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Sparlampen statt Glühbirnen – EU setzt laut Elektrikern aufs falsche Pferd#

Sterbende Technik per Verordnung?#


Mit freundlicher Genehmigung aus der Wiener Zeitung (Mittwoch, 25. März 2009)


Heimische Elektriker schlagen Alarm. Sparlampen seien nicht einmal in der Ökobilanz besser.#

Wien. (wak) Wie sinnvoll ist der geplante Austausch der Glühbirnen durch Sparlampen? "Sehr", tönt es von Philips und Osram, den beiden Unternehmen, die den europäischen Sparlampen-Markt fest im Griff haben. "Sehr", heißt es auch von der EU-Kommission, die das Aus der konventionellen Birne per Verordnung besiegelt hat.

"Überhaupt nicht", meint hingegen Rudolf Reisl, Bundesinnungsmeister der Elektrotechnik. Er und seine Ingenieurskollegen machten bei einer Pressekonferenz in Wien klar, dass sie herzlich wenig von der Sparlampe halten. Sie erinnerten etwa daran, dass der Anteil der Beleuchtung in Privathaushalten nur zwischen 3 und 4 Prozent ausmache. Durch den Einsatz von Sparlampen würde dieser Teil wiederum nur um potenzielle 30 Prozent reduziert werden. Dazu komme, dass es noch keine umfassende Ökobilanz gebe, in welcher Sparlampen mit Glühbirnen verglichen worden sind.

Problem bei Herstellung und Entsorgung#

"Bei der Lebensdauer haben Sparlampen vielleicht die Nase vorn – aber nicht bei der Herstellung und der Entsorgung." Denn einerseits verbrauche eine Leuchtstoffröhre bei ihrer Fertigung zehnmal mehr Energie als eine Glühbirne. Andererseits wird die Sparlampe durch ihre Inhaltsstoffe wie Quecksilber zum Abfallproblem. "Das schau ich mir an, dass Sie alle Europäer davon überzeugen können, die Lampen nicht einfach in den Müll zu hauen. So wie man’s halt von der Birne gewohnt war", erklärt der Wiener Innungsmeister Josef Witke. Der Ersatz der Glühbirne durch die Sparlampe sei technisch nicht begründbar. "Dieser EU-Entscheid basiert allein auf dem Lobbyismus der Industrie, die aus sterbenden Produkten noch Gewinn machen will", meint Witke. "Die Zukunft liegt in Halogenlampen und LED-Lampen." LED-Leuchten hätten etwa eine wesentlich längere Lebensdauer als Glühbirnen und Energiesparlampen, verfügten über regulierbare Lichtstufen und kämen überdies ohne giftige Inhaltsstoffe aus.

Das Argument von Philips, dass LED-Lampen erst in fünf Jahren eine ernst zu nehmende Konkurrenz zur Sparlampe seien, kenne Witke: "Und es ist falsch. In Asien ist die LED-Technologie schon längst so fortgeschritten, dass sie für Haushalte einsetzbar wäre."

Wiener Zeitung, Mittwoch, 25. März 2009