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Die nachwachsende Minderheit#

Österreichs einzige Messe für vegane Ernährung freut sich über wachsenden Zuspruch#


Von der Wiener Zeitung (Dienstag, 19. März 2013) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Matthias Nagl


Zahl der Veganer steigt, Wissenschaft bezeichnet Ernährungsform als extrem.#

Veganes Menü
Mit einem Schnitzel oder Steak hat Tofu rein äußerlich zwar nichts gemeinsam - das bei Vegetariern und Veganern beliebte Nahrungsmittel aus Sojabohnenteig enthält aber ebenfalls viel Eiweiß.
© fotolia

Salzburg. Wörter - und Produkte - wie Speck, Käse oder Wurst dürfen auch Veganer in den Mund nehmen. Das war auf der Veggie Planet, Österreichs einziger Messe für vegane Ernährung in Salzburg, nicht zu übersehen. Veganer, also Menschen, die sich ausschließlich auf pflanzlicher Basis ernähren, müssen nicht auf den Genuss von weitverbreiteten Speisen wie Käse oder Wurst verzichten. Davon konnten sich Veganer und Nicht-Veganer am Wochenende in Salzburg überzeugen, am 20. und 21. April ist die Veggie Planet in der Messe Graz zu Gast, bald soll die Messe auch in Wien stattfinden.

Die Veranstaltung richtet sich nicht nur an Veganer. "Das Thema wird für immer mehr Menschen interessant", ist Felix Hnat überzeugt. Er ist Obmann und Geschäftsführer der Veganen Gesellschaft Österreich (VGÖ), dem Veranstalter der Veggie Planet. Ausschließlich vegane Ernährung ist noch ein absolutes Minderheitenprogramm. In Österreich dürften rund 0,5 Prozent der Gesamtbevölkerung vegan leben, in Wien schätzt Hnat ihren Anteil auf 0,7 Prozent. Der Anteil von Vegetariern, die lediglich auf Fleisch verzichten, dürfte bei fünf Prozent liegen. Verlässliche Statistiken gibt es nicht.

Dass vegane Lebensweise boomt, gilt aber als unbestritten. Die VGÖ freut sich über einen Mitgliederzuwachs von 30 Prozent jährlich. Auch die Messe Veggie Planet ist aus dem Kongresshaus in eine größere Halle im Messezentrum übersiedelt. Gegenüber den etwa 3000 Besuchern bei der ersten Ausgabe im vergangenen Jahr habe es eine "deutliche Steigerung" gegeben, berichtet Hnat.

Die Besucher konnten auch eher ausgefallene Produkte wie veganes Speiseeis oder veganes Kebab probieren. Besonders stolz ist Hnat auf die Salzburger Nockerl, einer eigentlich auf Eibasis hergestellten Spezialität, die im Rahmen einer Kochshow bei der Messe ohne Ei zubereitet wurde.

Hnat charakterisiert die klassische Veganerin als "urban, weiblich und gebildet". Das Thema interessiert aber Menschen aus der gesamten Bevölkerung. So besuchte auch ein Baupolier aus dem angrenzenden Oberösterreich mit seiner Frau, einer Familienhelferin, die Veggie Planet. Seit sechs Jahren ernährt sich das Paar vegetarisch, nun überlegen sie, auf vegane Ernährung umzustellen. Die Hauptmotivation sind der Schutz der Tiere und die eigene Gesundheit.

Wirtschaft entdeckt den neuen Trend#

Obwohl ihn der Pferdefleisch-Skandal nicht direkt betroffen hat, hat er ihn doch berührt, sagt der Baupolier: "Weil man gesehen hat, dass der Mensch extrem ist. Er hat keinen Respekt vor nichts. Ich finde es schlimm, dass die Gewinnsucht so groß ist." Statt Leberkäse gibt es für ihn auf der Baustelle Aufstriche von zuhause zur Jause. Das Paar versorgt sich über Internetversand und Eigenanbau mit Lebensmitteln, Supermärkte werden nur mehr selten frequentiert. "Dort spricht mich kaum noch etwas an", sagt der Baupolier. Hnat betont allerdings, dass auch die Wirtschaft diesen Trend immer stärker entdecken würde. Vergangenes Jahr hätten die Einkäufer der Lebensmittelkonzerne Rewe und Spar die Messe besucht. Spar gibt inzwischen eine eigene vegetarische Eigenmarke heraus. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht spricht nichts gegen rein vegane Ernährung, erklärt Jürgen König, Leiter des Instituts für Ernährungswissenschaften an der Universität Wien. "Es ist aber um einiges komplizierter. Man muss sich relativ gut auskennen, um sich nahrhaft zu ernähren", sagt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Hauptproblem seien der Mangel an Eisen und dem Vitamin B12. Das lasse sich aber durch pflanzliche Produkte ausgleichen. "Man muss sich einfach intensiver mit seiner Ernährung auseinandersetzen", sagt König. Das schade aber - abgesehen von den persönlichen Vorlieben - nicht.

Aktueller Fleischkonsum höher als gesundes Maß#

"Grundsätzlich kann ich die ethische Motivation von Veganern zwar verstehen, es ist aber eine extreme Ernährungsform", sagt König. "Es gibt bestimmte Bedingungen, unter denen wir keine vegane Ernährung empfehlen." Das gelte für die Schwangerschaft ebenso wie für Kleinkinder. "Bis zum Alter von drei Jahren kann es bei veganer Ernährung zu extrem starken Nährstoffmängeln kommen", erklärt König.

Der aktuelle Fleischkonsum der Österreicher geht allerdings über das gesunde Maß hinaus. Die vom Gesundheitsministerium herausgegebene Ernährungspyramide sieht wöchentlich maximal drei Portionen Fleisch und drei Eier, inklusive verarbeiteter Produkte, vor. Das trifft sich mit der Ansicht der Messeveranstalter. Die möchte auch jenen Menschen Alternativen bieten, die keine Vegetarier sind, aber ihren Fleischkonsum verringern wollen.


Wiener Zeitung, Mittwoch, 13. März 2013