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25 Jahre Kampf für die Umwelt#

von

Thomas Meickl


Von der Wochenzeitschrift Die Furche (Donnerstag, 22. Mai 2008) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


Greenpeace

Zu Beginn der 1980er Jahre war es um den Umweltschutz in Österreich ziemlich ruhig geworden. Die Proteste rund um das Atomkraftwerk Zwentendorf (1978) lagen bereits einige Jahre zurück, das Klima interessierte noch niemanden und die Mülltrennung war bestenfalls etwas für „grüne Spinner“ oder die Industrie, sofern sie sich wirtschaftlich bereits rentierte.

• 1982 Umweltschützer gründen die Vereine Freunde von Greenpeace und Global 2000.

Dieses Jahrzehnt veränderte die Einstellung der Österreicher zur Umwelt grundsätzlich. Neben der Gründung von Greenpeace Österreich sah dieses Jahrzehnt auch die Besetzung der Hainburger Au und den Einzug der Grünen in den Nationalrat. Und eine weit weniger medial beachtete Kleingruppe von jungen „Aktivisten“ – zu denen auch der Autor dieses Artikels gehört – begann Ende der 1980er Jahre in der Hauptschule I in St. Johann in Tirol, in der großen Pause Joghurtbecher zu sammeln, zu waschen und der Wiederverwertung zuzuführen. Keine einfache Aufgabe, musste dieser wertvolle Rohstoff doch zunächst aus den Mülltonnen geholt werden. Bald waren die umweltbewussten Hauptschüler als „Mullstierer“ (Müllstöberer) verschrien.

• 1983 Vertrag mit Greenpeace International, Global 2000 bleibt eigenständig

Am Ende siegte aber doch der Umweltgedanke. Und wenngleich der Einsatz der jungen Tiroler Aktivisten sicher nicht zur Einführung der allgemeinen Mülltrennung in Österreich führte, so war die Aktion zumindest ein Anfang. Heute gibt es in vielen Bereichen strenge Umweltauflagen, die vor allem die Wirtschaft betreffen. Und die Ökonomie war jener Bereich der Gesellschaft, der in den vergangenen 25 Jahren am meisten dazulernen musste und dies auch tat.

• 1984 „Natur statt Beton“ – die Hainburger Au wird besetzt, die Umwelt wird zum Politikum.

War es früher geradezu selbstverständlich, in der Zellstoff- und Papierindustrie mit Chlor zu bleichen und das dadurch verschmutze Brauchwasser in die Flüsse zu leiten, so kann sich das heute kaum noch jemand vorstellen – selbst Vertreter aus der Branche nicht. Dass diese Entwicklungen in der Gesellschaft stattfinden konnten, ist nicht nur, aber zum großen Teil Verdienst von nichtstaatlichen Organisationen (NGO) wie Greenpeace. Die Umweltschutzbewegung hat in Österreich viel erreicht, ob es sich um eine grüne Revolution gehandelt hat, bleibt dahingestellt. Die grüne Bewegung hat auf alle Fälle noch einen weiten Weg vor sich, sagt Greenpeace CEE Geschäftsführer Alexander Egit im Streitgespräch mit Dorothea Sulzbacher vom OMV Future Energy Fund (Seite 22).

• 1986 Protest gegen Chlor-Bleiche mittels „Rohrblockade“ des Zellstoffwerks in Kematen/NÖ.

Denn laut Egit müsse es einen Schulterschluss zwischen NGOs und der Wirtschaft geben, um Dinge nachhaltig verändern zu können. So lange das nicht geschieht, würde die Entwicklung hin zu einem nachhaltigen Umgang mit der Natur weiter langsam vonstatten gehen. Vielleicht zu langsam. Das ist das Dilemma der „grünen Idee“ in Österreich. Es ist nämlich bereits viel erreicht worden, und jene, die diese Entwicklung vorangetreiben haben, fordern nun noch weitere Taten.

• 1991 5000 Österreicher spenden Holzkreuze für das Mahnmal vor dem AKW Bohunice.

Das erzeugt Unverständnis. Vor 25 Jahren konnte man „einfach“ für Umweltschutz eintreten, denn die schäumenden Flüsse waren Realität, der saure Regen keine Einbildung und die Bedrohung durch die Nutzung der zivilen Atomkraft mit dem GAU von Tschernobyl 1986 (der zweitgrößte nukleare Unfall der Welt nach der Havarie von Majak im Jahr 1956) mehr als augenscheinlich.

• 1993 „Jahr des Klimas“: Aktionen gegen das Kohlekraftwerk Dürnrohr und die EVN.

Nicht, dass es damals einfach war, die Stimme für die Umwelt zu erheben und Gehör zu finden, aber die Beweise für die Umweltverschmutzung waren plakativer. Das half.

• 1997 1,2 Millionen Österreicher unterschreiben das Gentechnik- Volksbegehren

Heute ist die Bedrohung durch die globale Erwärmung zum Beispiel genauso wenig ein fiktives Horrorszenario, wie es die gekippten Gewässer in Österreich durch die Chlorbleiche waren. Da die Folgen aber stark zeitverzögert aufreten und CO2 keine Farbe hat, sind selbst häufigere Umweltkatastrophen noch nicht genügend Beweis, um eine Massenbewegung in Gang zu setzen. Noch ist der Umweltschutz in vielen Belangen eine Glaubensoder Ideologiefrage.

• 2001 Greenpeace Österreich wird zu Greenpeace Zentral- und Osteuropa (Greenpeace CEE).

Und eines scheint selbst einer der Umwelt sehr aufgeschlossenen Bevölkerung wie der österreichischen noch nicht ganz klar zu sein: dass jeder seinen Teil beitragen muss, damit sich etwas ändert.

• 2004 Greenpeace Österreich erhält den Konrad-Lorenz-Staatspreis für Natur- und Umweltschutz.

Eine weitere Entwicklung der vergangenen 25 Jahre ist die, dass die Umwelt zumindest „sexy“ genug geworden ist, dass es sich keine Partei mehr leisten kann, sich des Themas nicht anzunehmen. Das Thema Umwelt haben die Grünen genauso wenig gepachtet wie Greenpeace.

• 2007 Aktionen rund um die Lederfabrik Boxmark, die die Raab verschmutzt und vergiftet.

So buhlen die unterschiedlichsten NGOs und Parteien mit Umweltthemen medial um die Aufmerksamkeit der Menschen – zum Guten oder zum Schlechten. Faktum ist, die Umweltbewegung hat in Österreich erst Zwischenziele erreicht.

• 2008 Zentrale der Erste Bank wird zugemauert: Protest gegen die Finanzierung des AKWs Mochovce.


Die FURCHE, Nr.21, 22. Mai 2008