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Glaubenszeugen der NS-Zeit #

Nach Informationen von Prälat Prof. Dr. Helmut Moll, Köln

Augustiner-Chorherr war der 1912 in Mährisch-Schönberg geborene Ordensmann Roman (Karl) Scholz, der nach dem „Anschluss“ Österreichs in Wien eine Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus bildete, 1940 durch einen Spitzel verraten und am 10. Mai 1944 in Wien durch das Fallbeil hingerichtet wurde (Band I, S. 720-721).

Im KZ Mauthausen litten und starben u.a. Gottfried Könzgen (Band I, S. 169-172), der Reichstagsabgeordnete und Landwirt Franz Herbert (Band I, S. 600-602), der Mainzer Rechtsanwalt Dr. Friedrich August Bockius (Band I, S. 363-366), Pfarrer Heinrich Olczak (Band I, S. 616-618) sowie Dechant Johann Höfferl aus Südböhmen (Band II, S. 708). Pfarrer Augustin Pazdziora starb 1940 im KZ Gusen (Band I, S. 618-619).

In Schloß Hartheim bei Linz wurden u.a. ermordet der Franziskaner Virgilius Petri (Band II, S. 760-761), Peter Bioly aus Leitmeritz (Band II, S. 704), Pfarrvikar Otto Günnewich aus Höxter (Band I, S. 482-484) und Pfarrvikar Bernhard Heinzmann (Band I, S. 50-54).

Zisterzienserpater Gerhard (Michael) Scherer war eine Zeit lang Mönch in der Tiroler Abtei Stams. Als Hausgeistlicher in Sächsisch Haugsdorf wurde er am Ende des Zweiten Weltkriegs erschossen (Band II, S. 880-884). Der aus Göfis (Vorarlberg) kommende Provikar Dr. Carl Lampert geriet nach seinem dreimaligen Aufenthalt im Innsbrucker Gefängnis in das KZ Dachau, dann in die Fänge der Geheimen Staatspolizei, als er in Halle seelsorglich tätig war, und wurde zum Tode verurteilt. Seine Seligsprechung erfolgte am 13. November 2011 (Band I, S. 91-99; 110-113; 133; 354, Band II, S. 821-822). Aus Bad Hall in Oberösterreich stammte Rechtsanwalt Hans Wölfel, der sich mit einer Kanzlei in Bamberg niederließ. Der entschiedene Gegner der NS-Ideologie wurde verraten und am 3. Juli 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet (Band I, S. 87-90).

Die „Stella Matutina“ in Feldkirch diente Jesuitenpater Dr. Albert Maring (Band II, S. 791-795) als Noviziat. Jesuitenpater Dr. Alfred Delp übte dort während seines Interstitiums den Dienst als Erzieher aus (Band II, S. 786-789). P. Alois Grimm absolvierte sein Noviziat auch in der „Stella Matutina“ in Feldkirch, studierte überdies Geschichte und Germanistik an der Universität Wien. In Feldkirch war er ein gesuchter Prediger und Beichtvater. Nach seiner Verhaftung hat die Wiener Akademie ein Gnadengesucht aufgesetzt, das jedoch abgewiesen wurde (Band II, S. 789-791).

In Salzburg kam der Historiker und Freund der Buchkultur Friedrich Lama zur Welt, welcher in mehr als dreißig Schriften vor allem den Nationalsozialismus bekämpfte. Der verheiratete Katholik, der auch als Übersetzer tätig war, geriet in die Fänge der Gestapo und wurde am 9. Februar 1944 im Gefängnis München-Stadelheim umgebracht (Band I, S. 411-414). Pallottinerpater Franz Reinisch kam 1903 in Tisis bei Feldkirch zur Welt. Die Volksschule besuchte er in Innsbruck, das Gymnasium in Bad Hall. Alsdann studierte er in Innsbruck Jura. Der spätere Ordensmann, der in Salzburg Studentenseelsorger war, verweigerte den Fahneneid auf die Person Adolf Hitlers. In der Folge wurde er im Zuchthaus Brandenburg-Görden mit dem Tode bestraft. Am 28. Mai 2013 wurde sein Seligsprechungsverfahren eröffnet ( Band II, S. 836-840).

Der Bauer und Mesner Franz Jägerstätter aus St. Radegund bezahlte seine Weigerung, für Hitler in den Krieg zu ziehen, mit dem gewaltsamen Tod. Am 26. Oktober 2007 wurde er in Linz seliggesprochen (Band I, S. 73). In Wien starb im März 1938 der westfälische Honorarattaché Wilhelm Emanuel Ketteler , der in der Reichskanzlei bei Minister von Papen arbeitete (Band I, S. 494-497). Der Bonner Dozent für Philosophie Johannes Maria Verweyen kam im Jahre 1925 in Wien in Kontakt mit Theosophen, wie er in seinen Erinnerungen „Heimkehr“ (S. 160; 172) schreibt, und ist im Frühjahr 1925 der Gesellschaft beigetreten. Wegen seiner „katholischen und okkulten Neigungen“ verhaftet, starb er 1945 im KZ Bergen-Belsen (Band I, S. 470-474). Der 1909 geborene Kaplan Peter Schlicker, wegen seiner antinationalsozialistischen Einstellung im KZ Dachau inhaftiert, starb an den Folgen der Torturen am 19. April 1945 im Landeskrankenhaus Salzburg (Band I, S. 574-577).

Viele Jahre lebte der Ökumeniker Dr. Max Joseph Metzger in Graz, zusammen mit seinem Freund Josef Ruf (Band I, S. 72-76), um das Generalsekretariat für das „Österreichische Kreuzbündnis“ zu übernehmen. Am 17. April 1944 wurde er im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet. Das Erzbistum Freiburg hat sein Seligsprechungsverfahren 2006 eingeleitet (Band I, S. 212-215). In Innsbruck studierte das Mitglied der Widerstandsbewegung „Weiße Rose“ – wie auch Willi Graf (Band I, S. 402-404) – Christoph Probst Medizin. In der Tiroler Landeshauptstadt wurde der dreifache Familienvater verhaftet und nach München gebracht, wo er, zum Tode verurteilt, am 22. Februar 1943 im Gefängnis Stadelheim hingerichtet wurde (Band I, S. 423-425). Der Kopf des katholischen Widerstandes in Wien war der Münchener Oberst Rudolf Marogna-Redwitz in den Jahren ab 1938, als er u. a. gefälschte Pässe an Juden weitergab (Band I, S. 416-419).

Aus Weipert-Neugeschrei im Sudetenland stammten der Geistliche Religionsprofessor Dr. Johann Schmidl, der 1942 im KZ Dachau starb (Band I, S. 711) sowie Erzdechant Eduard Fischer , welcher im April 1945 nach Rückkehr aus dem Konzentrationslager Dachau umkam (Band I, S. 705). Der Gitarrenbauer Ernst Volkmann, für den am 23. September 2007 eine Gedenktafel an der Kirche St. Gallus in Bregenz errichtet wurde, war Kriegsdienstverweigerer und wurde deshalb am 9. August 1941 im Zuchthaus Brandenburg-Görden bei Berlin hingerichtet (Band II, S. 1439-1443). Benediktinerabt Michael (Karl Otto) Witowsky, der 1945 unweit von Berlin das Martyrium erlitt, lebte zeitweise in der österreichischen Abtei Seckau (Band II, S. 1502-1505).

Die bibliographischen Angaben beziehen sich auf das Werk Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts Hrsg. von Helmut Moll im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz, Paderborn u.a., Schöningh-Verlag, 5. Auflage 2010.

Weitere Bücher zum Thema von Prälat Prof. Dr. H. Moll, Köln:
Martyrium und Wahrheit. Zeugen Christi im 20. Jahrhundert (Weilheim 2005; 5. Auflage 2012)
Die katholischen deutschen Märtyrer des 20. Jahrhunderts. Ein Verzeichnis (Paderborn u.a. 1999)