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Es gibt keinen Weg zurück#

Wind, Sonne, Wasserkraft & Co sollen bis 2020 den Energiebedarf decken#


Von der Wiener Zeitung (Samstag/Sonntag, 22./23. Juni 2013) freundlicherweise zur Verfügung gestellt


Weichen für 100 Prozent erneuerbare Energie in Österreich gestellt.#

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Mit der Kraft von Wind oder Sonne: 97 Prozent der heimischen Bevölkerung sind laut einer Karmasin-Studie für den Ausbau von erneuerbaren Energien.
© apa/G. Hochmuth, dpa/A. Weigel

Wien. (ede) An der Energiewende führt kein Weg vorbei, darüber sind sich spätestens seit der Reaktorkatastrophe in Fukushima Entscheidungsträger auf nationaler und internationaler Ebene einig. Der Rückzug aus der Atomenergie ist nur ein Teil des ehrgeizigen Projekts: Die begrenzte Verfügbarkeit fossiler Energieträger wie Erdöl, Erdgas und Kohle erfordert den Ausbau erneuerbarer Energien wie Windkraft, Photovoltaik oder Wasserkraft.

Ökostromgesetz 2012 stellte die Weichen#

In Österreich werden die Interessen der wichtigsten Akteure aller Sektoren im Bereich nachhaltiger Energien vom Verband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) wahrgenommen. Der Verband hat 2010 einen Plan vorgelegt, wie Österreich bis 2020 zu 100 Prozent mit Strom aus nachhaltig zur Verfügung stehenden Energieressourcen versorgt werden könnte.

Eine Zwischenbilanz zeigt: Die Weichen wurden mit dem Ökostromgesetz 2012 gestellt, die eine oder andere Optimierung steht noch aus, sagt EEÖ-Präsident Josef Plank: "Das gesamte Umfeld muss auf die energiepolitische Zielsetzung für erneuerbare Energien ausgerichtet werden." Er fordert auch ein ambitioniertes Energiesparkonzept. "Seit dem Jahr 2000 ist der Stromverbrauch in Österreich um knapp 20 Prozent gestiegen. De facto müsste er aber sinken, um die Umstellung auf 100 Prozent erneuerbare Energien zu schaffen", so Plank.

Handlungsbedarf besteht: Erwin Mayer, stellvertretender Geschäftsführer des Verbands Kleinwasserkraft Österreich, weist auf den in den vergangenen Jahren gesunkenen Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Stromverbrauch hin: 1990 waren es noch 70 Prozent, zuletzt nur mehr 64 Prozent (inklusive Großwasserkraft).

Dass die EU fordert, Energie müsse nicht nur nachhaltig, sondern auch bezahlbar bleiben und sich mit niedrigeren Energiepreisen befassen will, lässt Mayer so nicht im Raum stehen. Mit billiger Energie sei der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Steigerung der Energieeffizienz in Europa unrealistisch. Im Gegenteil: "Wir brauchen sehr wohl teurere Energie, aber ohne dass Konsumenten und Unternehmen darunter leiden." Dies sei durchaus machbar, etwa durch einen erleichterten Zugang zu erneuerbaren Energien für einkommensschwächere Bevölkerungsschichten oder die Ökologisierung des Steuersystems.

EEÖ-Präsident Plank plädiert zudem für eine CO2-Steuer anstelle des Emissionshandels in Europa, der "komplett zusammengebrochen" sei.

Neuer Strom braucht neue Netz#

Leistbarkeit für die Bevölkerung und die Unternehmen sollte bei der Verfolgung der energiepolitischen Ziele der EU immer die oberste Priorität haben, betont unterdessen Paul Rübig, der Energiesprecher der ÖVP im Europäischen Parlament. Keinesfalls sollten jegliche CO2-armen Stromerzeugungsarten gefördert werden. Nur die sichersten, kosteneffizientesten und saubersten Energien sollten verwendet werden.

Eine europäische Energiewende in Richtung alternativer Energiequellen bei gleichzeitiger Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit sei nur dann möglich, wenn die Infrastruktur bei Übertragungs- und Verteilernetzen massiv ausgebaut und technisch verbessert werde, betont der Sprecher des Forums Versorgungssicherheit, Christof Zernatto. Dieser Herausforderung müssen sich nicht nur die Übertragungs- und Verteilernetzbetreiber stellen, sondern auch alle für die rechtlichen, finanziellen und politischen Rahmenbedingungen zuständigen Entscheidungsträger.

Für Verteilernetzbetreiber würden heuer die Rahmenbedingungen für die nächsten fünf Jahre fixiert. In diesem Zeitraum werden die Investitionen für Smart Metering anfallen und die Weichen für die Integration von erneuerbaren Energieträgern und Smart Grids gestellt. Die nächste Regulierungsperiode sei somit wie keine zuvor für Ausbau und Weiterentwicklung der Netzinfrastruktur maßgeblich.

Zum Energie-Binnenmarkt gehöre auch das Recht, dass jeder Verbraucher in den Ländern der EU kostenlos innerhalb von drei Wochen den Energieversorger wechseln könne, so EU-Parlamentarier Rübig.

Schätzungen zufolge könnten die Konsumenten in der EU bei einem Wechsel zum günstigsten Stromtarif insgesamt Kosten bis zu 13 Milliarden Euro jährlich sparen.

Wiener Zeitung, Samstag/Sonntag, 22./23. Juni 2013