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Andritz liefert Rekordergebnis #

Grazer Anlagenbauer erntet Früchte der Schuler-Übernahme. Hydro leidet derzeit unter Marktunsicherheit. #


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Kleinen Zeitung (Samstag, 4. März 2017)

Von

Claudia Haase


Wolfgang Leitner
Wolfgang Leitner will hohe Profitabilität auch heuer halten
Foto: APA

So wie der Kauf der Hydro- Sparte vor vielen Jahren ein herausragender Griff und entscheidender Wachstumsmotor für den Andritz- Konzern war, so sehr bewährt sich derzeit der Zukauf des deutschen Großpressen-Spezialisten Schuler für die Grazer. Längst hat Schuler die einst bei der Übernahme gesteckten Wachstumsziele hinter sich gelassen. Die Idee, mit den Deutschen etwa als Autoteile-Zulieferer stärker Fuß zu fassen, geht Andritz-Boss Wolfgang Leitner zufolge voll auf. „Wir liegen mit Schuler um 40 Prozent über dem, was wir bei der Übernahme geplant hatten.“

Andritz Jahresergebnis
Andritz Jahresergebnis
Quelle: APA/Andritz

Den Konzern mit Schuler breiter aufzustellen, bewährt sich auch, da der Wasserkraftsparte Hydro derzeit die großen Aufträge fehlen. Der Auftragspolster ist mit 3,3 Milliarden Euro zehn Prozent niedriger als vor einem Jahr. Auch bei Papierund Zellstofffabriken hat Andritz zehn Prozent weniger in den Büchern. „Das ist aber ein aktiver Markt und wir haben eine gute Position bei laufenden Projekten“, so Leitner bei der Bilanzpräsentation. Bei der Hydro sei er für 2017 vorsichtiger. Zu spüren bekommt der Anlagenbauer die brasilianische Wirtschaftskrise. In Europa sorgt die Unsicherheit über die Entwicklung der Strompreise für einen Investitionsstopp bei Wasserkraftwerken. „So ein Bau dauert schließlich Jahre, der Payback Jahrzehnte.“ Wasserkraftwerke werde man aber vorantreiben müssen. Erst im Jänner sei in Deutschland wegen Windkraftflaute und Nebel ein großflächiger Stromausfall haarscharf verhindert worden, wusste Leitner. Details wollte er dazu aber nicht nennen.

Sorgen über den fünfprozentigen Umsatzrückgang im Vorjahr braucht sich jedenfalls niemand zu machen. Der Gewinn ist nämlich trotzdem ein historischer Rekord. Mit 1,50 Euro Dividende je Aktie bekommen auch die Aktionäre mehr Geld. Die hohen Margen auch heuer zu halten, ist Leitners vorrangiges Ziel. Potenzial für bessere Ergebnisse sieht er vor allem im Geschäftsbereich Separation mit Filtern, Pressen oder Zentrifugen für die Industrie. Entsprechend zuversichtlich ist er für 2017 gestimmt: „Wir haben insgesamt kein schlechtes Umfeld. Mit der Unsicherheit, die nicht wegzudiskutieren ist, muss man leben.“

Kleine Zeitung, Samstag, 4. März 2017