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Ökologie #

Hermann Maurer

Die naturwissenschaftliche Disziplin der Ökologie beschäftigt sich mit den Wechselbeziehungen der Organismen und ihrer unbelebten und belebten Umwelt und mit dem Stoff- und Energiehaushalt der Biosphäre und ihrer Untereinheiten (z.B. Ökosysteme). Der Terminus Ökologie wurde 1866 von E. Haeckel geprägt. Die Verwendung des Begriffes »ökologisch« ist heute weiter als seine naturwissenschaftliche Bedeutung. Er steht für einen schonenden Umgang mit der Natur und eine nachhaltige Nutzung der Naturgüter. Er wird häufig schon als fast gleichbedeutend mit umweltfreundlicher und nachhaltiger Entwicklung verwendet.

Es gibt verschiedene Ansätze, wie man die Ökologie in Teilbereiche gliedert.

Eine Art der Gliederung orientiert sich an den Lebensräumen, so dass man z.B. zwischen mariner Ökologie (Meere), limnischer Ökologie (Süßwasser) und terrestrischer Ökologie (Landlebensräume) unterscheidet.

Relative junge Zweige der Ökologie sind die Stadtökologie, die sich mit ökologischen Zusammenhängen im von Menschen besiedelten Gebieten beschäftigt, oder auch die stärker geografisch beziehungsweise landschaftlich geprägte Geo- oder Landschaftsökologie, die heute bei Projektplanungen (Kraftwerken, Verkehrsnetzen,...) eine wichtige Rolle spielt.

In der Wissenschaft verwendet man oft eine andere Klassifizierung:

Die Autökologie untersucht die Ansprüche des Einzellebewesens an seine Umwelt. Sie ist eng mit der Physiologie verbunden. Die Populations- oder Demökologie untersucht die Wechselbeziehungen zwischen artgleichen Individuen innerhalb von Fortpflanzungsgemeinschaften (Populationen). Enge Beziehungen bestehen zur Populationsgenetik, mit der sie oft zur Populationsbiologie zusammengefasst wird. Die Synökologie beschäftigt sich mit den Wechselbeziehungen der verschiedenen Populationen untereinander sowie mit ihrer unbelebten Umwelt. In ihrer Weiterentwicklung hat sich in jüngster Zeit die Systemökologie als die Disziplin herausgebildet, die Ökosysteme in ihrer gesamten Komplexität untersucht. Damit verliert die traditionelle Trennung in Pflanzen- und Tierökologie zunehmend an Bedeutung.

Neben diesen oft überschneidenden Begriffen spricht man auch von Humanökologie (der Beziehung zwischen Menschen und deren Umwelt), von Tierökologie, von Pflanzenökologie, zusammengefasst als Bioökologie (Wechselbeziehungen zwischen Organismen und ihrer natürlichen Umwelt), aber auch von der Hydrobiologie, wobei sich letztere mit den Wechselwirkungen zwischen wasserlebenden Organismen und ihrer Umwelt befasst.

Bei der Kulturökologie behandelt man die Wechselwirkungen zwischen dem Menschen und seiner natürlichen Umwelt, bei der Sozialökologie geht es um die Wechselbeziehungen zwischen Menschen und ihren sozialen, biologischen und physischen Umwelten. Es finden sich aber auch Begriffe wie Politische Ökologie, Verkehrsökologie und Historische Ökologie.

Der Ökosystembegriff legte den Grundstein für die Entwicklung der Ökologie zur modernen Systemwissenschaft. Ab den 1960er-Jahren begann eine intensive, auf dem Ökosystemkonzept basierende ökologische Forschung. Eine wichtige Rolle spielt nunmehr die Anwendung der Systemanalyse, die zur Formulierung mathematischer Modelle führt, Modelle zur Beschreibung ökologischer Gleichgewichte und die Informatik, die die Erfassung und Verarbeitung komplexen Datenmaterials erlaubt. In den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rückte die Ökologie seit Ende der 1960er-Jahre, als die Auswirkungen der Umweltverschmutzung und die Begrenzung der natürlichen Rohstoffvorkommen immer deutlicher wurden. Zunehmende Bedeutung erlangte die Ökologie auch als naturwissenschaftliche Grundlage für den Naturschutz.

Die ökologische Bewegung ist eine der aktivsten und mit den meisten Folgewirkungen verbundene Initiative des ausgehenden 20. Jahrhunderts, die den umweltpolitischen, wirtschaftspolitischen, technologischen, gesellschaftspolitischen und kulturellen Bereich beeinflusst.