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Ein Träumer und Sammler #

Das Wiener Hofmobiliendepot widmet Ferdinand Max, besser bekannt als Kaiser Maximilian von Mexiko, eine umfassende Schau, die ein facettenreiches Bild des Bruders von Kaiser Franz Joseph zeigt. #


Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von: DIE FURCHE Donnerstag, 11. April 2013

Von

Michael Kraßnitzer


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Miramar. Das historistische Märchenschloss in Triest wurde eigens für Maximilian und seine Frau, die belgische Prinzessin Charlotte, erbaut.
© Hofimmobiliendepot

Maximilian von Mexiko war eine tragische Figur: Im guten Glauben, dass die Bevölkerung dies wünschte, nahm der jüngere Bruder von Kaiser Franz Joseph die ihm angebotene mexikanische Kaiserkrone an. Doch er wurde von der Mehrheit der Mexikaner nicht akzeptiert und von Anfang an militärisch bekämpft. Und bei den wenigen, die ihn unterstützen, verscherzte er es sich mit seinen liberalen Ideen. Nach drei Jahren auf dem Thron wurde er 1867 von den Anhängern der Republik gefangengenommen und hingerichtet. Diese Geschichte ist weithin bekannt und hat auch Widerhall in Literatur und Film gefunden.

Maximilian von Mexiko
Maximilian. Der jüngere Bruder (1832–1867) von Kaiser Franz Joseph war ein aufgeweckter und phantasievoller Mensch. 1854 bis 1864 war er Oberkommandant der österreichischen Kriegsmarine, 1864 bis 1867 Kaiser von Mexiko.
© Hofimmobiliendepot

Ein nahezu unbeschriebenes Blatt hingegen ist Erzherzog Ferdinand Max, wie Maximilian hieß, bevor er sich auf das mexikanische Abenteuer einließ. Das Hofmobiliendepot in Wien widmet dem facettenreichen Habsburger nun eine eigene Ausstellung – die größte Sonderausstellung, die das Haus je gezeigt hat. Im Rahmen eines großen Forschungsprojektes wurden die Einrichtungen von Ferdinand Max’ verschiedenen Residenzen erforscht und dabei nicht nur rund 500 Objekte aus den Beständen der Bundesmobilienverwaltung seinen Wohnräumen zugeordnet, sondern auch die bewegte Biographie des Erzherzogs be- leuchtet, der nur 34 Jahre alt wurde. Gerade im Falle Ferdinand Max’ ergibt es Sinn, sich der historischen Persönlichkeit über sein Wohnambiente zu nähern (obwohl die Ausstellung auch vieles anderes zeigt, etwa die Kleidung, die er für seine Erschießung eigens bestellt hatte oder zahlreiche persönliche Dokumente).

Anspruch auf Gesamtkunstwerk #

Ferdinand Max war ein aufgeweckter und phantasievoller Mensch, der gerne malte und dichtete. Bereits im Alter von zehn Jahren begann er zu sammeln: anfangs Autographen – darunter eine Unterschriftensammlung der ersten 17 US-Präsidenten – später weitete er seine Sammeltätigkeit auf Naturalien und ethnographische Objekte aus. Er sammelte wertvolle Unikate ebenso wie wertlosen Nippes aus Massenproduktion, auch höchst Fragwürdiges – wie Mosaiksteinchen aus dem Markusdom in Venedig oder die abgebrochenen Zehen einer antiken Statue – fand sich in seinem Besitz. Seine größte Leidenschaft jedoch war die Architektur, der er mit dem Anspruch auf die Schaffung eines Gesamtkunstwerkes nachging. Sobald er als Architekt und Bauherr wirkte, pflegte er alles bis in die letzten Details zu bestimmen.

Kappen
© Hofimmobiliendepot

Schon sein zweiter eigener Wohnsitz, die Villa Lazarovich in Triest, wurde nach seinen Vorstellungen umgebaut und ausgestattet. Ferdinand Max’ Hauptwerk jedoch war Schloss Miramar in Triest, ein historistisches Märchenschloss auf einer Felsklippe nahe Triest und heute eine große Touristenattraktion. Auch während seiner Regentschaft in Mexiko widmete er sich ausgiebig städteplanerischen Vorhaben in Mexiko-Stadt und der Gestaltung seiner Wohn- und Regierungsgebäude. Schon auf der mehrwöchigen Reise in das lateinamerikanische Land hatte er nicht etwa politische Strategien ausgearbeitet, sondern Hoftafel, Insignien, Orden, Uniformen und ein aufwändiges Zeremoniell für seinen Hof. Bemerkenswerterweise wechselte Maximilians Dekorateur Julius Hofmann nach dem Tod des Kaisers an den Hof eines anderen gekrönten Gesamtkünstlers, nämlich Ludwig II. von Bayern, wo er dann unter anderem für die Innenausstattung von Schloss Neuschwanstein verantwortlich zeichnete.

Dabei war Ferdinand Max als Führungskraft im Grunde gar nicht ungeeignet. Von 1854 bis 1864 war er Oberkommandant der österreichischen Kriegsmarine. In dieser Funktion initiierte er nicht nur die aufsehenerregende Forschungsexpedition der Fregatte Novara, sondern legte auch den Grundstein für den Sieg Österreichs in der Seeschlacht von Lissa 1866. Aus dieser Zeit rührt auch seine Liebe zu allem Maritimen her, die sich in seinem persönlichen Wappen, das einen Anker enthielt, und in der Möblierung seiner Residenzen niederschlug (in Schloss Miramar gab es einen „Schiffssalon“). Ein Leben als gut versorgter, aber zum Nichtstun verdammter Erzherzog konnte er sich nicht vorstellen – das war wohl ein zentraler Grund dafür, dass er sich auf das riskante und letztlich tödliche mexikanische Abenteuer einließ.

DIE FURCHE, Donnerstag, 11. April 2013