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Zurück auf der Überholspur #

Es ist „angerichtet“: Im März beginnt die Serienfertigung des neuen 5er BMW bei Magna Steyr in Graz. Weitere Modelle rollen an. Im Sog der neuen Großaufträge profitieren Arbeitsmarkt und Zulieferer. #


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Kleinen Zeitung (Montag, 6. Februar 2017)

Von

Manfred Neuper


Grazer Magna-Werk
2 Hallen im Grazer Magna-Werk wurden stark erweitert, ebenso das Karossenhaus und die Lackiererei. Dazu kam eine eigene Fertigungshalle für Jaguar.

Jetzt geht’s Schlag auf Schlag. Nach jahrelangen Vorbereitungen und monatelangen, millionenschweren Aus- und Umbauten ist das Grazer Werk von Magna Steyr gerüstet. In wenigen Wochen startet die Serienfertigung des neuen 5er BMW, parallel dazu laufen auch die Vorbereitungen für zwei Jaguar-Fertigungen auf Hochtouren. Wie berichtet, wird der Elektroflitzer „I-Pace“ in Graz gebaut, die Produktion startet im ersten Quartal 2018. Bereits zuvor soll, wie ebenfalls berichtet, ein neuer, „kleiner“ Jaguar-SUV auf die Straße kommen, der ab September ebenfalls in Graz gefertigt werden soll.

Und auch BMW wird auftragstechnisch noch einmal nachlegen. Nicht zu vergessen: Die Fertigung des Grazer Dauerbrenners, des Mercedes G, wurde nicht nur vorzeitig bis 2023 verlängert. Im Vorjahr wurde mit 20.000 Stück auch ein historischer Produktionsrekord verbucht.

Seit Kurzem ist zudem fix, dass Magna Steyr nahe Maribor ein neues Werk hochzieht, in dem eine zweite Lackieranlage mit 400 Mitarbeitern entsteht. Baustart ist Mitte des Jahres, 2018 soll die Anlage in Betrieb gehen.

Das „Magna-Werkl“ rennt also in einem Tempo wie lange nicht mehr. Laut Europa-Präsident Günther Apfalter werden ab dem Jahr 2018 wieder mehr als 200.000 Fahrzeuge in Graz vom Band rollen.

Die positive Stimmung spiegelt sich auch im konzernweiten Ausblick wider. So werden heuer Umsätze zwischen 2,5 und 2,8 Milliarden Euro in der Komplettfahrzeugfertigung erwartet, 2019 soll der Wert zwischen 6,3 und 6,7 Milliarden Euro liegen.

Damit geht ein massiver Mitarbeiterbedarf einher. In Graz werden gut 3000 neue Jobs geschaffen. Bei der Rekrutierung werden auch 1400 Arbeitslose zum Zug kommen, die in einer Stiftung ausgebildet werden. Tausende Bewerbungsgespräche werden dafür geführt. Eine Mammutaufgabe. Insgesamt haben 5000 arbeitslos gemeldete Personen von Anfang Oktober weg bei insgesamt 16 Jobbörsen teilgenommen. 4000 Bewerbungen seien in Folge der Veranstaltungen bei Magna Steyr eingegangen, berichtete das AMS Steiermark. 28 Prozent davon, ein für technische Berufe hoher Wert, von Frauen.

Gleichzeitig ist die Magna-Mitarbeiterrekrutierung auch österreichweit der größte Beschäftigungsimpuls der vergangenen Jahre. Der steirische AMS-Chef Karl-Heinz Snobe wurde zuletzt nicht müde, diese „Jahrzehntchance für die Steiermark“ hervorzuheben. Das liegt auch daran, dass im Sog der neuen Großaufträge für Magna auch zahlreiche weitere Zulieferbetriebe profitieren. Wenn bei Magna 3000 neue Mitarbeiter dazukommen, gibt es durch andere Zulieferbetriebe einen Multiplikator-Effekt. Snobe rechnet damit, dass bis 2018 zwischen 5000 und 6000 neue Jobs in der steirischen Autoindustrie entstehen könnten.

Magna-Europa-Präsident Günther Apfalter
Magna-Europa-Präsident Günther Apfalter: auf dem Weg zur Vollauslastung MAGNA

Wenn es um konkrete Stückzahlen für die einzelnen neuen Modelle geht, hält man sich vornehm zurück. Beim 5er BMW, der auch im BMW-Werk in Dingolfing gefertigt wird, wurde über ein Produktionsvolumen zwischen 80.000 und 90.000 Stück pro Jahr spekuliert. Offiziell bestätigt wird das – branchenüblich – freilich nicht. Nur so viel: ,,Magna wird hohe Volumen fertigen“, wie es BMWProduktionsvorstand Oliver Zipse im September im Interview mit der Kleinen Zeitung formulierte.

Er streute auch dem Automobilstandort Steiermark Rosen: „Bei meinen Besuchen in der Region habe ich die Zulieferindustrie als äußerst innovativ wahrgenommen. Aus meiner Sicht bringen die Unternehmen die besten Voraussetzungen mit, um im globalen Wettbewerb erfolgreich zu sein.“

Auch der Geschäftsführer des Mobilitätsclusters ACstyria, Wolfgang Vlasaty (siehe Interview Seite 8/9), sieht aktuell eine gute Marktsituation, „2016 sind die Absatzzahlen wieder gestiegen, der Markt in Europa hat sich erholt. Das hilft.“

Der ACstyria umfasst 250 Partnerbetriebe (die insgesamt 50.000 Mitarbeiter beschäftigen) und erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von rund 15 Milliarden Euro.

Nach einem jahrelangen Durchhänger hat sich im Vorjahr schließlich auch ganz generell der Neuwagenverkauf in Österreich wieder deutlich erholt. Mit insgesamt 329.604 Fahrzeugen wurde von der Statistik Austria eine Steigerung von 6,8 Prozent verzeichnet – und erreichte damit nach 2011 und 2012 den dritthöchsten jemals erhobenen Wert. „Es herrscht wieder eine positivere Grundstimmung in der Wirtschaft und damit auch im Handel“, das verleite auch die Kunden, wieder zu investieren. „Die Zahlen sprechen eine klare Sprache, mit einem Plus von 6,8 Prozent liegen wir sehr gut – noch dazu, wo die Zahl der sogenannten Kurzzulassungen gesunken ist“, lautete der Befund von Klaus Edelsbrunner. Der Grazer Peugeot- Händler ist seit Jahresbeginn auch Obmann des Bundesgremiums Fahrzeughandel in der WKO.

Der neue 5er BMW
Der neue 5er BMW wird ab März auch bei Magna Steyr in Graz gefertigt
Foto: BMW

BMW Langjährige Partnerschaft. #

Zwischen 2003 und 2010 wurde der BMW X3 bei Magna Steyr in Graz gefertigt.

Zuletzt wurden für den BMWKonzern der Mini Countryman (2010–2016) sowie der Mini Paceman (2012–2016) in Graz gebaut.

Seit Ende 2016 wird der neue 5er BMW bereits im BMW-Werk in Dingolfing gefertigt, im März startet auch die Serienfertigung bei Magna Steyr in Graz.

„Magna hat in der nun schon 15 Jahre dauernden Partnerschaft bewiesen, dass das Unternehmen ein vertrauensvoller Partner mit hervorragenden Fähigkeiten zur Produktion hochanspruchsvoller Automobile wie des BMW 5er ist“, begründete BMW-Vorstand Oliver Zipse die Auftragsvergabe.

Der Vertrag zum Bau der 5er Limousine wird den gesamten Modellzyklus laufen.

Das E-Fahrzeug I-Pace von Jaguar wird ab dem ersten Quartal 2018 in Graz gebaut\Foto: JLR
Das E-Fahrzeug I-Pace von Jaguar wird ab dem ersten Quartal 2018 in Graz gebaut JLR

JAGUAR Britische Traditionsmarke. #

Mit Jaguar Land Rover konnte Magna eine absolute Traditionsmarke als Kunden an Land ziehen. Damit gehen gleich zwei Premieren einher. Erstmals wird man für Jaguar fertigen. Mit dem I-Pace kann Magna Steyr zudem erstmals seine E-Fahrzeug- Kompetenz im Komplettfahrzeugbau ausspielen.

Es wird aber nicht bei einem Modell für die Marke bleiben. Noch bevor der I-Pace im ersten Quartal 2018 seinen Produktionsstart feiert, wird heuer die Fertigung eines SUV-Modells von Jaguar in Graz starten.

Jaguar hat 2016 ein historisches Rekordjahr verzeichnet und 148.730 Fahrzeuge (ein Plus von 77 Prozent zu 2015) abgesetzt. Insgesamt hat Jaguar Land Rover erstmals die Marke von einer halben Million verkauften Fahrzeugen durchbrochen.

Kleine Zeitung, Montag, 6. Februar 2017