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Die Sternstunde auf hoher See #

Die Seeschlacht bei Lissa ging in die Kriegsgeschichte ein. Wie Tegetthoff die italienische Flotte bezwang. #


Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von der Kleinen Zeitung (Sonntag, 3. Juli 2016)

Von

Robert Preis


Das Gemälde von Anton Romako zeigt den Seehelden von Lissa in heroischer Pose
Das Gemälde von Anton Romako zeigt den Seehelden von Lissa in heroischer Pose
Foto: Romako/KK

Schon Wochen vor dem 20. Juli 1866 schwor Konteradmiral Wilhelm von Tegetthoff seine Truppe auf den Gegner ein und übte die Gefechtsformation dreier aufeinander folgender Keile. Denn er hatte seine Lehren aus der Trafalgar-Schlacht von Lord Nelson (1805) und dem Gefecht der Panzerschiffe Monitor und Virginia während des Amerikanischen Bürgerkriegs (1862) gezogen. Sein Fazit: Er wollte mit Panzerschiffen und der Rammtechnik zum Erfolg kommen.

Sein Gegenüber, der italienische Admiral Carlo Pellion di Persano, hatte dagegen ganz andere Sorgen. Politik und Öffentlichkeit verlangten einen raschen Sieg. Die Insel Lissa – das heutige Vis – war für ihn der perfekte Schauplatz der Schlacht, denn sie war Schlüsselort für die Beherrschung der Oberen Adria. Sein Problem dabei: Das Kartenmaterial war schlecht.

Er schickte deshalb die Messaggiere unter britischer Flagge voraus, um dort Erkundungen einzuholen, was den Habsburgern natürlich nicht entging. Am 17. Juli kam die Warnung aus Lissa – und am 20. Juli 1866 war dann alles eine Frage der Zeit. Und vieles eine Frage der richtigen Entscheidungen.

An der Spitze von Tegetthoffs Keil fuhr der Avisodampfer Stadium, der vom Admiral selbst angeführt wurde. Noch ein letztes Mal befahl Tegetthoff, die Mannschaft mit Wein und Brot zu versorgen, um sie für ein längeres Gefecht zu stärken.

Für solche Dinge hatte Persano keine Zeit mehr. Von Anfang an dürfte er den Gegner unterschätzt haben. Er soll angeblich beim Anblick der Keilformation ausgerufen haben: Ecco i pescatori!“ („Da sind sie, die Fischer!“) Er war mit seiner Flotte soeben dabei, auf Lissa zu landen, und versuchte sie nun in zwei langen Kampflinien zu formieren. Er verfügte über 34 Schiffe mit 645 Kanonen und einer Besatzung von 10.866 Mann – eine Übermacht aus Sicht der Habsburger.

Während Tegetthoff jedoch dafür gesorgt hatte, dass auch seine Offiziere über seinen Angriffsplan Bescheid wussten, hing auf italienischer Seite alles von Persano ab. Ein fataler Fehler.

Tegetthoff erkannte – nach Abzug einer Nebelschicht um die Bucht von Lissa –, dass ihm die italienische Flotte genau jene Angriffsfläche bot, die er erhofft hatte. Im Angesicht der Schlacht erfasste Persano Panik, er setzte von seinem Flaggenschiff Re d’Italia auf die stärker bewaffnete Affondatore über. Dies tat er aber mit einem Ruderboot und vergaß auf die Kommandoflagge. Plötzlich herrschte völlige Unsicherheit, niemand hatte mehr einen Gesamtüberblick über die Lage. Tegetthoffs erster Keil durchstieß die Kampflinie, versenkte zwei Schiffe, stiftete Verwirrung.

Da ein Teil der italienischen Flotte die Landungsschiffe auf Lissa schützen musste, spielte das den Habsburgern weiter in die Hände. Persano schaffte es auch nicht, seinen Admiral in der zweiten Linie per Flaggenzeichen zum Kampf aufzufordern. Dann explodierte auch noch das Kanonenboot Palestro. Die Moral der Truppe war gebrochen.

Ein zweiter Angriffsschlag musste nicht mehr ausgeführt werden – Persanos Schiffe zogen in Richtung Ancona ab.

Schon am 21. Juli traf der Raddampfer Venezia mit einem Dankschreiben von Kaiser Franz Joseph in Lissa ein. Tegetthoff wurde zum Vizeadmiral befördert. Auch in Graz traf an diesem Tag ein Telegramm ein, adressiert an „Madame Tegetthoff“, seine Mutter: „Heute Gefecht bestanden und feindlicher Flotte Lissa entsetzt / Feind zwei Schiffe verloren / Ich wohlauf, Wilhelm.“

Kleine Zeitung, Sonntag, 3. Juli 2016

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