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Pfanhauser, Wilhelm sen. und jun.#

Chemiker, Industrielle

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Wilhelm Pfanhauser sen. (21. Mai 1843 in Wien - 1923 in Spital am Semmering) war der Sohn eines akademischen Malers. Schon in der Ober-Realschule interessierte er sich besonders für Chemie und Physik. Das Studium an der Technischen Hochschule in Wien musste er nach dem plötzlichen Tod seines Vaters aufgeben. Als Vertreter eines chemischen Betriebes bereiste er während 10 Jahren Wien, Berlin, Florenz und Mailand.

1873 gründete er in Wien 6 (Windmühlgasse 39) seine eigene Firma (Herstellung von Cyankalium, Handel mit Chemikalien und Materialien für Galvanisierbetriebe). Daneben widmete er sich der Optimierung von Nickelbädern und Nickelsalzen und stellte Nickelsulfat und Nickelammonsulfat her. Am 21.5.1874 heiratete er in Wien Henriette Rothansl, das Ehepaar hatte elf Kinder. Wilhelm Anton (1876-1960), Oscar (1881-1969) und Hermann (1885-1948) traten in die Firma ein. 1878 erschien das Fachbuch "Die galvanische Metallplattierung und Galvanoplastik".

1896 errichtete Wilhelm Pfanhauser sen. im 14. Wiener Gemeindebezirk (Felbigergasse 12) einen neuen Betrieb. Dort produzierte er mit vollautomatischen Anlagen wesentlich günstiger als zuvor in Handarbeit. Ein Jahrzehnt später entstand eine neue Fabrik in Wien 13, Gusenleitnergasse 14. In der Folge erwirkte er das Recht des Alleinvertriebs von Dynamos von Sigmund Schuckert, Nürnberg und eröffnete eine Filiale in Utrecht (Niederlande).

1907 kam es zum Zusammenschluss der Konkurrenzfirmen Wilhelm Pfanhauser und Dr. Georg Langbein als Langbein-Pfanhauser Werke AG (LPW) . Den Aufsichtsrat bildeten die beiden Senioren Hofrat Dr. Georg Langbein (1849-1909) und Wilhelm Pfanhauser sen.; den Vorstand Dr. Rudolf Jay und Dr. Wilhelm Anton Pfanhauser (bis 1945) . Die Geschäftsleitung lag in den Händen der Brüder Oscar und Hermann Pfanhauser.

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Dr. Wilhelm Anton Pfanhauser (* 11. April 1876 in Wien; † 16. September 1960 in Ehrenbichl bei Klagenfurt) wurde 1899 in Gießen promoviert. Sein Dissertations-Thema war „Das elektronische Verhalten des Nickelammonsulfats“. Durch das Studium der Naturwissenschaften konnte er seinem Vater wertvolle Anregungen im Bereich der Physikalischen Chemie geben. Besonderes Augenmerk schenkte er dem schwefelsauren Zinkelektrolyt für Blechverzinkung, das bald sein erstes österreichisches Patent brachte (1901 - Nr. 11667). Immer war ihm die Umsetzung wissenschaftlicher Ergebnisse in die Praxis wichtig. Unter seiner Leitung expandierte die Berliner Filiale, er bereiste Deutschland, Schweden, Norwegen und Russland. Eine Reihe weiterer Patente folgte: Voltametrische Waage (1903 - Nr. 15602), Elektrolytisches Verzinken von Rohren ( 1904 - Nr. 21089), Abformen von Klischees (1905 - Nr. 33649), Bleche aus Elektrolyteisen (1922 - Nr. 96147), Elektrolyse ( 1946 - Nr. 164046), Härtung von Kupferniederschlägen (1950 - Nr. 172066), Glänzende Bronzeniederschläge (1952 - Nr. 178244).

1997/1998 wurden die LPW durch Enthone OMI übernommen. Noch in den 1980er-Jahren fand die Übersiedlung in eine neue Fabrik nach Wien-Inzersdorf, Großmarktstraße 20 statt. Auf mehr als 4000m² Fläche standen Produktionshallen für die Bereiche Anlagentechnik und Chemie zur Verfügung, weiters Labor, Versuchsgalvanik, Konstruktionsbüro und Verwaltung. Wichtige Produkte waren Sanitär-Armaturen, Möbel-Beschläge und Brillenfassungen mit Edelmetall-Beschichtungen.

Quellen: Auer von Welsbach Forschungsinstitut Althofen, Außenstelle Wien
Österreichisches Patentamt

hmw