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Auch die Schnitten spürten die Krise #

Der Aufsichtsratsvorsitzende Carl Manner über Konkurrenz, Börse, Familie und den Umgang mit Süßigkeiten#


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Wiener Zeitung (Mittwoch, 19. Mai 2010)

Von

Stefan Janny


Carl Manner
Carl Manner: „Nur das Geld zu verwalten, ist ja keine vernünftige Lebensaufgabe – das wäre mir nicht sympathisch.“
Foto: © Newald

  • Geringe Werbekosten dank hoher Bekanntheit der Marke Manner.
  • Notierung an der Börse gehört zum Image.
  • Eröffnung weiterer Manner-Shops geplant.

„Wiener Zeitung“: Manner hat als Konkurrenten vor allem sehr große multinationale Konzerne. Bekommt man da nicht manchmal Angst?

Carl Manner: Wir sind das schon gewohnt. Am österreichischen Süßwarenmarkt sind vier der fünf führenden Unternehmen Großkonzerne – und wir stecken an dritter Stelle mittendrin. Bei den Werbeausgaben können wir sicher mit den Großkonzernen nicht ganz mithalten. Aber Manner wird in Österreich sehr geschätzt. Manchmal wird die Bedeutung der Marke sogar überschätzt. So können wir mit etwas geringeren Werbeaufwendungen das Auslangen finden. Außerhalb Österreichs ist das aber schwieriger, weil sich das Image nicht so ohne weiteres übertragen lässt.

Sie erwirtschaften mittlerweile allerdings mehr als die Hälfte des Umsatzes außerhalb Österreichs.

Neben Deutschland und Tschechien ist Slowenien einer unserer wichtigsten Märkte. Umgerechnet auf die Bevölkerungszahl machen wir dort die höchsten Umsätze außerhalb Österreichs.

Weil man als Unternehmen Ihrer Größe einen vergleichsweise kleinen Markt wie Slowenien leichter bearbeiten kann?

Teilweise. Aber es gibt in Slowenien auch eine sehr positive Einstellung österreichischen Unternehmen gegenüber. Wir sind nicht das einzige österreichische Unternehmen, das dort reüssiert.

Viele Familienunternehmen in vergleichbarer Größe wurden irgendwann an einen großen internationalen Mitbewerber verkauft...

Den Gedanken gibt es als theoretische Option bei uns auch. Wir wollen es aber nicht tun, solange wir als Familienunternehmen erfolgreich agieren können. Geld ist nicht alles. Was würden wir denn mit dem vielen Geld machen, das wir bekämen? Nur das Geld zu verwalten, ist ja keine vernünftige Lebensaufgabe – das wäre mir nicht sympathisch. Ein Unternehmen wie Manner zu führen, das in Österreich 700 Mitarbeitern beschäftigt, gibt demgegenüber eine gewisse Befriedigung. Da tut man etwas Gescheites, etwas, das für eine große Anzahl von Menschen Bedeutung hat. Das ist doch wesentlich befriedigender, als einfach nur sinnlos Geld anzulegen.

Denken alle Aktionäre so?

Gott sei Dank die meisten. Die Schwierigkeit ist natürlich, dass man nicht alle Miteigentümer im Unternehmen beschäftigen kann.

Traditionell sitzen aber an vielen Positionen Familienmitglieder. Werden die gleich streng beurteilt wie externe Manager?

Bei der Auswahl ja. Sind sie aber einmal da, kann es schwierig werden, sie wieder loszuwerden.

Ein anderes Problem von Familienunternehmen ist häufig, dass nach einigen Generationen die Anteile der einzelnen Familienmitglieder immer kleiner werden und von der Dividende allein der Lebensunterhalt nicht mehr zu bestreiten ist.

Das trifft auch bei uns teils zu.

Dadurch wächst die Bereitschaft oder der Wunsch, diese Anteile in Bargeld umzuwandeln.

Selbstverständlich. Das ist auch bei uns latent. Da ich keine Kinder habe und finanziell gut gestellt bin, habe ich mich bemüht, über meine Privatstiftung Anteile zu konzentrieren. Wenn jemand aussteigen will, kann ich in der Regel diese Aktien erwerben. Bis jetzt ist das ganz gut gelungen. Die meisten Aktien sind also nach wie vor in Familienbesitz.

Trotzdem notieren die Manner-Aktien an der Börse. Ist das sinnvoll angesichts des geringen Streubesitzes und der geringen Umsätze?

In mancher Hinsicht sind wir wahrscheinlich gar nicht würdig, an der Börse zu sein. Andererseits gehört es zu unserem Image. Wir sind schon seit Anfang des vorigen Jahrhunderts Mitglieder der Wiener Börse. Ich habe das so weitergeführt, auch wenn es wegen der kontraproduktiven Steuergesetze lange Zeit mühsam war.

Eine Börsenotierung ermöglicht allerdings – auch ohne die mehrheitliche Kontrolle aus der Hand zu geben – Kapitalerhöhungen.

Ja. Es gibt derzeit keinen aktuellen Anlass, aber wir haben auch schon in der Vergangenheit Fusionen und Akquisitionen fallweise über die Ausgabe von Aktien abgewickelt und trotzdem die Kontrolle behalten. Wenn wir künftig eine größere Finanzierung brauchen, kann es schon sein, dass wir das über die Börse lukrieren. Und man kann, um ein Unternehmen zu übernehmen, den Eigentümer auch mit Aktien bezahlen.

Welche Unternehmen würden Sie übernehmen wollen?

Derzeit keines. In Österreich gibt es keine größeren unabhängigen Süßwarenerzeuger mehr. Ich möchte aber nicht ausschließen, dass eine Fusion oder Übernahme im näheren Ausland Vorteile bringen könnte. Wenn wir sie sehen, werden wir solche Chancen nützen. Wir könnten den Familienanteil ohne weiteres etwas verdünnen, ohne die Kontrolle zu verlieren. Allerdings wäre die mehrheitliche Zustimmung der Aktionäre nötig. Und ich weiß natürlich nicht, ob wir die gegebenenfalls erhalten würden. Den meisten ist es nicht recht, wenn ihr Anteil am Unternehmen sinkt.

Wie viele Packerl Mannerschnitten essen Sie pro Tag?

Ich koste sie nur gelegentlich, aber ich kann nicht ständig Süßes zu mir nehmen. Irgendwann isst man sich satt. Ich will unser Hauptprodukt natürlich nicht schlechtreden und mag persönlich vor allem die Schnitten mit Fruchtgeschmack. Aber in meinem Alter bekommt man Sodbrennen von zu viel Süßem.

Die Gesundheitspolitik stellt ja Süßwaren zunehmend als problematische Produkte dar...

Es ist nicht ganz zu vermeiden, dass man dadurch einige Konsumenten verliert. Aber der Wunsch nach Süßem, wenn man es nicht übertreibt, verursacht keinerlei gesundheitliche Probleme. Natürlich wäre es grundverkehrt, sich primär von diesem Zeug zu ernähren. Übertreibung ist nie gut. Es wird ja auch propagiert, in die Schule einen Apfel und ein Brot mitzunehmen. Aber da müssen eben auch die Kinder mitspielen. Und meistens schmeckt ihnen das Süße doch besser.

Seit einigen Jahren gibt es am Wiener Stephansplatz einen Manner-Laden, kürzlich kam in Salzburg ein zweiter hinzu. Ist der Zweck dieser Läden Profit oder Promotion?

Beides. In Wien ist die Lage so gut, dass wir ein sehr positives Ergebnis erzielen. Weitere Standorte sind geplant. Man darf es aber nicht überziehen, unsere Hauptkunden sind ja die großen Handelsketten. Die dürfen nicht den Eindruck haben, wir wollen ihnen Konkurrenz machen. Wenn es aber wie am Stephansplatz gelingt, in erster Linie ausländische Kunden anzusprechen, die ohnedies nicht im Supermarkt einkaufen, ist das unproblematisch.

Manner steigerte im Vorjahr trotz Wirtschaftskrise den Gewinn und reduzierte die Verschuldung. Wird also auch in schwierigeren Zeiten nicht auf Süßes verzichtet?

Unser Mengenabsatz ist durchaus zurückgegangen. Allerdings haben wir vor fünf, sechs Jahren hohe Investitionen getätigt, die sich bewährt haben, und jetzt kommen wir damit ins Verdienen. Aber wir haben die Krise gespürt, vor allem in Osteuropa. In manchen Regionen ging die Menge um 10 bis 20 Prozent zurück. Dafür wurden manche Rohstoffpreise günstiger. Kakao wurde zwar teurer, die Erhöhung bringt man aber bei den Kunden noch durch. Wenn man wie wir sehr viele Haselnüsse braucht, die nicht unbedingt jeder Süßwarenerzeuger verwendet, ist es viel schwieriger, Preiserhöhungen weiterzugeben.

Zu Manner gehören neben den Schnitten auch noch Casali, Napoli, Ildefonso und Victor Schmidt.

Ja, das ist eine breite Produktpalette – vielleicht sogar zu breit. Wir können nicht alle unsere Produkte auch in großen Mengen verkaufen. Andererseits gibt es oft auch Diversifikationen und Variationen, die der Handel fordert.

Welches ist Ihr Lieblingsprodukt?

Die sind alle gut, auch wenn ich einige Geschmacksrichtungen persönlich nicht unbedingt schätze. Ein richtig positives Verhältnis habe ich aber eher zu Weichwaren vom Zuckerbäcker. Ölz macht hier sehr gute Sachen. Das ist aber eine ganz andere Art der Fertigung als bei uns. Die müssen mit viel kurzfristigerer Logistik arbeiten, weil die Ware schon nach ein paar Tagen unverkäuflich ist. Wir haben es einfacher. Mannerschnitten sind nach einem Jahr immer noch gut.

Zur Person #

Carl Manner wurde am 18. Juli 1929 in Innsbruck geboren, studierte Mathematik und Physik, legte 1951 die Lehramtsprüfung ab und promovierte 1952 zum Dr. phil. Im folgenden Jahr trat er in das Familienunternehmen Manner ein. 1959 wurde ihm die Prokura erteilt, 1979 wurde er in den Vorstand berufen, 1995 zum Vorstandsvorsitzenden bestellt. Seit 2008 ist er Aufsichtsratsvorsitzender.

Wiener Zeitung, Mittwoch, 19. Mai 2010