unbekannter Gast
Geben Sie diesem Artikel Ihre Stimme:
5

Ein junger Teil Österreichs#

Heute vor 200 Jahren besiegelte der Vertrag von München die Zugehörigkeit Salzburgs zu Österreich.#


Von der Wiener Zeitung (Mittwoch, 13. März 2016) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Matthias Nagl


Salzburg Panorama (Ausschnitt) von Johann Michael Sattler zwischen 1825 und 1829
Das Panorama (Ausschnitt) von Johann Michael Sattler wurde zwischen 1825 und 1829 geschaffen und zählt zu den wertvollsten Objekten des Salzburg Museums.
© Salzburg Museum

Salzburg. Es waren bewegte Zeiten. Und um die Ereignisse kurz nach der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert in Salzburg zu verstehen, musste man auch schon damals die globalen oder zumindest europäischen Entwicklungen im Blick haben. Die Ursache des Endes der Eigenständigkeit Salzburgs lag in den Napoleonischen Kriegen. Mit diesen hatte Salzburg zunächst nichts zu tun, sie bestimmen die politische Zugehörigkeit des Landes aber letztlich bis heute. Denn vor den Wirren der Napoleonischen Kriege war Salzburg über Jahrhunderte ein eigenständiger Staat. Diese Phase endete mit dem Vertrag von München, dessen Abschluss sich heute, Donnerstag, zum 200. Mal jährt.

Die feierliche Übergabe erfolgte am 1. Mai 1816, seit damals gehört Salzburg in seinen heutigen Grenzen zu Österreich. Für die Bewohner war das damals keine völlig neue Erfahrung, schon von 1806 bis 1809 war Salzburg österreichisch. Doch vor der erstmaligen Besetzung durch napoleonische Truppen im Jahr 1801 war das Land etwa 500 Jahre lang ein eigenständiges geistliches Fürstentum. "Es war im kleinteiligen Heiligen Römischen Reich deutscher Nation eines der größten geistlichen Fürstentümer", erklärt Historiker Robert Hoffmann, emeritierter Professor an der Universität Salzburg, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Napoleon löste geistliche Fürstentümer auf#

Geistliche und weltliche Herrscher in Personalunion waren im Heiligen Römischen Reich keine Seltenheit, Salzburg hatte dennoch eine Sonderrolle inne. "Das Salzburger Domkapitel hatte sich jahrhundertelang sehr geschickt zwischen Bayern und Österreich behauptet, da nie ein Habsburger oder Wittelsbacher zum Erzbischof gewählt wurde", sagt Hoffmann. Das Domkapitel, bestehend aus oft auch weltlichen Domherren, war eine Versorgungsinstitution für die mittlere Aristokratie, die jedoch selten direkt aus Salzburg kam. "Wenn ein Bischof gestorben ist, hatten sie politischen Einfluss. Das war eine echte Wahl mit auch überraschenden Ausgängen", erklärt der Historiker. Bei nur 24 Mitgliedern kann man freilich höchstens von demokratischen Ansätzen sprechen.

Diese Form der Politik wurde durch die Napoleonischen Kriege aber obsolet. Die geistlichen Fürstentümer wurden aufgelöst und weltlichen Herrschern als Ersatz für die von Frankreich besetzten Gebiete übertragen. Im Jahr 1803 endete die weltliche Herrschaft des Erzbischofs, Salzburg blieb bis 1805 jedoch ein eigenständiges Kurfürstentum. 1806 kam Salzburg mit dem Frieden von Pressburg erstmals zu Österreich. Nur drei Jahre später besetzte Napoleon das Land aber erneut, bevor es mit dem Frankfurter Vertrag 1810 Teil Bayerns wurde. In heftigen Auseinandersetzungen mit den Bayern, die sich über den Wiener Kongress hinauszogen, setzten sich die Habsburger schließlich 1816 durch. "Diese Einigung ist durchaus unter militärischem Druck geschehen", sagt Hoffmann.

Damit endeten Salzburgs wechselvolle Jahre, die Land und Bevölkerung schwer in Mitleidenschaft gezogen haben. "Das Land hatte in diesen schrecklichen Kriegen und unter der Gewaltherrschaft der Franzosen, die in ihrer Ausbeutung unersättlich waren, furchtbar gelitten; überall herrschte Armut, Mangel und Elend", schrieb der ehemalige Salzburger Erzbischof und Kirchenhistoriker Ignaz Rieder in "Kurze Geschichte des Landes Salzburg" (1905). Nicht zuletzt deshalb wurde Kaiser Franz I. bei seinem ersten Besuch in Salzburg am 7. Juni 1816 von der Bevölkerung begeistert empfangen.

Das Bürgertum war gegenüber den Habsburgern skeptisch#

In den Jahren zuvor war die Bevölkerung noch zwiegespalten. Zur ersten Phase der österreichischen Herrschaft von 1806 bis 1819 schreibt der Historiker Heinz Dopsch in seiner "Kleinen Geschichte Salzburgs": "Der Großteil des städtischen Bürgertums stand der österreichischen Herrschaft reserviert gegenüber." Mehrere Maßnahmen der österreichischen Finanzverwaltung trafen vor allem Kaufleute und Unternehmer. Die Bauern waren aufgrund der Kriege gegen das revolutionäre Frankreich und daher überwiegend kaisertreu. Das Bürgertum stellte beim endgültigen Übergang in die Habsburgermonarchie eine Reihe von Forderungen, die überwiegend ungehört blieben.

Salzburg verlor nicht nur seine Eigenständigkeit; in den Verhandlungen traten die Habsburger auch ehemalige Salzburger Territorien an Bayern ab. Laut Hoffmann hätten die Habsburger durchaus auf dem gesamten Salzburger Territorium bestehen können. Sie traten aber Berchtesgaden, das von 1806 bis 1809 auch österreichisch war, ebenso an Bayern ab wie den Rupertiwinkel. Dieses im Nordwesten der Stadt Salzburg gelegene Gebiet war Anfang des 19. Jahrhunderts wirtschaftlich bedeutend. "Der Rupertiwinkel war wirtschaftlich besonders ergiebig und flächenmäßig fast so groß wie der heutige Flachgau", sagt Hoffmann.

1850 eigenständige Landesverwaltung#

Die Habsburger schenkten Salzburg aber zunächst wenig Bedeutung. Das Land wurde an Oberösterreich angegliedert und erhielt erst 1850 eine eigenständige Landesverwaltung, 1861 erstmals einen Landtag. An die Zeit bei Oberösterreich erinnern bis heute übergeordnete Behörden wie das auch für Salzburg zuständige Oberlandesgericht Linz und die Bundesbahndirektion Linz.

Wiener Zeitung, Mittwoch, 13. März 2016