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Der Traum vom Herrschen#

Das Hofmobiliendepot zeigt Überraschendes über Maximilian von Mexiko#


Mit freundlicher Genehmigung der Wiener Zeitung, Samstag/Sonntag, 23./24. März 2013

Von

Brigitte Borchhardt-Birbaumer


Maximilian von Mexiko
Maximilian von Mexiko präsentierte sich gerne in Marineuniform.
© Heeresgeschichtliches Museum/Koller

Ein völlig neues Licht auf den Bruder Kaiser Franz Josephs I., Erzherzog Ferdinand Maximilian (1832-1867), können die 565 Exponate der Ausstellung "Maximilian von Mexiko: Der Traum vom Herrschen" werfen. Es zeigt sich, dass der tragisch als Regent von Mexiko Gescheiterte ein großer Sammler, aber auch fast Architekt, Botaniker, Ägyptologe und Ethnologe war, der in Schloss Miramar bei Triest auch einen Museumsbau plante. Ein Forschungsprojekt hat die 200 Kartons und Dokumente durchforstet, und deshalb kann die bis jetzt umfangreichste Präsentation in vielem überraschen.

Schon als Jugendlicher zeigte Maximilian sowohl sein zeichnerisches Talent als auch den Ehrgeiz, wie sein Bruder eine wichtige staatsmännische Funktion zu erfüllen. Maximilian baute mit 17 Jahren ein Blockhaus, die Villa Maxing, nahe Schönbrunn, entwarf eine spezielle Reiterausstattung, später trug er wesentlich zum Entwurf des Schlosses Miramar bei, dazwischen war er federführend in der besonderen Gestaltung seiner Residenzen bis zum Geschirr und Tafelsilber. Als Generalgouverneur der Lombardei und vor allem als Oberkommandant der Marine konnte er tatsächlich durch Modernisierung spätere Siege der Flotte befördern.

Prunksüchtig und liberal#

In Mexiko baute er nicht nur seine Residenzen samt Gärten und ein kleines romantisches Landhaus nach der Poesie von Torquato Tasso aus, er kümmerte sich intensiv um das Nationalmuseum. Fast wäre der Kopfschmuck des Montezuma wie dessen Schild aus Wien damals wieder in Mexiko gelandet.

Doch noch mehr interessierten ihn prunkvolle Hofhaltung und Zeremoniell, was er höher bewertete als die notwendige Vernunft des Herrschers. Zusätzlich wurde Maximilian bei seinem mexikanischen Abenteuer von den Franzosen, allen voran Napoleon III., getäuscht und konnte seine liberale Gesinnung gegenüber der Bevölkerung in Mexiko nicht durchsetzen. Statt abzudanken, war es aber sein und der Ehrgeiz seiner Frau, Charlotte von Belgien, Kaiserpaar zu bleiben; er bezahlte dies, vierunddreißigjährig, mit dem Leben, sie verfiel in geistige Umnachtung.

Die Schau ermöglicht durch teilweise Rekonstruktion der Einrichtungen nach Aquarellen - vor allem der Villa Lazarovich in Triest - samt Originalmobiliar, Nippes, Bildern und kostbarer Bekleidung den Einblick in ein teilweise exotisch zelebriertes Leben. Maximilian hatte auf seinen Bildungsreisen in Algier Einrichtungsgegenstände "a la turca" erworben, das orientalische Zimmer im maurisch-gotischen Stil war eines der Zentren seiner Wohnungen, das Schlafzimmer in Miramar glich einer Schiffskajüte, neben einer Bibliothek, die immerhin 7000 Bände enthielt. Dazu sammelte er Autografen, Porträts von schönen Frauen und Herrschern, Ägyptiaka, afrikanische und aztekische Artefakte, Tier- und Pflanzenpräparate; in Mexiko entdeckte er als Botaniker bisher unbekannte Gewächse.

Auch sein Tod ist mit einer Menge schauriger Reliquien und Dokumentationsobjekte bis hin zu Transportsarg, Bartlocke und der mit fünf Schüssen zerfetzten schwarzen Zivilkleidung bei seiner Hinrichtung eine von 28 Stationen in gut gegliederter Abfolge. Das kürzlich vom Möbelmuseum erworbene Foto von François Aubert aus dem Jahr 1867, das den einbalsamierten Leichnam samt falscher Nase und Glasaugen zeigt, ist der schreckliche Höhepunkt.

Dem Volksglauben zugetan#

Davon lenkt aber die dreifärbige Gestaltung nach den Originaltapeten des Designerstudios Walking-Chair ab, die Maximilians Symbole Krone, Adler, Anker, Ananas und sein Monogramm zeigen. Aus seiner Bildersammlung stechen die Kinderporträts von Jean Étienne Liotard hervor, die sich heute in Schönbrunn befinden. Die Straußeneier als von der Decke hängende Ampeln zur Abwehr des Bösen wie Amulette und Korallen verraten eine gewisse Naivität, auch den sogenannten Volksglauben zu übernehmen, und in seinen sieben Bänden Lebenserinnerungen verrät Maximilian noch etwas mehr: Er sah sich als liberal denkende Persönlichkeit und kehrte seine wissenschaftliche Gesinnung als eine primär philosophische hervor. Seine machtbewusste Erziehung, Angst vor Ehrverlust, vielleicht auch Wankelmut und Entscheidungsschwäche, erwiesen sich aber gegenüber allen musischen Begabungen als verhängnisvoll.

Die Ausstellung gibt die vielen Ambivalenzen im Leben des unglücklichen Bruders des österreichischen Kaisers, für den er nach dem überstandenen Attentat auch den Bau der Votivkirche in gotischem Stil veranlasste, gut wieder. Seine Vorliebe für teils exotisch anmutende Rokoko-Gotik zeigt eine führende Mode aus England, die etwas progressiver war als der Historismus der Ringstraße.

Wiener Zeitung, Samstag/Sonntag, 23./24. März 2013