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Das Wappen von Aspern (Wien)#

von Michael Göbl, Wien

Wappen waren seit ihrer Entstehung im Mittelalter für den Einzelnen und für menschliche Gemeinschaften von großer Bedeutung, da sie grundsätzlich zu den wichtigsten Trägern der Identität gehörten. Was ursprünglich als militärisches Erkennungszeichen im Getümmel der Ritterschlacht entstanden war, ging bald auch auf zivile Verwendung über. Wappen wurden in einer Zeit weitgehenden Analphabetentums zu Symbolen der Persönlichkeit, des Eigentums, des Rechtslebens, besonders aber auch von menschlichen Gemeinschaften, wie Familien, Dörfern, Städten und Ländern. Heute vergleichbar vielleicht mit der „corporate identity“.

Bild 'Aspern-Siegel'
Bild 'Aspern-Wappen'
Zur Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie war es nur Städten und Märkten erlaubt, ein Wappen zu führen - Das einstige Dorf Aspern in der Nähe von Wien besaß aber nicht diesen Rechtsstatus. Als dann Aspern 1904 zusammen mit anderen Ortsgemeinden als 21. Bezirk der Stadt Wien eingemeindet wurde, führte es lediglich ein Siegel (Abb. links: Siegelumschrift: SIGILLUM GROS ASPERN A. D. DONAU). Im Zuge dieser Stadterweiterung waren Wappen für die einzelnen Bezirke entworfen worden auf der Grundlage der Siegel, da die ehemaligen Vorstädte und Vororte nie wirkliche Wappen besessen hatten. So wurde auch das Asperner Wappen aus dem ehemals verwendeten Siegel geschaffen (Abb. rechts). Da Siegel in der Regel ungefärbt sind, wurde das Siegelbild in Farbe gesetzt und in den Schild des damals neugeschaffenen Bezirkswappens Floridsdorf gestellt (Abb. unten links) - heute lebt es im Donaustädter Wappen weiter (Abb. unten rechts). Das Wappen, so wie das Siegel, zeigen dasselbe Bild: In silbernem Schild auf grünem Boden ein grüner Baum. Diese Darstellung stellt ein sogenanntes redendes Wappen dar, als Anspielung auf den Namen Aspern, der sich von einem Baum, der Espe ableitet.

Bild 'Floridsdorf1904'
Bild 'Donaustadt'

Der Name von Aspern gehört zu den sogenannten „sprechenden“ Ortsnamen. Das sind Ortsnamen, die ihre Entstehung topographischen Besonderheiten verdanken. Topographische Besonderheiten können verschiedener Art sein, eine Brücke über einen Fluß, eine passierbare Stelle durch einen Fluß oder eine Wasserquelle, wie beispielsweise die zahlreichen Ortsnamen auf -bruck, -furt oder brunn zeigen. Auf Wiener Boden existieren zwei Orte, die ihren Namen auf Baumbezeichnungen zurückführen: Im Nordosten Aspern von der Espe (Zitterpappel) und im Süden Wiens Erla von der Erle. Auch wenn manche „Hobby-Etymologen“ den Ortsnamen Aspern auf die Herren von Asparn zurückführen wollen, ändert dies nichts an der Tatsache, dass die Grundbedeutung auf den Espen-Baum zurück geht.