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Ein Haus mit Geschichte(n) #

Mit dem Haus Hilmteichstraße 24 in Graz realisierte der Architekt Herbert Eichholzer (1903– 1943) sein Ideal modernen Wohnens. Nun muss das Einfamilienhaus einem Neubau weichen. #


Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von der Kleinen Zeitung (Freitag, 26. August 2016)

Von

Walter Titz


Herbert Eichholzers Villa in historischen Ansichten\Foto: RAMONA WINKLER (HF)
Herbert Eichholzers Villa in historischen Ansichten
Herbert Eichholzers Villa in historischen Ansichten
Herbert Eichholzers Villa in historischen Ansichten
Foto: RAMONA WINKLER (HF)
Herbert Eichholzers Villa in historischen Ansichten
Herbert Eichholzers Villa heute
Foto: KK

Herbert Eichholzer
Herbert Eichholzer
Foto: KK

Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Es sieht nicht so aus, als wäre das Haus in der Grazer Hilmteichstraße 24 noch zu retten. Das 1937 von Herbert Eichholzer entworfene Gebäude musste im Lauf der Jahrzehnte derart viele Eingriffe über sich ergehen lassen, dass eine Unterschutzstellung für das Bundesdenkmalamt nicht infrage kommt. Auch die massive Veränderung des Umfelds wird ins Treffen geführt. Also wird das Einfamilienhaus demnächst abgerissen werden und einem neunstöckigen Spitalsbau Platz machen, der Radiologie des LKH.

Die gute Nachricht: Eichholzers Haus (sein bestes, wie Fachleute meinen) existiert zumindest in einem ausgezeichneten Buch weiter, an dem sich auch die Kages, die steirische Krankenanstaltengesellschaft, finanziell beteiligt hat. Ein Buch, in dem sich Architektur- und Zeitgeschichte zu einem spannenden Ganzen verschränken.

Denn Herbert Eichholzer war nicht nur ein Planer auf der Höhe seiner Zeit, er war auch ein eminent politischer Mensch, dessen Leben am 7. Jänner 1943 in Wien von Nazi-Henkern beendet wurde. Der Ansicht seines Verteidigers Gustav Scheiger, „dass dem deutschen Volk und seiner Kunst mit Eichholzers Leben mehr gedient wäre als mit seinem Tode“, mochte sich der Volksgerichtshof nicht anschließen.

Das Haus Hilmteichstraße 24, finanziert von Kaufmann Albert Kastner, bewohnt vom Künstler Axl Leskoschek und seiner Frau Herma Albrecher, ist nicht nur für Antje Senarclens de Grancy der „Idealtyp eines modernen Wohnhauses“. Die Architekturhistorikerin stellt es in ihrem Beitrag in eine Reihe mit Bauten von Le Corbusier (Villa Savoye bei Paris) und Mies van der Rohe (Villa Tugendhat in Brünn). Eine „maison en l’air“ im Geist von Le Corbusier habe der Architekt geschaffen, einen auf Säulen schwebenden, lichtdurchfluteten, klar strukturierten Eisenbetonbau.

Im offenen Wohnbereich schuf Leskoschek das Secco-Wandgemälde „Allegorie der Freunde“. Ein leider von vielen Farb- und Tapetenschichten ebenfalls unrettbar mitgenommenes Werk, das im vorliegenden Buch von der Künstlerin Bettina Paschke rekonstruiert und von der Kunsthistorikerin Eva Klein dokumentiert und analysiert wird.

Zeithistoriker Heimo Halbrainer beschreibt „Das Haus als Treffpunkt des politischen und kulturellen Widerstands“. Die Freunde Leskoschek und Eichholzer spielen hier eine zentrale Rolle. Am Tag, an dem Österreich Teil Nazi- Deutschlands wurde, gingen beide gemeinsam ins Exil. Leskoschek kehrte erst 1948 aus Brasilien nach Österreich zurück, Eichholzer schon bald, um den Kampf gegen Hitler fortzuführen. Anfang 1941 wurde er von der Gestapo verhaftet.

Die Publikation „Hilmteichstraße 24“ bewahrt ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswertes Gebäude ganz vor dem Verschwinden. Über die Möglichkeit, Eichholzers letzten Entwurf zumindest symbolisch auch in den geplanten Neubau zu integrieren, sollte nachgedacht werden. Vielleicht in Form eines Wettbewerbs?

Buchtipp#

Heimo Halbrainer, Eva Klein, Antje Senarclens de Grancy. Hilmteichstraße 24. Haus Albrecher-Leskoschek von Herbert Eichholzer. Clio Verlag, 160 Seiten, 24 Euro.

Kleinen Zeitung, Freitag, 26. August 2016

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