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Grünes Licht am Erzberg#

Spitzenforschung unter der Erde: Startschuss für internationales Tunnel-Forschungszentrum.#


Von der Wiener Zeitung (Mittwoch, 17. September 2014) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Eva Stanzl


Erzberg
Der steirische Erzberg wird zum Zentrum der Forschung.
© apa/Jan Sommer

Wien. Startschuss für das "Zentrum am Berg": Im Frühjahr wird der steirische Erzberg zum Forschungslabor. Das wohl europaweit einzigartige Forschungszentrum unter der Erde soll neue Erkenntnisse im Bereich Geotechnik, Rohstoffgewinnung, Berg- und Tunnelbau und Sicherheitstechnik ermöglichen.

Seit 2009 war um die Finanzierung der 30 Millionen Euro für das "Zentrum am Berg" (ZaB) gerungen worden. Am Montagabend haben sich die Ministerien für Wissenschaft und Verkehr, das Land Steiermark und die Montanuniversität Leoben auf eine gemeinsame Finanzierung geeinigt. 6 Millionen kommen von der Montanuni. Die beiden Ministerien teilen sich den Bundesanteil von 12 Millionen, und ebenso viel bezahlt das Land. "Der Schulterschluss zeigt den hohen Stellenwert des Projekts und stärkt den Forschungsstandort", betonte Vizekanzler und Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner am Dienstag: Das Zentrum werde als "Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft fungieren, weil hier sowohl Grundlagen- als auch gezielte Auftragsforschung von Unternehmen" durchgeführt werden soll. Verkehrs- und Technologieminister Alois Stöger erklärte: "Österreich ist im Tunnelbau weltweit führend. Das ZaB soll mit seiner Spezialisierung auf Forschung, Training und Entwicklung internationale Bedeutung bekommen und einen Impuls für die Obersteiermark bringen."

Nach dem für Frühjahr geplanten Spatenstich soll mit den 30 Millionen Euro Forschungsinfrastruktur im Berg geschaffen werden. Dazu müssen stillgelegte Bergbau-Tunnels der Voest Alpine auf den Durchmesser von Straßen- und Eisenbahntunnels erweitert und technologisch ausgestattet werden. "In der österreichischen Tunnelbauweise, die einen stufenweisen Ausbruch und ein schrittweises Vorarbeiten zum Vollausschnitt vorsieht, sind wir führend. Nun können wir unseren Vorsprung ausbauen", zeigte sich Wilfried Eichlseder, Rektor der Montanuni Leoben, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erfreut. Von Anfang an würden Tunnelvortrittstechnologien, Montan-Maschinen und Bauweisen für Straßen- und Eisenbahnoberflächen getestet.

Der Vollbetrieb soll in zwei bis vier Jahren aufgenommen werden. Dann soll das ZaB ein hochmodernes Forschungs- und Seminarzentrum für den Bau und Betrieb von Untertageanlagen - Tunnelbauwerke, U-Bahnanlagen, Untertage-Kraftwerksanlagen, Untertage-Bergbauanlagen, Tiefbohranlagen der Erdölindustrie - werden. Darüber hinaus soll die Infrastruktur auch als Trainings- und Schulungszentrumzentrum für Einsatzorganisationen, Wartungs- und Instandhaltungspersonal dienen. Eichlseder rechnet damit, dass immer wieder neue Seitentunnels in den Berg geschlagen werden müssen, das ZaB also laufend wächst.

Forschung nützt Standort#

Forschungsaufträge von Bau- und Infrastrukturunternehmen sollen den wissenschaftlichen Betrieb unter der Federführung der Montanuni finanzieren. 40 bis 50 Firmen hätten bereits Bedarf angemeldet, Forschungsaufträge im Wert von je 100.000 bis ein paar Millionen Euro durchführen zu wollen, so der Rektor. Ein Drittel des Budgets der Montanuni kommt aus der Auftragsforschung. Für das Zentrum am Berg werden auch Projektförderungen aus dem EU-Programm Horizon 2020 erwartet.

Die Brandereignisse im Mont Blanc- und im Tauerntunnel 1999 und 2001 machten deutlich, dass noch intensivere Anstrengungen zur Beherrschung und Vermeidung von Katastrophen und verstärkte Forschung zur Tunnelsicherheit notwendig sind. Auch dieser Bereich ist ein Schwerpunkt im Erzberg. "Es gibt sicherheitsrelevante Aufgabenstellungen an Tunnelschalen, neue Absaugsysteme zur Rauchgasableitung und Evakuierungen im Brandfall", erklärt Eichlseder.

Für den steirischen Forschungslandesrat Christopher Drexler hat das Zentrum am Berg außerdem "internationale Strahlkraft für den Forschungsstandort Steiermark". Noch etwas präziser formulierte der steirische Landeshauptmann Franz Voves: Für ihn ist es ein "wichtiger regionalpolitischer Impuls, insbesondere für die Region um den steirischen Erzberg". Um diese war es über die Jahre nämlich immer ruhiger geworden.

Wiener Zeitung, Mittwoch, 17. September 2014