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Bad mit Tradition #

Reizvolle Kombination von Alt und Neu (Essay)#


Text und Bilder von

Hasso Hohmann

Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von

ISG Magazin Heft 1 / 2000 (Internationales Städteforum Graz)


Die Fassade vom „Bad zur Sonne' wurde vorbildlich saniert.
Die Fassade vom „Bad zur Sonne" wurde vorbildlich saniert.

Das „Bad zur Sonne" an der Ecke Belgiergasse 13, 15, Feuerbachgasse 11, 13 im Griesviertel wird im 19. Jh. als die Badeanstalt von erstem Rang in Graz bezeichnet. Um 1874 wurde an Stelle eines noch älteren Bades der erste Bauabschnitt des jetzt grundlegend sanierten bzw. erneuerten Bades errichtet, dem weitere vier Bauabschnitten folgten.

Der älteste Bau stand am Eck der zwei Gassen. Dieser enthielt nach vielen Umbauten neben einem Freibad im Süden auch ein sehr kleines Hallenbad. Leider ging die sehr üppige historistische Nordfassade später im Detail verloren. 1890 wurde östlich entlang der Belgiergasse dazugebaut - dieser Teil konnte jetzt nicht mehr gehalten werden und wurde durch einen Neubau ersetzt. 1928 entstanden um das Freibad im Süden dreigeschossige Eisenbetongalerien und zugehörige Kabinen. Zugleich wurde das Freibecken vergrössert. Etwa zur gleichen Zeit errichtete man westlich dieses Badabschnittes einen Zubau in Eisenbetonskelettbauweise mit einer sehr qualitätvoll gestalteten neuen Fassade mit der Aufschrift „Bad zur Sonne" an der Feuerbachgasse. 1972 folgte ein in Leichtbauweise ausgeführter Zubau im Südosten, der vor Jahren schon wegen Einsturzgefahr gesperrt werden musste.

Denkmalschutz und Altstadtpflege hatten längst den Wert des Bades und die Chancen seiner Adaptierung erkannt. Die enormen Kosten für eine Adaptierung stellten aber immer wieder die Erhaltung in Frage. Mitte 2001 konnte nun das Bad nach einer grundlegenden Sanierung bzw. Erneuerung nach Plänen von Mag. Arch. Fritz Lorenz wieder eröffnet werden. Die Kombination von alter und neuer Architektur schafft einen völlig neuen Reiz. Die hohe Transparenz, das viele Glas, die neue Formensprache erzeugen einen frischen hellen Eindruck. Man kann nur jedem empfehlen, das neue „Bad zu Sonne" zu besuchen und sich von der guten Lösung zu überzeugen.


Bagger
Bagger


verglaste Dachkonstruktion
verglaste Dachkonstruktion


Die neue Schwimmhalle
Die neue Schwimmhalle

Bilder von links nach rechts:

Leider mussten die Bagger vieles abtragen, das nicht mehr die nötige Standsicherheit hatte.

Die verglaste Dachkonstruktion lässt viel Licht und Sonne in die Schwimmhalle. Die Wasserfläche schliesst völlig glatt und eben an die umgebende Bodenfläche an.

Die Schwimmhalle ist grösstenteils neu. Die alten Umgänge wurden dort, wo die statischen Erfordernisse nicht mehr ausreichten, authentisch ergänzt. So steht die Eisenbetonkonstruktion der Umgänge in einem reizvollen Spannungs feld zur neu eingebrachten Architektur.


Teil der neuen Westfassade
Teil der neuen Westfassade

östlich anschließender Bau
östlich anschließender Bau

Bilder von links nach rechts:

Teil der neuen Westfassade; im Hintergrund das renovierte Sgraffito vom Künstler Jungel aus dem Jahr 1958 an der Westfassade des ältesten Badgebäudes. Dieser Abschnitt wurde saniert und für ein neues Konzept adaptiert.

Der östlich an das Kerngebäude anschliessende Bau wurde abgetragen und als Altenwohnheim neu errichtet. Er schafft eine Distanz zwischen altem Bad und gründerzeitlicher Verbauung in der Belgiergasse