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Schiebel-Drohnen nehmen Kurs auf Heimmarkt Österreich#

Der Umsatz des Elektrotechnikunternehmens soll sich in den kommenden Jahren auf 100 Millionen Euro verdoppeln.#


Von der Wiener Zeitung (Donnerstag, 26. Jänner 2017) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Thomas Pressberger


Schiebel-Drohne
Schiebel-Drohne
© Schiebel

Wiener Neustadt. Das Elektrotechnikunternehmen Schiebel rechnet in den kommenden vier bis fünf Jahren mit einem großen Sprung nach vorne. Der Umsatz soll sich von derzeit 50 Millionen Euro auf 100 Millionen Euro verdoppeln. Dazu soll nicht nur der internationale Markt, sondern auch der österreichische beitragen, sagte Schiebel-Geschäftsführer Hannes Hecher am Mittwoch vor Journalisten.

Das Unternehmen verdient sein Geld vor allem mit kleinen Helikoptern, sogenannte Camcopter, die mit Kameras, Sensoren und Radargeräten bestückt werden und für die Überwachung und Beobachtung aus der Luft eingesetzt werden. Die Anzahl der Flugstunden dieser Drohnen hat laut Hecher in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Der Camcopter sei kein Exot mehr, sondern ein "Arbeitsgerät" mit klaren Einsatzgebieten geworden.

Großes Potenzial beim Grenzschutz#

Großes Potenzial sieht Hecher beim Grenzschutz. "Immer mehr Staaten wollen ihre Grenzen kontrollieren, aber dafür nicht selber investieren." Daher würden immer häufiger Aufträge vergeben. Hecher sieht im Anbieten dieser Dienstleistung einen Zukunftsmarkt. Seit rund vier Jahren sei man in diesem Bereich, der im Vorjahr 15 Prozent des Umsatzes ausmachte, tätig.

Weitere Einsatzbereiche für die kleinen unbemannten Fluggeräte sind die Flüchtlingssuche im Mittelmeer, der Einsatz gegen Piraten vor der somalischen Küste und die Überwachung des Waffenstillstandsabkommens zwischen der Ukraine und Russland. Das ist kein ungefährliches Terrain, in der Ukraine wurden mittlerweile vier Fluggeräte abgeschossen.

Hecher peilt aber noch einen anderen Markt an, nämlich Österreich. Schiebel hat seinen Hauptsitz in Wien und einen Produktionsstandort in Wiener Neustadt. Die Exportquote liegt derzeit bei 100 Prozent, was einen einfachen Grund hat. Während es bei kleinen Drohnen für den privaten Gebrauch noch kaum Regeln gibt, sind für die Camcopter die rechtlichen Rahmenbedingungen klar. Derzeit dürfen die Geräte nicht über bewohntes Land fliegen und deshalb in Österreich nicht eingesetzt werden. Das soll sich ändern.

Schiebel will von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) eine Zertifizierung, wonach die Geräte als "sicher" gelten, um über bewohntes Gebiet fliegen zu dürfen. "Dadurch würde sich für unseren Helikopter und unsere Organisation das Einsatzgebiet erweitern", sagt Hecher. Er kann sich etwa Einsätze in der Land- und Forstwirtschaft vorstellen, in der Verkehrs- und Infrastrukturüberwachung oder im Tagbau.

"Eine Bewaffnung macht keinen Sinn"#

Proteste aus Datenschutzgründen oder gegen die Überwachung aus der Luft fürchtet er nicht. Die Piloten, die in einer Bodenstation sitzen, seien gut ausgebildet und diszipliniert. Wenn sie das Gerät über einen Badeteich steuern, würden sie sich nicht diesem widmen, sondern ihren Auftrag - zum Beispiel eine Hochspannungsleitung abfliegen - ausführen. "Datenschutz wird kein Thema sein, weil unser Auftrag genau definiert ist", betont Hecher.

Der Camcopter ist mittlerweile seit zehn Jahren auf dem Markt, Schiebel hat bisher 300 Stück verkauft, derzeit sind es pro Jahr rund 40. Daneben werden noch Minensuchgeräte angeboten, die etwa zehn Prozent zum Umsatz beisteuern. "Wir konzentrieren uns auf wenige Produkte, das ist unser Erfolgsrezept", sagt Hecher. Das Unternehmen überlegt, eine etwas größere Variante des Camcopters herzustellen, um die Ladefähigkeit zu erhöhen.

Die immer wieder auftretende Kritik, dass die Geräte auch als Waffen eingesetzt werden, weist Hecher zurück. "Eine Bewaffnung macht keinen Sinn." Irgendwie würde zwar alles gehen, aber es wäre sehr schwer, Waffen auf einem Camcopter einzusetzen, wenn es nicht von Schiebel unterstützt werde - und das tue das Unternehmen definitiv nicht. "Da gibt es günstigere Möglichkeiten, das umzusetzen", sagt Hecher. Außerdem müsse jeder neue Verkauf den Behörden gemeldet werden. Die Ablehnungsquote sei sehr niedrig.

Derzeit sind die Drohnen vor allem in Westeuropa und in den USA im Einsatz, das Unternehmen ist jedoch weltweit vertreten. Die Geräte fliegen in einer Höhe zwischen 1000 und 3000 Meter, wiegen rund 110 Kilogramm, können sechs bis acht Stunden in der Luft bleiben und haben eine Reichweite von bis zu 200 Kilometer. Ein vollständiges System, das in der Regel aus zwei Helikoptern plus Ausrüstung besteht, kostet einen hohen einstelligen Millionen-Betrag, eine Kamera kommt auf eine halbe Million Euro. Der Flug wird zum Teil einprogrammiert, ein Sensor ermöglicht zielgenaue Bildaufnahmen.

Wie groß der Markt mit Drohnen weltweit ist, lässt sich laut Unternehmenseigentümer Hans Georg Schiebel nicht genau sagen. Er schätzt das Volumen auf "zig Milliarden Euro". Es komme darauf an, was man alles dazurechne - Fluggeräte, Systeme, Sensoren, etc. Das Potenzial sei jedenfalls enorm, da viele Regierungen ihre Überwachungs- und Kontrollsysteme aufrüsten wollen - und das nicht nur auf der Erde, sondern auch auf den Meeren und im All mit Satelliten.

Schiebel wurde im Jahr 1951 von Hans Georg Schiebel Senior gegründet, hat mittlerweile auch Niederlassungen in den USA und in den Vereinigten Arabischen Emiraten und beschäftigt in Österreich 240 Mitarbeiter. Über die Jahre erarbeitete sich das Unternehmen eine Weltmarktposition und erreichte die Technologieführerschaft bei kleinen unbemannten Helikoptern und Minensuchgeräten. Der überwiegende Teil der 120 Zulieferunternehmen kommt aus Österreich.

Wiener Zeitung, Donnerstag, 26. Jänner 2017