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Hightech-Winzlinge in der Medizin #

Smarte Kontaktlinsen, intelligente Hörgeräte – die Miniaturisierung in der Medizintechnik schreitet voran. Möglich machen das auch Leiterplatten von AT&S. #


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Kleinen Zeitung (Donnerstag, 8. Dezember 2016)

Von

Manfred Neuper


Leiterplatte
Flexible Leiterplatten von AT&S für smarte Linsen
Foto: AT&S

Wenn es um Autoelektronik, Smartphones oder Industrieanlagen geht, sind Leiterplatten der Leobener AT&S weltweit im Einsatz. Was in der breiten Öffentlichkeit weniger bekannt ist: Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren sukzessive auch als gefragter Technologieführer in vielen Bereichen der Medizin- und Gesundheitstechnik etabliert. Als Zulieferer in der Diagnostik, etwa für Ultraschallgeräte oder Computertomografen, ist AT&Sschon seit langer Zeit tätig.

Doch die zunehmende Miniaturisierung sowie flexible und damit biegbare Leiterplatten ermöglichen auch die Entwicklung von Geräten, die nicht nur am, sondern auch im Körper getragen werden. Hier geht es beispielsweise um Kontaktlinsen, die Blutzuckerwerte messen, intelligente Handprothesen, die Nerven „anzapfen“, Kapseln in Tablettengröße, die als Implantate im Körper bestimmte Werte überwachen und bei Bedarf automatisch Medizin zuführen. Bei Hörgeräten und -implantaten zählt AT&S etwa längst zu den wichtigsten Technologielieferanten der Welt. Mit den klobigen „Trümmern“ von einst haben diese Hightech-Winzlinge nichts mehr zu tun. Auch hier hat zudem die smarte Vernetzung eingesetzt. Die Feinjustierung erfolgt dank Bluetooth- Schnittstellen über Smartphone- Apps, Nebengeräusche werden herausgefiltert, die lästigen Rückkoppelungen, die Hörgeräteträger früher beim Telefonieren störten, sind Geschichte.

Die Entwicklungen gehen sogar so weit, dass Sonden in Tablettenform mit Leiterplatten und Minikamera ausgestattet werden: Kaum geschluckt, können von der Speiseröhre über den Magen bis in den Darm sämtliche Werte von Sensoren erfasst und schließlich ausgewertet werden.

Der globale Markt für medizintechnische Elektroniksysteme hatte im Vorjahr laut Daten der Marktforscher von Prismark ein Volumen von 99 Milliarden US-Dollar. Bis 2018 wird ein durchschnittliches jährliches Wachstum von rund 5,4 Prozent prognostiziert. AT&S-Vorstandschef Andreas Gerstenmayer spricht für sein Unternehmen von einem „technologisch sehr anspruchsvollen und daher sehr interessanten Segment“ (siehe Interview). AT&S kann das Know-how in diesem Geschäftsfeld, vor allem hinsichtlich der Miniaturisierung, auch auf andere Felder übertragen. Der wachsenden Bedeutung wurde u. a. auch dadurch Rechnung getragen, indem das Segment „Industrial und Automotive“ den Zusatz „Medical“ erhielt.

Die Leiterplatte als Trägerin der elektronischen Bauteile und damit Nervenzentrum und Schaltzentrale der Mikroelektronik spielt also auch bei Innovationen in der Medizintechnik eine Schlüsselrolle. Neben der absoluten Zuverlässigkeit gilt hier noch stärker das Prinzip „maximale Lebensdauer, minimale Größe“. Hier nimmt Leoben als konzerneigene Hochburg der Forschung & Entwicklung eine ganz entscheidende Rolle ein.

intelligente Handprothese
Sie zählen zu den komplexesten Leiterplatten überhaupt – Schaltungen für „intelligente Handprothesen“,mit denen sich der Trägerwiemit einer natürlichen Hand zwischen unterschiedlichen Greifarten entscheiden kann
Foto: AT&S
smarte Kapseln
Sogenannte „smarte Kapseln“ können imKörper permanent definierte Werte überwachen und die Daten für ärztliches Monitoring übertragen
Foto: AT&S
Miniaturisierung und den technischen Komfort von Hörgeräten und -implantaten
Leiterplatten von AT&S haben die Miniaturisierung und den technischen Komfort von Hörgeräten und -implantaten entscheidend verbessert
Foto: AT&S
Smarte Linsen
Smarte Linsen
Foto: AT&S

Kleine Zeitung, Donnerstag, 8. Dezember 2016