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Nun ist innezuhalten!#


Von

Herbert Kohlmaier

Aus: Gedanken zu Glaube und Zeit, Nr. 89/2013


Der neue Papst hat sogleich nach dem Antreten seines Dienstes mit Zeichen von Bescheidenheit und Offenheit überrascht, die mehr als nur äußerliche Gesten sind. Er lässt damit ein Amtsverständnis erkennen, das sich sehr von dem seiner unmittelbaren Vorgänger unterscheidet. Nun hat er eine Aussage getätigt, deren Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann!

Franziskus stellte fest, dass der Heilige Geist zum Wandel und dazu dränge, weiterzugehen. Das von Johannes begonnene Konzil sei ein großartiges Werk dieser Kraft Gottes gewesen. Wenn man nicht tue, was der Geist da gesprochen habe und manche sogar zurück statt vorwärts wollten, bekomme man "törichte und lahme Herzen". Der Geist lasse sich nicht zähmen, sondern mache die Menschen frei und bringe sie auf dem rechten Weg voran (Bericht von Radio Vatikan über eine Messe für Benedikt XVI. am 16. April 2013).

Diese sicher als programmatisch zu verstehende Erklärung ändert jene Situation, der wir uns bisher gegenübersahen, auf doch überraschende Weise sehr. Es braucht das allen jenen, die seit Langem eine verhängnisvolle Entwicklung unserer Kirche wahrnehmen, nicht näher erläutert zu werden. Nun besteht die wohlbegründete Hoffnung, dass tatsächlich ein anderer Geist im Vatikan wirken wird als bisher.

Was konkret geschehen wird, bleibt freilich noch offen. Wird es Änderungen in die Richtung geben, wohin wir alle bisher vergeblich gedrängt haben? Wird es wirklich mehr als nur eine Änderung von Gesinnung und Stil sein? Dürfen wir Schritte erwarten, die den Seelsorgenotstand zumindest mildern und kann den Frauen in der Kirche endlich Gerechtigkeit zuteil werden? Wird das Gottesvolk Mitsprache erhalten, werden Kollegialität und Aufgabenteilung an die Stelle eines unerträglichen Zentralismus treten?

Bestimmt gilt aber nun Eines: Wir müssen das mit gebotener Geduld abwarten, wobei unsere Gedanken, unser Gebet und unser Herz diese Gesinnung des Bischofs von Rom begleiten sollen. Denn es wird Widerstände geben. Er wird ebenso behutsam und klug wie kraftvoll vorgehen müssen!

In der nun eingetretenen Situation werden die Reformbewegungen in unserer Kirche keineswegs überflüssig. Sicher haben sie ganz Entscheidendes dazu beigetragen, dass ein Umdenken geschehen konnte. Die Bildung von Bewusstsein ist ganz wichtig und muss allem Fortschritt vorangehen. Wenn sich die Dinge so entwickeln, wie wir es erhoffen, wird der neue Papst die Unterstützung möglichst vieler Menschen brauchen, die mit ihm seinen Weg gehen. Zahlreiche Einzelfragen werden zu lösen sein, Erfahrung und Meinung werden einzubringen sein. Es darf zu keiner neuerlichen Enttäuschung wie jener kommen, die uns nach dem Konzil niederdrückte!

Ich selbst habe mich seit einiger Zeit bemüht, Beiträge zum notwendigen Reformdenken zu leisten. Man soll bei so etwas nicht auf die unmittelbare Wirkung oder einen vordergründigen Erfolg sehen, vor allem wenn man dazu nur bescheidene Möglichkeiten hat. Ich bin aber davon überzeugt, dass kein Wort wirkungslos bleibt; da gelten keine Kategorien von groß und klein, von einflussreich oder machtlos. Viele haben mich bei meinen meist sehr kritischen Gedanken begleitet und mich dabei unterstützt. Ich danke dafür sehr!

Ich habe auch versucht, Vorstellungen zu entwickeln, wie eine nötig werdende Verselbständigung von uns Christen und Christinnen gestaltet sein könnte (Projekt "Kirchenerneuerung"). Erwies sich doch immer mehr die Notwendigkeit, sich von einem unerträglich gewordenen Regime zu lösen und in eigener Verantwortung zu handeln. Auch da gab es Interesse und Mitwirkung. Es ist aber denkbar, dass dies nicht mehr notwendig ist, wenn zum Ziel wird, die nötige Einheit zwischen der Leitung der Kirche und den Glaubenden wieder herzustellen. So scheint es mir richtig, auch dieses Vorhaben nun ruhen zu lassen.

So kam ich jedenfalls zu dem Schluss, dass es jetzt nicht angebracht wäre, wie bisher zu mahnen, zu kritisieren und auch zu "rebellieren". Es sollte nun das Rechte dort geschehen, wo die Aufgabe sich stellt und die Verantwortung dafür liegt. Daher werden Sie sicher verstehen, wenn ich als Katholik, der sich der Kirche verbunden fühlt und ihr eine Zukunft wünscht, nun bei meinem bisherigen Tun innehalte.

Wenn Sie also in nächster Zeit keine "Gedanken zu Glaube und Zeit" so wie bisher von mir erhalten, mögen Sie das in diesem Sinn verstehen. Ich bin nun einer, der mit allen Erneuerungswilligen hofft. Vor allem, dass nicht wieder eine Situation eintreten möge, wo es nötig wäre, sich als mündiger Christ energisch zu Wort zu melden. Es müsste vielmehr endlich christliches Engagement in Eintracht geben, das seine Früchte trägt!

Sollte es im Fortgang der Entwicklung angebracht sein, für die gemeinsame Sache die Stimme zu erheben, will ich das wieder tun.

In bleibender und herzlicher Verbundenheit

Ihr H. K.