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Kurt Scheuch: Vom "Reißwolf von Knittelfeld" zum Bruder-Backup#


Von der Zeitschrift Wiener Zeitung (1. August 2012) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


Rudolf Burger
Kurt Scheuch tritt aus dem Schatten seines Bruders hervor
© APAweb / Gert Eggenberger

Großbauer und Kiesunternehmer#

Die vergangenen Jahre ist Kurt Scheuch stets im Schatten seines jüngeren Bruders Uwe gestanden. Jetzt tritt in die erste Reihe. Ners Uwe verbracht hat, nimmt nach dessen Rücktritt dessen Positionen in der FPK-Regierungsmannschaft und an der Spitze der Partei ein. Anders als sein jüngerer Bruder gilt der bisherige Klubchef im Kärntner Landtag als weniger umgänglich. Wer sein Missfallen erregt, bekommt das verbal unmittelbar zu spüren. So nannte er Richter Christian Liebhauser-Karl nach dessen Schuldspruch für Bruder Uwe öffentlich eine "Kröte".

Der Großbauer und Kiesunternehmer aus Mühldorf im Oberkärntner Bezirk Spittal an der Drau war wie sein jüngerer Bruder Uwe schon lange in der FPÖ, im BZÖ und dann in der FPK aktiv. Beide galten als eiserne Haider-Getreue. Kurt ist österreichweit bekanntgeworden, als er beim Treffen der Haider-Getreuen in Knittelfeld ein von Haider und der damaligen Parteichefin und Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer ausgehandeltes Papier auf offener Bühne zerriss. Scheuch wurde damals von Medien mit der Bezeichnung "Reißwolf von Knittelfeld" bedacht.

Nach einigen Jahren in der Kärntner Landwirtschaftskammer zog Kurt Scheuch im April 1999 in den Bundesrat ein, wechselte aber bald in den Nationalrat, wo er Sprecher der Kärntner FPÖ-Mandatare war. Daneben fungierte er als Landesgeschäftsführer der Kärntner FPÖ.

Nach dem schlechten Abschneiden der Partei bei der Nationalratswahl 2002 legte Scheuch diese Funktion zurück. So manche prophezeiten sein baldiges Karriere-Ende, zumal er im Nationalrat seinem Bruder Platz hatte machen müssen. Doch schon im April 2003 zog er in den Kärntner Landtag ein. Nach dem Erfolg bei der Landtagswahl Jahr 2004 wurde er im Alter von nur 36 Jahren Dritter Landtagspräsident. 2005 wurde er Klubobmann.

Markenzeichen: Halstuch#

Bei dem Landwirt und Politiker, der als Markenzeichen immer ein Halstuch trägt, liegt die Politik in der Familie. Sein Großvater Robert Scheuch war einer der Begründer der Freiheitlichen. Seinem Bruder Uwe wurde der Druck zu groß, nun klettert Kurt mit der Ernennung zum FPK-Chef und Landeshauptmannstellvertreter auf der FPK-Karriereleiter nach ganz oben. Ein Einlenken in der derzeit geführten Debatte um Neuwahlen ist von Kurt nicht zu erwarten. Der als Hardliner geltende Politiker ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Wiener Zeitung, 1. August 2012