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Sofiensäle in neuem Glanz#

Mehr als 12 Jahre nach dem Brand wurden nun die Sofiensäle wieder eröffnet.#

Von der Wiener Zeitung (Dienstag, 3. Dezember 2013) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


Nur das Tanzbein schwingen konnte man früher. Heute gibt es auch Wohnungen, ein Fitnesscenter und ein Hotel., Fotos: © Artinger/@schreinerkastler.at
Nur das Tanzbein schwingen konnte man früher. Heute gibt es auch Wohnungen, ein Fitnesscenter und ein Hotel.
Fotos: © Artinger/@schreinerkastler.at

Wien. (vasa) Die Brandspuren sind nun endgültig beseitigt: Die Revitalisierung der 2001 von der Feuersbrunst völlig zerstörten Sofiensäle ist abgeschlossen. Gestern, Montag, am Abend wurde das Baujuwel nach mehr als zweijähriger Bauzeit wieder eröffnet. Auf dem für rund 50 Millionen Euro renoviertem Areal sind nun auf 12.000 Quadratmeter Wohnungen, ein Hotel, ein Fitnesscenter sowie Gastro- und Veranstaltungsräume entstanden.

Das Herzstück der Sofiensäle ist der historische Festsaal. Die Neo-Eigentümer, das Institut für Anlageberatung (Ifa), eine Tochter des Immobilienunternehmens Soravia, ließen den 700 Quadratmeter großen Festsaal, wo einst Musikgrößen von Johann Strauß bis Falco auftraten, unter Aufsicht des Denkmalamts originalgetreu wiederherstellen und mit einer Glas-Stahl-Konstruktion überdachen. Er kann ab sofort für Veranstaltungen gebucht werden. Die Frontfassade, der Eingangsbereich und das Stiegenhaus wurden ebenfalls nach historischem Vorbild restauriert. Zehntausende Lagen Blattgold fanden hierfür Verwendung.

Vom Plüschhocker zum Fitnesscenter#

Jahrelang rottete die Brandruine in der Marxergasse im 3. Bezirk still vor sich hin. Nur wenige Überreste wie ein ausrangierter Flügel samt rotem Plüschhocker im Innenhof erinnerten an die Glanzzeiten der einstigen Konzert- und Partyinstitution. 2010 erwarb die Ifa schließlich die Liegenschaft und nahm deren Renovierung im darauf folgenden Jahr in Angriff.

Hotel, Fitnesscenter und das Restaurant "The Room" sollen demnächst eröffnen. Sie sind im durchwegs schlicht gehaltenen Zubau untergebracht. Darin finden sich auch die 68 neuen Wohnungen, wobei alle 47 geförderten laut Ifa schon vergeben sind. Von den frei finanzierten Wohnungen sind indes noch einige zu haben.

Begonnen haben die Sofiensäle als russisches Dampfbad, das am 14. Jänner 1838 vom Tuchscherer (alter Handwerksberuf der Feintuchherstellung, Anm.) Franz Morawetz eröffnet wurde. Die Anlage benannte er nach der Mutter Kaiser Franz Josephs, Erzherzogin Sophie, "Sophienbad". Bereits zehn Jahre später folgte an der Adresse ein Neubau durch die Architekten Eduard van der Nüll und August Siccard von Siccardsburg. Die beiden realisierten Jahre vor ihrem Entwurf für die Staatsoper ein technisch höchst innovatives Projekt: Der Mehrzwecksaal war als Schwimm- und Veranstaltungshalle nutzbar und bot bis zu 2700 Personen Platz. Er war damals das größte öffentliche Lokal Wiens.

Eine weitere Umgestaltung erfolgte 1870, als in zwei Stockwerken Logen eingebaut wurden. Erst seit der Eröffnung des Kleinen Saales 1886 mit eigenständiger Fassade wurde für das Ensemble der pluralisierte Name "Sofiensäle" geläufig. 1898/99 erhielt die Anlage schließlich noch ihre sezessionistisch gestaltete Schaufront zur Marxergasse. Diese Arbeiten waren für längere Zeit die letzte größere Veränderung an dem Ensemble. Erst 1948 erfolgte eine Renovierung durch den Architekten Carl Appel.

Denkmalamt kämpft erfolgreich gegen Abriss#

1986 wurde der Kernbau, also der große Festsaal samt Foyer und Bühnenhaus einschließlich der dazugehörigen Fassaden, unter Denkmalschutz gestellt. Am 16. August 2001 zerstört ein bei Flämmarbeiten verursachter Brand die Dach- und Deckenkonstruktion.

Gegen den völligen Abriss der Sofiensäle setzte sich das Denkmalamt mit Erfolg zur Wehr: Der ursprüngliche Eigentümer veräußerte die Ruine nach Jahren des Zuwartens 2006 an die Wohnbaugesellschaft Arwag, die das Objekt im September 2010 wiederum an die Ifa verkaufte.

Wiener Zeitung, Dienstag, 3. Dezember 2013