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Portugals historische Größe als Riesenmonument für Prinz Heinrich dem Seefahrer und seine Zeit#


Von

Günther Jontes

Die Bilder wurden vom Verfasser in den Jahren 1993 und 1994 aufgenommen. Sie sind Teil des Archivs „Bilderflut Jontes“


Unter der Diktatur des portugiesischen Ministerpräsidenten Antonio de Oliveira Salazar (1889-1970) gründete sich ein Gutteil der Identitätsfindung des portugiesischen Volkes auf die propagandistisch aufgebaute längst verschwundene Beherrschung der halben Welt jenseits der Meere. Portugal war zu seiner Zeit noch Kolonialmacht, hatte Territorien in Asien und Afrika, die alle in der frühesten Neuzeit unter die portugiesische Krone gekommen waren. Erst die sogenannte Nelkenrevolution 1974 beseitigte 1974 nach Salazars Tod die Strukturen seines Regimes, was dann letztendlich auch den Kolonien die Unabhängigkeit brachte.

Wappen
Widmung
Widmung

Die Widmungsdevise für das Entdeckerdenkmal „Gewidmet dem Prinzen Heinrich und den Portugiesen, die die Wege über die Meere fanden“

Dieser Ausdruck überhöhten Nationalbewusstseins unter der Despotie materialisierte sich 1960 mit der Schaffung des Padrao dos Descobrimentos, des „Denkmals der Entdeckungen“. Am Ufer des hier schon zu großer Breite angeschwollenen Flusses Tejo im Stadtteil Belem von Lissabon wurde dieses Erinnerungsmal wahrer Monumentalität aufgestellt. Mit dem Blick aufs Meer, mit dem Rücken gegen Kontinentaleuropa steht hier der portugiesische Prinz Heinrich mit dem Beinamen „der Seefahrer“ als geistiger Vater dieser glänzendsten Epoche portugiesischer Geschichte.

Padrao dos Descobrimentos
Padrao dos Descobrimentos
Padrao dos Descobrimentos

Am Bug des schiffsförmigen Monuments steht der Prinz und hält eine Karavelle in Händen. Zu ihm streben die namhaften Personen empor, die seine Ideen über die Meere in alle Richtungen trugen.

Padrao dos Descobrimentos
Padrao dos Descobrimentos
Padrao dos Descobrimentos
Padrao dos Descobrimentos
Padrao dos Descobrimentos

Heinrich/Henrique (1394-1460) war der Sohn des portugiesischen Königs Johann/Joao I. und der Königin Philippa von Lancaster. Sein Beiname geht auf seine Bestrebungen zur Förderung der Seefahrt zurück, obwohl er sich selbst nie persönlich an den Entdeckungsreisen beteiligt hatte, die letztendlich zur Schaffung des portugiesischen Weltreiches führen sollten. Wohl aber förderte er Schiffsbau, Methoden der Navigation und Kartographie, die den entdeckten Gebieten dann erst die geltenden Vorteile verschafften. Schließlich erteilte er auch die Aufträge, die in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts dazu führten, dass 1427 bis 1432 die Azoren entdeckt und von Portugal aus besiedelt wurden.

Unter ihm wurde auch das nordafrikanische Ceuta für die portugiesische Krone erobert und in Besitz genommen. Von größter Tragweite wurde die schubweise erfolgte Befahrung der westafrikanischen Küste, die bis 1460 bis auf die Höhe des heutigen Sierra Leona befahren worden waren, kartographiert und mit Handelsplätzen versehen, von denen aus Portugal auch in den Sklavenhandel einstieg. In den Himmel steigt das portugiesische Wappen auf.

Padrao dos Descobrimentos
Padrao dos Descobrimentos

Das portugiesische Wappen zeigt in einem Wappenschild fünf Schilde, die auf den Reichsgründer und König Heinrich zurückgehen, der 1139 über fünf maurische Könige gesiegt habe. Und auf den Schilden erkennt man jeweils fünf Scheiben, welche die Wunden Christi darstellen. Auf dem Padrao ist die Armillarsphäre noch nicht zu sehen, die erst 1815 der Flagge hinzugefügt worden war.

portugiesische Wappen
portugiesische Wappen

Der Padrao dos Descobrimentos wurde 1960 auf Geheiß Salazars am Ufer des Tejo gegenüber dem Hieronymus-Kloster aus besten Materialien errichtet und konnte seine eindrucksvoll makellose Erscheinung bis heute bewahren. Wirkungsvoll ragt es in die Höhe, ist frei zugänglich und lässt den Betrachter als winzige Gestalt unter sich.

Padrao dos Descobrimentos
Padrao dos Descobrimentos
Padrao dos Descobrimentos
Padrao dos Descobrimentos
Padrao dos Descobrimentos
Padrao dos Descobrimentos

Von Land aus gesehen gleicht das Denkmal einem Kreuz, welches mit einem Schwert belegt ist

Padrao dos Descobrimentos
Padrao dos Descobrimentos
Padrao dos Descobrimentos

Die zum Prinzen emporsteigenden monumentalen Gestalten stellen Persönlichkeiten dar, welche wesentlich an den Entdeckungsreisen und deren nautischen Vorbereitungen mitgewirkt oder als Kulturträger und Missionare das Weltreich mitgebildet hatten. Sie sind zum Teil keine Zeitgenossen Heinrichs, sondern waren erst Generationen später tätig.

Luís Vaz de Camoes (1524-1579) schuf 1572 das portugiesische Nationalepos „Os Lusiados / Die Lusiaden“, in welchem er auf dem Hintergrund der Geschichte Portugals die Entdeckung des Seeweges nach Indien durch Vasco da Gama um das Kap der Guten Hoffnung schildert. Der 10. Juni als Todestag des Dichters ist heute Nationalfeiertag Portugals.

Luís Vaz de Camoes
Luís Vaz de Camoes
Luís Vaz de Camoes Grab
In der Kirche des Hieronymus-Klosters gegenüber dem Padrao liegt der Dichter Luís Camoes begraben.
Luís Vaz de Camoes Grab
Und an seiner Seite Vasco da Gama, der Seefahrer
Grab

Ursprünglich war er an seinem Sterbeort Cochin im südindischen Kerala in der Kirche Saint Francis begraben worden, wo die Stelle seiner Beisetzung noch heute markiert ist. 1538 aber veranlasste sein Sohn seine Überführung in den Herkunftsort Vidigueira seiner Familie in Portugal. 1880 wurden seine Gebeine jedoch durch den Staat nach Lissabon-Belém gebracht und fanden dort im Mosteiro dos Jéronimos, dem Hieronymus-Kloster, seine endgültig letzte Ruhestätte.

Padrao dos Descobrimentos
Ein Seefahrer hält die Armillarsphäre, ein frühes Navigationsinstrument
Padrao dos Descobrimentos
Der Maler Nuno Goncalves bildet die neuentdeckten Welten ab
Padrao dos Descobrimentos
Der Historiker Gomes Eanes de Azurara (1410-1474) hält die Ereignisse der nautischen Geschichte fest
Padrao dos Descobrimentos
Die Mutter des Prinzen Königin Philippa von Lancaster und sein Bruder Prinz Pedro
Padrao dos Descobrimentos
Franziskaner und Dominikaner brachten das Christentum in die neuentdeckten Gebiete und predigten in Afrika und Asien

Auf dem Platz vor dem Denkmal ist als feines Mosaik eine Armillarsphäre als Navigationsinstrument eingelegt wie sie auch in der portugiesischen Flagge aufscheint. Und eine gewaltige Windrose in Steinintarsia in vielfältigen Marmoren und anderen Gesteinen zeigt die Landkarten mit den Entdeckungsdaten der neuen Kolonien und Symbole aus der Seefahrt.

Mosaik vor dem Denkmal
Mosaik vor dem Denkmal
Mosaik vor dem Denkmal
Mosaik vor dem Denkmal
Mosaik vor dem Denkmal
Mosaik vor dem Denkmal
Mosaik vor dem Denkmal
Mosaik vor dem Denkmal
Mosaik vor dem Denkmal
Mosaik vor dem Denkmal