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Plößl, Simon#

* 19. 9. 1794, Wien

† 29. 1. 1868, Wien


Erfinder, Optiker


Simon Plößl
Simon Plößl. Lithographie von J. Kriehuber
© Ch. Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU

Am 19. September 1794 wurde Simon Plößl als Sohn eines Tischlers geboren.

Sein Lehrberuf war das Drechslerhandwerk, das seinerzeit weit verbreitet war, man denke nur an all die kunstvollen Verzierungen der damaligen Möbel. Die Drechslerei dürfte aber keineswegs sein Gefallen gefunden haben, und so trat er eine weitere Lehre an und wurde Lehrling in der optischen Werkstätte von Johann Friedrich Voigtländer in Wien.


In dieser relativ neuen Werkstätte lernte Plößl mit außergewöhnlicher Fertigkeit das Schleifen von Brillen- und Lupengläsern. Im Zuge seiner Ausbildung bekam er auch Einblicke in den Bau und die Zusammensetzung von optischen Apparaten, Mikroskopen, Fernrohren und Kaleidoskopen, die die Firma "Voigtländer" zu dieser Zeit baute. Nachdem er zwölf Jahre in dieser Firma gearbeitet hatte, konnte Plößl sich selbständig machen und eröffnete 1823 im Haus seines Vaters einen eigenen Betrieb. Bald musste der florierende Betrieb in Plößls eigenes Haus verlegt werden.


Plößl dürfte ein Meister seines Faches gewesen sein, denn nach und nach erwarb er einen hervorragenden Kundenkreis, der von der Güte seiner Geräte überzeugt war. Zu seinen bekanntesten Kunden zählte Franz Joseph Jacquin, der damals Professor der Botanik und Chemie an der Wiener Universität war und den Botanischen Garten in Wien als Direktor betreute. Ein weiterer Kunde war Johann Littrow, Professor der Astronomie und Direktor der Wiener Sternwarte. Eine Vielzahl anderer Naturwissenschafter Wiens waren ebenfalls Kunden bei Plößl.


Plößl besuchte eine Zeitlang Vorlesungen bei den genannten Professoren, eignete sich weitere Kenntnisse an und konnte so die Optikerprüfung erfolgreich ablegen und als qualifizierter Meister seine Werkstätte führen. 1845 soll sein Betrieb die damals stattliche Zahl von 36 Mitarbeitern beschäftigt haben. 1830 präsentierte Plößl ein Mikroskop, das besonders geschätzt wurde. Es arbeitete mit 25- bis 500facher Vergrößerung. Diesem Mikroskop folgten noch weitere Verbesserungen und Verfeinerungen. Da Plößl kein sehr hochbrechendes Glas zur Verfügung hatte, erzeugte er sogar Objektivlinsen aus Diamant, um zu einer noch besseren Auflösung zu kommen. Das "Plößl-Mikroskop" verbreitete den Namen seines Schöpfers in ganz Europa und stellte eine Spitzenleistung im damaligen Mikroskop-Bau dar.


Nach 1832 baute Plößl nach den Plänen von Professor Johann Littrow das erste dialytische Fernrohr. Dialytische Fernrohre umgehen die Kosten der großen, aus zwei Linsen hergestellten und verkitteten Objektive dadurch, dass die zweite Linse - aus Flintglas bestehend - in dem Strahlenkegel der einfachen Kronglas-Objektivlinse, in Entfernung der halben Brennweite von dieser, einen bedeutend kleineren Durchmesser benötigt. Die Linsen sind durch einen Luftzwischenraum voneinander getrennt. Auch durch seine kleineren und größeren Fernrohre wurde Plößl in der Fachwelt bekannt. Das größte Instrument dieser Art war der 1850 in seiner Werkstätte hergestellte Refraktor (dioptisches Fernrohr) für die Sternwarte in Konstantinopel, der vom Wiener Kaiserhof dem osmanischen Sultan Abdul Hamid als Geschenk übergeben wurde.


Simon Plößl kann man zu Recht als Wegbereiter der Wiener optischen Industrie und als deren hervorragenden Vertreter bezeichnen.


Seine Brillengläser hatten ebenfalls einen ausgezeichneten Ruf. Für die Qualitätsprüfung seiner Brillengläser entwickelte er einen eigenen Apparat. Nicht zu Unrecht kann die Behauptung aufgestellt werden, dass ein Teil des Fortschritts und des Erfolges der damaligen Wiener medizinischen Schule auf histologischen und physiologischen Gebieten auf den Einsatz des "Plößl-Mikroskopes" beruhte.


Im Gegensatz zu manch anderen Erfindern wurde Plößls Leistung allgemein anerkannt. 1835 erhielt er das Bürgerrecht der Stadt Wien, 1847 verlieh ihm die Stadt Wien die Große Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft. Hofrat Andreas von Baumgartner, Professor für Physik und Mathematik und zweiter Präsident der Wiener Akademie der Wissenschaften, würdigte Plößls Arbeiten in der „Zeitschrift für Physik und Mathematik". Die Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Heidelberg würdigte 1829 ebenfalls seine Leistung im Mikroskop-Bau.


Auf verschiedenen Wiener Gewerbeausstellungen erhielt Plößl die Goldene Medaille, so 1835, 1839 und 1845.


In manchen Depots wissenschaftlicher Einrichtungen findet man auch heute noch „Plößl-Mikroskope", bei deren Betrachtung man noch immer die Präzision und Kunstfertigkeit dieser Geräte bewundern kann. Tragisch im Leben Plößls war, dass sein Sohn, den er sorgfältig als Nachfolger ausbildete, mit 18 Jahren starb. In den späteren Jahren wurde Plößl durch die rasanten Neuerungen am optischen Sektor überfordert und konnte mit der neuen Technik und Entwicklung nicht mehr Schritt halten. Ein Betriebsunfall beendete das Leben dieses hervorragenden Optikers. Eine herabfallende Glasplatte verletzte Plößl so schwer (Durchtrennung der Pulsadern und Nerven der Handwurzel), dass er an den Folgen des Unfalls starb.


Inhaber der Werkstätte nach Simon Plößls Tod war 1868 Anna Fleckenstein, geborene Plößl, ab 1871 zusammen mit dem k.u.k. Hofoptiker Mathäus Wagner. Ab 1874 führte die Werkstätte M. Wagner alleine, er nahm 1888 M. Josef Wagner mit auf. Im Jahre 1905 lief die Firma auf Marie Wagner. Mikroskope wurden unter dem Firmennamen S. Plössl & Comp. bzw. S. Plössl & Cie bis 1905 weiter produziert. Bis 1882 wurden die eigentlichen, typischen Plößl-Mikroskope angeboten, die Produktion jedoch ab 1875 sukzessive auf die Herstellung von Hufeisenstativen umgestellt.


Im alten Technischen Museum in Wien waren sein Arbeitstisch und Geräte seiner Werkstätte zu besichtigen.

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl