die (Osram-)Metallfaden-Glühlampe. 1898 erwarb er ein industrielles Grundstück in Treibach (stillgelegtes Eisenwerk) und setzte hier seine Forschungs- und Entwicklungsarbeit auf diesem Gebiet fort.

Es kam zur Patentierung der Metallfadenlampe mit einem Osmiumleuchtfaden. Dies ist zugleich die Begründung der Pulvermetallurgie für höchstschmelzende Metalle durch Carl Auer von Welsbach, die Produktionsanlage zur Erzeugung der Osmiumlampen – Glühfäden in Treibach wurde errichtet.

Labor Auer v. Welsbach
Labor Auer v. Welsbach im Museum Treibach-Althofen
© Museum Treibach-Althofen

1902 wurden die ersten industriell gefertigten Osmiumlampen unter der Bezeichnung "Auer-Oslicht" auf den Markt gebracht. Die Vorteile dieser Lampen gegenüber den zu jener Zeit gebräuchlichen Kohlenfadenlampen waren ein 57% geringerer Stromverbrauch, geringere Schwärzung des Glaskolbens, ein durch die höheren Fadentemperaturen bedingtes "weißeres" Licht, sowie eine höhere Lebensdauer der Lampe und eine bessere Wirtschaftlichkeit.

Carl Auer von Welsbach begann sich nun mit Funken gebenden Metallen zu beschäftigen, mit dem Ziel, Zündvorrichtungen für Feuerzeuge, Gasanzünder und Gaslampen sowie zur Geschoß- und Minenzündung zu bauen. Die Möglichkeit, bei mechanischer Bearbeitung von Cer(-Eisen) Funken zu erzeugen, war ihm schon von seinem Lehrer Bunsen bekannt.

So kam es 1903 zur Patentierung seiner pyrophoren Legierungen (als optimale Zusammensetzung wurde in der Patentschrift ein Anteil von 70% Cer und 30% Eisen angegeben).

1906 gründete er die Firma OSRAM (ein Wortgebilde aus Osmium und Wolfram). Das Element Wolfram war als billigerer und geeigneterer Werkstoff für Glühlampendrähte erkannt worden. 1907 gründete er die "Treibacher Chemische Werke GesmbH" zur Erzeugung der Cer-Eisen-Zündsteine.

1924 wurde er durch den Physiker Wilhelm Wien für den Nobelpreis nominiert.

Am 4. August starb Carl Auer von Welsbach im 71. Lebensjahr auf seinem Schloss Welsbach in Kärnten. Er ist auf dem Hietzinger Friedhof (Gr.19/26D) bestattet.

Sein Denkmal steht im 9. Wiener Bezirk (Währingerstraße / Ecke Boltzmanngasse), eine Büste befindet sich im Technischen Museum, der Park gegenüber des Technischen Museums wurde nach ihm benannt und im 23. Wiener Bezirk ist ihm eine Straße gewidmet.

Literatur#

  • F. Sedlacek, Auer von Welsbach, 1934
  • Treibacher Chemische Werke, 1980
  • H. Auer-Welsbach, Die Erfindungen des Dr. Carl Auer von Welsbach, Diplomarbeit, Graz 1992
  • Neue Deutsche Biographie
  • Neue Österreichische Biographie
  • Österreichisches Biographisches Lexikon


Text aus dem Buch "Große Österreicher"#

Carl Auer von Welsbach 1858-1920


Die Erfindung, die ihn berühmt - und auch reich - gemacht hat, ist keineswegs seine einzige. Aber sie ist, obwohl durch die moderne Technik längst überholt und verdrängt, immer noch seine bekannteste. Wenn der Name Auer von Welsbach fällt, assoziiert man ihn mit dem Gasglühstrumpf. Er selbst hatte die neue Lichtquelle »Aktinophor« (»Strahlenträger«) genannt; als er sie 1895 auf einer Pressekonferenz demonstrierte, fand einer der Journalisten, man solle sie treffender »Gasglühlicht« nennen, und dieser Name blieb ihm dann.

Die eigentliche Erfindung bestand darin, den Leuchtstoff Lanthanoxid zur Lösung zu bringen und damit ein Baumwollgewebe zu tränken, das, über eine Gasflamme gestülpt, helles Licht gab - bei weniger als halbem Gasverbrauch die doppelte Lichtstärke aller bisher bekannten Leuchten. Auer von Welsbach konnte seine Erfindung günstig verkaufen und außerdem einige eigene Produktionsstätten errichten, darunter eine Fabrik in Atzgersdorf bei Wien. In kürzester Zeit standen in Österreich an die 50000 solcher Gasglühlichter in Verwendung, obwohl ein namhafter Techniker jede Wette eingegangen war, daß sich nicht mehr als l 000 Stück länger als ein Jahr halten würden.

Doch der Anfangserfolg trog. Das neue Licht hatte mächtige Feinde: die Damen vor allem. Denn sein Schein war grünlich und machte die Gesichter fahl und häßlich - da war es immer noch schmeichelhafter, in bescheidenerer Helle zu sitzen. 1889 mußte Auer von Welsbach seine Fabrik schließen. Aber er gab nicht auf. Zwei Jahre später meldete er ein neues Glühlicht-Patent an: Der »Strumpf« war von einem Platinring umgeben und nicht mehr mit Lanthanoxid, sondern mit einer Lösung getränkt, die aus 99 Prozent Thorium und einem Prozent Ceroxid bestand. Er besaß bei weiter verringertem Gasverbrauch eine dreifache Leuchtkraft und eine durchschnittliche Lebensdauer von 2 400 Brennstunden. Bald konnte die Atzgersdorfer Fabrik wiedereröffnet werden und lieferte im ersten Jahr bereits 100000 Brenner; ein Lizenznehmer in Deutschland erzeugte und verkaufte eine Million. Die höchste Befriedigung für Auer von Welsbach war es, als die Hofburg mit seinen Glühlichtern ausgestattet wurde. Als er vom Kaiser empfangen wurde, stand Franz Joseph auf, um ihm entgegenzugehen und seine Hand zu schütteln - eine überaus seltene Geste der Ehrung. Anfangs hatte der Monarch übrigens Befürchtungen geäußert, die fragilen »Strümpfe« könnten zerbrechen, wenn die Burgmusik mit schmetternden Trompeten durch den Burghof zog - aber sie hielten es aus. Sie hielten auch eine ganze Weile die Konkurrenz der von Edison erfundenen elektrischen Kohlenfadenlampen aus -jedenfalls, solange diese etwa dreimal so teuer kamen.

Auer von Welsbach erkannte die Möglichkeiten, die in der elektrischen Beleuchtung lagen. Er überließ - am geschäftlichen Teil seiner Erfindung ohnedies nur zweitrangig interessiert - die Glühstrumpfproduktion zur Gänze seinen Mitarbeitern und wandte sich der Elektrizität zu.

Nach langen Versuchen gelang es ihm, den unwirtschaftlichen Kohlenfaden durch dünnen Osmiumdraht zu ersetzen: Das Prinzip der bis heute üblichen elektrischen Glühbirnen war gefunden - nur sind inzwischen an die Stelle des Osmiums andere Materialien, allen voran Tantal und Wolfram, getreten.

Die Suche nach Materialien, mit denen man die Glühstrümpfe tränken konnte, hatte Auer von Welsbach auch mit dem an der brasilianischen Küste vorkommenden Monazitsand bekannt gemacht, der das Element Cer enthält, aus dem lange Funken sprühen, sobald man es reibt oder schlägt. Dazu fiel dem österreichischen Erfinder sofort wieder etwas ein: er legierte Cer mit Eisen, was eines komplizierten Prozesses bedurfte; aber dieses Cer-Eisen war der beste künstliche Zündstein für Feuerzeuge, der sich denken ließ. Es kam zuerst als Auermetall in den Handel. Er selbst gründete eine Produktionsstätte in Kärnten - die Treibacher chemischen Werke - und wieder gelang es ihm, den Weltmarkt zu erobern. Sein Interesse gehörte freilich vor allem der Wissenschaft. Stolzer als auf alles andere war er auf die Entdeckung zweier neuer Elemente, Praseodym und Neodym, auf seine Erforschung der »seltenen Erden« und seine speziellen Arbeiten über Lanthan und Thorium. Neider haben von ihm gesagt, er sei eben ein Glückskind gewesen, dem von Geburt an vieles in den Schoß gefallen war. Carl Auer von Welsbach war tatsächlich kein Selfmademan.

Sein Vater Alois, der aus bescheidenen Verhältnissen stammte und das Buchdruckergewerbe erlernt hatte, war von 1841 bis 1864 Direktor der Hof- und Staatsdruckerei, die unter seiner Leitung zu einem Unternehmen von Weltruf wurde, und machte sich als Erfinder des Naturselbstdruckes, der Schnellpresse und der automatischen Kupferdruckpresse einen Namen. Zwei Jahre nach der Geburt seines Sohnes wurden seine Verdienste durch die Erhebung in den Adelsstand honoriert - das Prädikat »von Welsbach« wies auf die Heimat der Familie, Wels, hin.

Früh erkannte der Vater die Begabung des Sohnes und bot ihm die besten Ausbildungsmöglichkeiten: Carl begann in Wien Chemie zu studieren und vollendete seine Ausbildung in Heidelberg bei Wilhelm von Bunsen, dem Erfinder des nach ihm benannten Brenners - daher kam das Interesse des jungen Forschers für Brenn- und Glühvorgänge. Nach Wien zurückgekehrt, fand der junge Auer von Welsbach in Robert von Lieben einen kaum weniger prominenten Lehrmeister, an dessen Institut er zu arbeiten begann. Die Entwicklung eines eigenen Kristallisationsverfahrens, das die Entdeckung der beiden bis dahin unbekannten Elemente möglich machte, ließ ihn bereits als Siebenundzwanzigjährigen zu Weltruf unter den Naturwissenschaftlern kommen.

Der Hofratssohn hatte sich als höchst eigenständiges Genie erwiesen. Was Lebensart und Lebensstil anlangte, fühlte sich Carl Auer von Welsbach trotz der Neuheit des Adelsbriefes durchaus als Aristokrat. Er erwarb von der Schauspielerin Marie Geistinger ein Schloß in Kärnten, er kaufte Bunsens Bibliothek nach dem Tod des verehrten Lehrers, und er überließ die banale Alltagsarbeit verläßlichen Angestellten. Gleichzeitig aber war er so etwas wie die Personifizierung des Forscher- und Gelehrteneifers: ein systematischer und disziplinierter Arbeiter, sparsam mit Worten und auch mit schriftlichen Aussagen, sofern es nicht um unzweifelhaft Bewiesenes ging, besessen von der jeweils selbstgestellten Aufgabe.

Als Siebzigjähriger schrieb er: »Die seltenen Erden lassen mich nicht zur Ruhe kommen. Sie haben meine Absicht, meine wissenschaftlichen Arbeiten abzuschließen, gründlich verdorben.«

Der Bericht über den Tod Carl Auer von Welsbachs, von seinem Freund und Bewunderer d'Ans verfaßt, liest sich wie der romantisierte Schluß einer Lesebuchgeschichte, aber es besteht kein Grund, an ihm zu zweifeln: Nachdem er sich am Samstag unwohl gefühlt und einen Arzt konsultiert hatte, »stand er danach auf, ging in den Garten, blickte umher, schloß sein Arbeitszimmer auf, verbrannte mehrere Papiere, blieb lange vor dem Bild seines Vaters stehen, ging darauf ins Laboratorium, deckte sein Spektroskop auf, streichelte es mit der Hand zärtlich, blickte auf die anderen, nahm von seinen letzten, noch in Arbeit befindlichen Thuliumreihen durch eine zweite Handbewegung Abschied, schloß die Räume wieder ab und legte sich ruhig hin. Zwölf Stunden darauf, am frühen Morgen des Sonntags, war er sanft für ewig entschlummert.«

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: P. Diem, I. Schinnerl