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Stift Göttweig: Hoch oben thronend#

Bischof Altmanns Kloster besticht nicht nur durch die Lage. Auch Historikern hat es viel zu bieten#


Von der Zeitschrift Wiener Zeitung, freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

von

Richard Solder


Bild 'Göttweig-_Stift1'

Die Szenerie des Stiftes Göttweig, das in Frage 2 der Nuss Nro. 280 Thema war, ist eine ganz besondere: „In unvergleichlich schöner Lage krönt das Stift . . . den Göttweiger Berg“, betont Herbert Ambrozy, Wien 7. Für Dr. Peter Mitmasser, Wr. Neudorf, der vor kurzem einen Lokalaugenschein machte, dominiert das Stift die Gegend. Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, mit einer rhetorischen Frage: „Gibt es eine idealere Lage für ein Kloster, als hoch oben auf einem Hügel, weithin sichtbar über der Landschaft thronend . . . ?“ Gerhard Toifl, Wien 17, fügt dem hinzu: Göttweig wird „aufgrund seiner großartigen Berglage auch das »österreichische Montecassino« genannt“. Mathilde Lewandowski, Payerbach: Das Kloster befindet sich „am Rand des Dunkelsteinerwaldes gegenüber von Krems“. Johannes Dengg, Graz, ergänzt: „Es liegt . . . auf einem Hügel südlich der Donau.“ Seit 2000 ist es UNESCO-Kulturerbe.

Gründung anno 1083#

Hermann Büchler, Wien 15, zur Geschichte: Das Stift wurde „vom Bischof Altmann von Passau gegründet, als Augustiner-Chorherren-Stift“. Auch Dr. Hans Peter Nowak, Wien 20, und Dr. Harald Dousek, Wien 2, nennen die Augustiner-Chorherren und somit die richtige Antwort auf diese Frage. DI Gerhard Raimann, Alland, zum Orden: Er trat das Stift „schon 1094 – nur 11 Jahre nach der Weihe der Klosterkirche 1083 – an die Benediktiner“ ab. HR Dr. Walther Schubert, Wien 13: Die ersten Benediktiner-Mönche „kamen aus St. Blasien im Schwarzwald“. Auch Dr. Werner Lamm und Mag. Robert Lamberger, Wien 4, beschäftigten sich mit der Entstehungsgeschichte. Ingeborg Huberger, Wien 22, mit Details zu den Augustiner Chorherren: „Diese berufen sich auf den hl. Augustinus, der das Gemeinschaftsleben der ersten Christen in Jerusalem als Vorbild nahm. Es entstanden mehrere Regeln, die den Mitgliedern auch Privateigentum zugestanden (Vita canonica).“ Dr. Karl Beck, Purkersdorf, merkt an: Der Grundgedanke ist die Verbindung klerikalen Lebens mit klösterlichen Prinzipien, „die aus spirituellen, disziplinären und ökonomischen Gründen angestrebt wird“. Tüftlerin Huberger weiter: „Die Chorherrenstifte unterstanden den Bischöfen und sollten dem gesamten Klerus pastorale Beispiele geben. Daher wurden die Stifte in der Nähe von Siedlungen und nicht in der »Einsamkeit« gebaut.“ Dr. Heribert Plachy, Wien 7, informiert: „Die Gründungsurkunde . . . ist vom 9. September 1083 datiert. In ihr wird dem Kloster eine Reihe von Pfarren übertragen, darunter Kilb, . . . Pfaffendorf, Mühlbach am Manhartsberg und Pyhra.“ Günter Hinze, Wien 8, verweist darauf, dass die Zeit der Gründung des Klosters von schwersten „Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst“ gezeichnet war. Dr. Manfred Kremser, Wien 18, zu Stiftsgründer Bischof Altmann: „Ab 1065 leitete er die große Diözese“, die von der Isar bis zur Leitha reichte und auch das Gebiet der Babenberger erfasste. Und: „Sein Hauptanliegen war . . . die Reform der Klöster und des Klerus.“ Brigitte Schlesinger, Wien 12: Altmann gehörte im sogenannten Investiturstreit „zu den stärksten Gegnern König Heinrichs IV. Von dessen Anhängern aus seiner Bischofsstadt (Passau, Anm.) vertrieben, zog er sich in den Ostteil seiner Diözese zurück.“ Prof. Helmut Bouzek, Wien 13, berichtet, dass Altmann 1091 in Zeiselmauer (NÖ) verstarb. Maria Auli, Wien 3: Er wurde „im Stift Göttweig bestattet“. Karl Meywald, Wien 20, zum weiteren Verlauf: „Das ausgehende 15. und das beginnende 16. Jh. waren von wirtschaftlichem . . . Niedergang geprägt, verschärft durch die Türkengefahr und die Reformation. 1580 gab es einen Großbrand.“ Hildegard Rabel, Wien 1, notiert dazu: „Nach dem Brand wurde Göttweig durch C. Biasino wieder aufgebaut.“ Christine Sigmund, Wien 23: „Wegen der Zehentrechte auf Getreide und Wein erhielt das Kloster im Hochbarock vom . . . Volk eine zusätzliche Bezeichung: Das Kloster »zum klingenden Pfennig«.“

Hochblüte unter Bessel#

Mag. Walter Pschill, Bruck/Leitha, weiter: „Die barocke Hochblüte in Göttweig ist untrennbar mit dem Namen von Abt Gottfried Bessel (1672–1749) verbunden, dem 50. Abt des Stiftes.“ Klaus-Peter Josef, Tulln, pflichtet bei: „Sein »Chronicon Gottwicense« gilt als Beginn der Urkundenforschung in Österreich!“ Maria Thiel, Breitenfurt: „Eine furchtbare Brandkatastrophe brach 1718 über das Stift herein.“ Franz Kaiser, Wien 11, setzt fort: „Nach dem Brand . . . ließ Abt Bessel das Kloster nach Plänen von Johann Lucas von Hildebrandt neu erbauen.“ Herbert Beer, Wolfpassing, mit einem Nebenpfad zu einer den Zeitreisenden gut bekannten Person: „Über Vermittlung des Reichsvizekanzlers Friedrich Carl v. Schönborn gelang es Abt Bessel, den aus Franken stammenden Günstling der Familie Schönborn . . . , J. L. von Hildebrandt, zu verpflichten.“ Manfred Bermann, Wien 13, betont: „Es wurden allerdings nur ca. 2/3 des Bauumfanges realisiert.“ Dr. Alfred Komaz, Wien 19: „Der Hauptgrund für die Ablehnung des ersten Entwurfs, wonach Göttweig zu einem der imposantesten und prunkvollsten barocken Klosterbauten von ganz Europa geworden wäre, waren die ungeheuren Kosten. Das Stift war nicht einmal in der Lage, den wesentlich billigeren zweiten Entwurf Hildebrandts voll zu verwirklichen.“ Michael Chalupnik, Sieghartskirchen: „Die monumentale Kaiserstiege mit dem Deckenfresko Paul Trogers . . . gilt als eines der schönsten und größten barocken Treppenhäuser Europas.“ Apropos Paul Troger (1698–1762): Dr. Karl-Heinz Wilfert, Mautern, hebt die Kunstschätze des Stiftes hervor: „Vor allem Fresken von Troger und Bilder von Martin Johann Schmidt“, bekannt unter dem Namen „Kremser Schmidt“. Mönche als Historiker Dr. Arnulf Sattler, Wien 14: „Man sammelte wertvollste Schätze mittelalterlicher Kunstätigkeit.“ Dr. Günter Stickler, Wien 17, ergänzt: „Das Stift verfügt über eine sehr große graphische Sammlung (über 30.000 Blätter), eine Bibliothek mit 140.000 Bänden, eine Münzsammlung sowie eine Kunst- und Wunderkammer.“ Es kam dazu, so Dr. Anna Korber, Kritzendorf, „da viele Mönche historisch sehr interessiert waren . . . Schon Abt Bessel war Historiker und Kunstmäzen“. Dkfm. Johann Filip, Wien 17, bringt das Besondere am Kloster auf den Punkt: „Das niederösterreichische Stift Göttweig stellt eine großartige Symbiose von Natur, Geschichte und Architektur dar.“

Wiener Zeitung, Freitag, 14. November 2008


Man benötigte Mönche für die (Rodungs]arbeiten in der neuen Mark, daher der Wechsel von den Chorherren zu den Benediktinern...; HG

-- Glaubauf Karl, Montag, 27. Juni 2011, 11:14