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Siegfried Ludwig ist tot#

Er initiierte die Gründung einer Landeshauptstadt#


Von der Wiener Zeitung (Mittwoch, 17. April 2013) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


Landeshauptmann Pröll würdigte Vermächtnis#

Siegfried Ludwig
Im 88. Lebensjahr ist Siegfried Ludwig am Dienstag gestorben.apaIm 88. Lebensjahr ist Siegfried Ludwig am Dienstag gestorben.
© apa

St. Pölten. Niederösterreichs Alt-Landeshauptmann Siegfried Ludwig (ÖVP) ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 87 Jahren im Kreise seiner Familie im Landesklinikum St. Pölten. Der Nachfolger von Andreas Maurer und Vorgänger von Erwin Pröll war vom 22. Jänner 1981 bis 22. Oktober 1992 im Amt. Zu seinem politischen Vermächtnis zählt vor allem die Schaffung einer eigenen Landeshauptstadt. Stichwort: "Ein Land ohne Hauptstadt ist wie ein Gulasch ohne Saft."

Pröll: Ludwig hat dem Land Selbstbewusstsein gegeben#

Die jahrzehntelange Diskussion um dieses Thema wurde am 1. und 2. März 1986 mit einer von Ludwig initiierten Volksbefragung beendet, bei der sich die Landesbürger mehrheitlich für St. Pölten aussprachen. Zwei Jahre zuvor hatte Ludwig beim 33. Landesparteitag der Volkspartei Niederösterreich in Klosterneuburg ein derartiges Projekt als "kühne, aber durchaus realistische Vision" bezeichnet.

Am 10. Juli 1986 wurde St. Pölten offiziell Landeshauptstadt. Mit der Volksbefragung hatte Siegfried Ludwig auch sein weiteres politisches Schicksal verknüpft. Hätten sich die Niederösterreicher gegen eine eigene Landeshauptstadt ausgesprochen, wäre er noch 1986 als Landeshauptmann zurückgetreten.

"Siegfried Ludwig hat diesem Land ein starkes Herz und ein neues Selbstbewusstsein gegeben. Denn die Entscheidung für eine eigene Landeshauptstadt war eine Weichenstellung, von der noch viele Generationen profitieren werden", sagte Landeshauptmann Erwin Pröll am Dienstag in einer Würdigung des Altlandeshauptmannes.

Pröll bezeichnete die Entscheidung für eine eigene Landeshauptstadt als Ludwigs "größtes politisches Vermächtnis". Sein Tod sei ein schwerer Verlust für Niederösterreich. "Er war ein Vorbild in seiner Liebe zur Heimat und ein Vorreiter in seiner Arbeit fürs Land", sagte Pröll.

Vom Landesbediensteten zum Landeschef#

Der spätere "Vater" der Landeshauptstadt wurde am 14. Februar 1926 als Sohn eines Landwirteehepaares in Wostitz bei Znaim (Tschechien) geboren. Er besuchte die Volksschule in seiner Heimatgemeinde und das Gymnasium in Znaim. Nach der Rückkehr aus russischer Gefangenschaft war Ludwig in der ÖMV und der Kammer der gewerblichen Wirtschaft tätig. Außerdem studierte er Jus an der Universität Wien.

Mit 28 Jahren begann Ludwig 1954 seine Tätigkeit im Niederösterreichischen Landesdienst und im ÖAAB. Am 25. Oktober 1964 zog er in den Landtag ein und wurde Obmann der Zentralpersonalvertretung der Landesbediensteten. Am 25. Jänner 1968 wurde er Finanzlandesrat, 22 Monate später Landesvize.

Am 22. Jänner 1981 trat Ludwig in die Fußstapfen von Andreas Maurer. Er war der erste niederösterreichische Landeshauptmann seit Bestehen der Zweiten Republik, der nicht dem Bauernbund angehörte.

Von November 1980 bis 4. April 1992 war der Vater von zwei Kindern auch Obmann der Volkspartei Niederösterreichs, von 1975 bis zu seiner Wahl zum Landeschef fungierte er als Bürgermeister seiner Wahlheimat-Gemeinde Perchtoldsdorf. Am 22. Oktober 1992 trat er nach einer Amtszeit von fast zwölf Jahren auf eigenen Wunsch als Landeshauptmann zurück.


Wiener Zeitung, Mittwoch, 17. April 2013