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Werndl, Josef#

* 26. 2. 1831, Steyrdorf (Oberösterreich)

† 29. 4. 1889, Steyr (Oberösterreich)

Waffentechniker, Industrieller


Werndl, Josef
Josef Werndl. Gemälde von Kulstrunk, 1889.
© Privatbesitz.

Übernahm 1855 den väterlichen Betrieb zur Herstellung von Gewehrbestandteilen im Steyrer Wehrgraben, reiste 1863 mit seinem Werkmeister Karl Holub in die USA, wo er Waffenfabriken besuchte, und begann nach seiner Rückkehr 1865 mit dem Bau des nach ihm benannten Hinterladegewehrs (Werndl-Gewehr). Dieses 1867 bei der Armee eingeführte Gewehr hatte einen sogenannten Wellenverschluss, im Volksmund auch "Tabernakelverschluss" genannt. Diese Bezeichnung kommt daher, dass sich die Verschlusswelle in ähnlicher Weise um die Laufachse drehte, wie dies bei Tabernakeln der Altäre zu finden ist. Vielleicht hat sich Werndl an seine Zeit als Ministrant in Steyr erinnert, als ihm diese Erfindung glückte.

1869 Gründung der Österreichischen Waffenfabriksgesellschaft. (1923 Steyr-Werke AG, ab 1934 Steyr-Daimler-Puch AG). Mit der Aufnahme der Erzeugung des Mehrladegewehrs von Ferdinand von Mannlicher beschäftigte er bis zu 10.000 Arbeiter, womit Steyr als Zentrum der europäischen Waffenproduktion galt (Gewehre). 1884 organisierte er in Steyr eine Elektrizitätsausstellung und installierte die erste elektrische Straßenbeleuchtung. Werndl schuf auch vorbildliche Sozialeinrichtungen (Arbeitersiedlungen im "Wehrgraben"). Auf Werndl geht auch das bekannte Steyr "Waffenrad", ein relativ schweres aber sehr stabiles Fahrrad, zurück, das 1895 entstand.

Literatur#

  • M. Pfaffenwimmer, Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der "Österreichischen Waffenfabriksgesellschaft" unter der Leitung des Generaldirektors J. Werndl 1869-89, Dissertation, Wien 1985
  • J. Schuy, Das Waffensystem Werndl, 1997
  • H. Stögmüller, Josef Werndl und die Waffenfabrik in Steyr, 2010

J


Die Niederlage von Königgratz kam natürlich Werndl sehr zugute. Hinterladergewehre wurden dem Kaiser nämlich schon wesentlich früher angeboten, von diesem aber abgelehnt, weil sie zu gefährlich seien. 1866 waren dann die Vorderlader der Österreicher zu gefährlich, für diese selbst nämlich. ( 77% Verluste der Infanterie schon in den Vorgefechten von Trautenau, Skalitz, Hühnerwasser und Schweinsschädel). Verzweifelt befahl Benedek, dass die Infanterie vorsichtiger an den Feind heranzuführen sei, was allerdings nichts nützte, da die Österreicher beim Feuerkampf standen, die Preußen aber durchaus, etwa im Swiep-Wald im Zentrum des Schlachtfeldes, aus gedeckten Stellungen kämpften. Zahlreiche Leichen der Österreicher waren übrigens bis zu fünfmal getroffen, was die überlegene Feuerkraft der Preußen unterstreicht.

--Glaubauf Karl, Dienstag, 2. November 2010, 12:39