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Die "Grundmann-Werke" und das Augustiner - Chorherrenstift im Spiegel der Herzogenburger Stadtgeschichte #

Grundherrschaften der Klöster Formbach und Herzogenburg und Industrialisierung durch die "Grundmann-Werke" als politische und wirtschaftliche Perspektiven der Stadtentwicklung


Essay (Juni 2011)

von
Dr. Karl Anton Glaubauf


Bild 'ischinn_herzogenburg_15012'

Die Klöster Formbach am Inn und Herzogenburg, das 2012 900 Jahre alt wurde, waren über siebenhundert Jahre Inhaber der gesamten grundherrschaftlichen Feudalrechte Herzogenburgs und prägten damit die politische Geschichte der Stadt entscheidend.

Stadterhebung als Folge der Industrialisierung#

Aber erst die Revolution von 1848, die damit verbundene "Bauernbefreiung" von Leibeigenschaft, Frondienst und Zehent und das Ende der Grundherrschaften, die durch "Gebietskörperschaften" wie Gemeinden, Märkte etc. ersetzt wurden, eröffneten auch in Herzogenburg neue Perspektiven für die Stadtentwicklung.

Die 1862 durch Carl Grundmann gegründeten und 1875 von Wien zunächst nach Ossarn und 1880 nach Herzogenburg verlegten Schließwaren - Werke, die schon 1914 der größte Schließtechnik - Betrieb der Donaumonarchie waren und 2012 ihr 150. Bestandsjubiläum feiern, stellten schließlich den entscheidenden Entwicklungsschritt zur heutigen modernen Industriestadt dar.

Dabei veränderten sie auch die bisher vorwiegend agrarische Bevölkerungsstruktur nachhaltig : Aus zwei ehemals grundherrschaftlichen Märkten mit Gewerbe und landwirtschaftlicher Produktion entstand das größte metallverarbeitende Zentrum im unteren Traisental, wodurch viele Industrie - Arbeitsplätze geschaffen werden konnten.

Die Stadterhebung von 1927 war das politische Ergebnis dieser von Carl Grundmann eingeleiteten Entwicklung: "Trotz der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl" (nur knapp über 2700) beschloss nämlich der Landtag von Niederösterreich am 30. Juni 1927 angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung den Ort zur Stadt zu erheben.

2012 konnten beide für die Stadtentwicklung so entscheidenden Institutionen ihr Bestandsjubiläum feiern: Das Stift Herzogenburg wurde 900 Jahre alt, die " Grundmann-Werke " wurden vor 150 Jahren in Wien gegründet, ihr Nachfolger am Standort Herzogenburg, der KABA (Karl Bauer) - Konzern 1862, also ebenfalls vor hundertfünfzig Jahren, in der Schweiz.

Herzogenburg als grundherrschaftliches Territorium der Stifte Formbach und Herzogenburg#

Am 18. August 1112 gründete Bischof Ulrich I. von Passau in St. Georgen an der Mündung der Traisen in die Donau ein Stift für Augustiner-Chorherren und in unmittelbarer Nähe auch ein Kloster für Chorfrauen, die nach der Regel des Heiligen Augustinus lebten.

Ursachen für die Klostergründungen waren der Ausbau der Diözese Passau und deren Rivalität mit dem unmittelbar angrenzenden Erzbistum Salzburg, das im Raum Traismauer Pfarr- und vor allem die begehrten grundherrschaftlichen Zehentrechte innehatte.

Darüber hinaus sollten durch den "Reformorden" der Chorherrn primär neue Akzente im klösterlichen Leben gesetzt werden, weshalb man sich zunächst nicht auf die Seelsorge konzentrierte. Die Abteien hatten nämlich schon seit langer Zeit einen beträchtlichen Niedergang erlebt, dem durch Reformorden wie Zisterzienser, Prämonstratenser und eben jenem der Chorherrn entgegengewirkt werden sollte.

Dem neuen Stift unterstanden daher vorerst nur zwei Pfarren, nämlich Traisenburg und Herzogenburg. Letzteres wurde auch nicht von den St. Georgener Chorherrn, sondern von einem Weltpriester seelsorglich betreut. Erster Propst, dem auch das Frauenstift unterstand, war Wisinto I. (1112 - 1117), der vermutlich aus dem Passauer Chorherrnstift als Gründungsabt nach St. Georgen gekommen war.

Verlegung des Stiftes nach Herzogenburg #

Da die Donau begann, die Grundfesten des Stiftes zu unterspülen, war eine Verlegung unumgänglich. Die Wahl des Standortes fiel auf die Stiftspfarre Herzogenburg. Die inzwischen in der Babenbergerzeit neben den Zehenterträgen durch Schenkungen reich gewordene Propstei - man konnte sich auch schon ein eigenes Haus in Wien leisten - begann sofort nach der 1244 erfolgten Übersiedelung mit dem Neubau der Klosteranlage, deren Fertigstellung allerdings Jahrzehnte dauerte.

Im Endausbau verfügte das neue Stift über vier miteinander verbundene große Gebäude: Neben der Stiftskirche und der Prälatur befanden sich die Unterkünfte der Chorherren und der Chorfrauen, eine weitere kleine Kirche und die Wirtschaftgebäude.

Herzogenburg war als Burg der Grenzgrafen - Brüder Wilhelm II. und Engelschalk I., die 871 im Raum Krems im Kampf gegen die Mährer fielen, gegründet worden. Diese Grenzgrafen waren als Angehörige des Reichsfürstenstandes den Herzögen gleichgestellt, daher der Name Herzogenburg (= Burg der Herzoge). Im Schutz dieser Burg entstand rasch eine Siedlung, die nach dem Stiftsbau in Herzogenburg als Gegensatz zum "Oberen Markt" " Unterer Markt " genannt wurde.

Da der Stiftsneubau, der nördlich des bisherigen Ortes durchgeführt wurde, viele Arbeitskräfte und Fachleute benötigte, entstand rund um das Stift rasch ein neuer Ortsteil. Er verfügte über einen eigenen Markt und wurde im Gegensatz zum bisherigen " Unteren Markt " als " Oberer Markt " bezeichnet, obwohl er erst 1548 das eigentliche Marktrecht erhielt. Der Untere Markt unterstand als bairische Gründung der grundherrschaftlich - obrigkeitlichen Verwaltung und " niederen Gerichtsbarkeit " des Klosters Formbach am Inn, der Obere Markt jener des neuen Stiftes Herzogenburg.

Die Entwicklung Herzogenburgs zu einem gemeinsamen Ort wurde durch die strikte Trennung der Grund - Herrschaftsbereiche jahrhundertelang - etwa auch im Zeitalter der Reformation, um nur ein Beispiel zu nennen - negativ beinflusst, da diese eine rasche Integration der beiden Märkte verhinderte.

So war beispielsweise der untere Markt im 16. Jahrhundert überwiegend evangelisch, der obere blieb aber infolge des ihn in vieler Hinsicht dominierenden Chorherrnstiftes eher katholisch, obwohl auch im Stift selbst die Lehre Luthers beträchlichen Anklang fand. Der Reformator war ja selbst Mitglied eines augustinäischen Ordens, nämlich der Augustiner-Eremiten, weshalb seine Theologie auch wesentliche Elemente jener Augustins enthält.

Es wollte aber keines der beiden Klöster auf die aus den Feudalrechten resultierenden Vorteile verzichten, wobei das Stift Formbach die wesentlich älteren Rechte hatte. So konnte erst 1806 der Untere Markt durch das Stift Herzogenburg erworben werden, obwohl man sich schon seit Jahrhunderten darum bemüht hatte.

Die politische und wirtschaftliche Geschichte der Stadt Herzogenburg kann daher nur unter Berücksichtigung dieser dualistischen Herrschaftstruktur richtig interpretiert und verstanden werden.

Herzogenburg wird befestigt #

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde der gesamte, aus den beiden Märkten bestehende Ort Herzogenburg mit einem 2 km langen und vier Meter tiefen Graben und einem diesen begleitenden Wall umgeben. Dabei mussten durch die Herzogenburger Bevölkerung an die 63.000 Kubikmeter Erde bewegt werden, was für damalige Verhältnisse eine enorme Leistung darstellte, da die Grabarbeiten ohne jede maschinelle Unterstützung im Rahmen der Robot - Pflicht durchgeführt werden mussten.

Damit war allerdings auch ein wichtiger Schritt zur politischen Integration der beiden Märkte getan, da man sich - im Gegensatz zu St. Andrä an der Traisen - entschlossen hatte, sich gemeinsam zu verteidigen, was die Überlebensfähigkeit des jetzt entstehenden neuen Ortes sicherstellte.

Die Bevölkerung begann sich nämlich nun in ihrem politischen Selbstverständnis zunehmend als Teil des gesamten Ortes zu begreifen und nicht ausschließlich als "Hintersassen" der jeweiligen geistlichen Grundherrschaften. Denn die errichteten Befestigungsanlagen bewährten sich, wenn sie auch nicht immer verhindern konnten, dass Herzogenburg von Feinden, wie etwa 1463 von den Böhmen eingenommen und verwüstet wurde.

1683 konnte man sich jedoch erfolgreich gegen die Türken verteidigen, was in St. Andrä an der Traisen nicht gelang, wodurch die Einwohner einem Massaker zum Opfer fielen.

Vernichtung der jüdischen Gemeinde durch den Habsburger - Herzog Albrecht V. #

Bis 1421 verfügte Herzogenburg auch über eine jüdische Gemeinde, die allerdings der sogenannten "Wiener Gesera", also der Verfolgung der österreichischen Juden durch den Habsburger - Herzog Albrecht V. zum Opfer fiel. Die Existenz dieser Gemeinde beweist, dass Herzogenburg im Mittelalter kein Antisemitismusproblem hatte. Der Herzog war allerdings schwerstens verschuldet und befreite sich mit der Vernichtung der siebzehn jüdischen Gemeinden im damaligen "Österreich Ober- und Unter der Enns" von seinen Gläubigern.

In der Steiermark gab es keine Judenverfolgung, da diese als selbständiges Herzogtum nicht von Albrecht V. regiert wurde, sondern seit dem Neuberger Vertrag von 1369 der "Leopoldinischen Linie" der Habsburger unterstand. Dies belegt, dass die "Wiener Gesera" auf die Einzel - Initiative Albrechts V. zurückzuführen ist, der sich jedoch keineswegs alle habsburgischen Landesfürsten anschlossen.

Albrechts Argumente, wonach die Juden angeblich einen "Hostienfrevel" in Enns begangen hätten und die Hussiten unterstützten, fanden offensichtlich keinen Anklang und sind auch aus heutiger Sicht wissenschaftlich unhaltbar. Die jüdische Gemeinde von Komotau Komotau beging nämlich nach der Eroberung der Stadt durch die Hussiten sogar geschlossen Selbstmord, um der Zwangschristianisierung zu entgehen.

In der "Reformationszeit"#

Die später als "Reformation" bezeichnete Lehre Martin Luthers verbreitete sich im 16. Jahrhundert rasch in ganz Europa. Ausschlaggebend dafür waren Luthers Bibelübersetzung, die die Evangelisierung förderte und zugleich eine einheitliche deutsche Sprache, nämlich das sogenannte "Lutherdeutsch" schuf, und besonders auch seine Schrift: "Von der Freiheit eines Christenmenschen".

Diese wurde von vielen als theologische Widerlegung der "Leibeigenschaft" interpretiert, was auf massiven Widerstand der weltlichen und geistlichen Grundherrschaften stieß. Deren Existenz wäre durch Abschaffung des Feudalsystems und einen freien Bauernstand massiv gefährdet gewesen.

Die Bauernaufstände wurden daher in den sogenannten Bauernkriegen brutal niedergeschlagen. Das Frankenburger Würfelspiel, bei dem man 1625 die besiegten Bauern auch noch um ihr Leben würfeln ließ, war nur eine der besonderen Grausamkeiten in der Auseinandersetzung zwischen den Grundherren und ihren Hintersassen.

In Herzogenburg waren um 1560 etwa 80 % der Bevölkerung Anhänger der Lehre Luthers. 1555 hatte man sich im "Augsburger Religionsfrieden" auf die Formel : "Wessen Herrschaft, dessen Religion (Cuius regio, eius religio)" geeinigt. Auf dieser Basis setzte nun die "Gegenreformation" ein. Da Herzogenburg Territorium zweier geistlicher Grundherrschaften war, wurde es daher vollständig rekatholisiert.

Unter Josef II. wurden auch das Chorherrenstift St. Andrä an der Traisen und -aus heutiger Sicht nicht nachvollziehbar- das elitäre Reformkloster Dürnstein aufgelöst und dem Stift Herzogenburg inkorporiert. 1806 konnte der "Untere Markt" durch das Chorherrenstift vom Kloster Formbach erworben werden. Damit stand der gesamte Ort unter einheitlicher, grundherrschaftlicher Verwaltung des Chorherrenstiftes.

1850: Herzogenburg als demokratische Markt- und Stadtgemeinde #

Aber sogar unter der glanzvollen Fassade des europäischen Barockzeitalters, das primär als kulturelle Reaktion und Sublimation auf die erfolgreiche Türkenabwehr und den Sieg der Gegenreformation zu interpretieren ist, schwelten die ungelösten, lediglich mit Gewalt unterdrückten sozialen und politischen Konflikte weiter.

1789 leitete die französische Revolution das Zeitalter der europäischen Revolutionen ein. Diese erreichten 1848 mit der Bauernbefreiung auch Österreich und damit Herzogenburg: Die Grundherrschaften wurden aufgelöst und durch demokratisch organisierte "Gebietskörperschaften" wie Märkte und Gemeinden ersetzt. Auch Herzogenburg war dadurch "Marktgemeinde" geworden.

Die bisherigen Grundherren wurden mit zwei Dritteln des Schätzwertes großzügig entschädigt, die nun freien Bauern mussten vierzig Jahre (!!!) Abschlagszahlungen leisten. Herzogenburg blieb also zunächst durchaus bei seiner bisherigen überwiegend agrarisch und zum geringeren Teil gewerblich bestimmten Sozialstruktur. Dies sollte sich erst ändern, als Carl Grundmann 1874 seine Fabrik von Wien nach Ossarn verlegte und damit den Grundstein für die moderne Industriestadt legte.

Die "Grundmann-Werke"#

Der Schlosser Carl Grundmann war 1838 aus Danzig, also aus dem damaligen Königreich Preußen Preußen auf der seinerzeit für die Ablegung der Gesellenprüfung verpflichtenden Wanderschaft nach Wien gekommen und ergriff den Beruf des Lokomotivführers, der damals den Schlossern vorbehalten war.

Am 7. Oktober 1848 brachte er mit seiner Lok Kaiser Ferdinand und seinen Nachfolger Franz Josef in einer gefährlichen Fahrt mit dem Hofzug sicher von Wien nach Olmütz und rettete die beiden damit aus den Gefahren der Wiener Revolutionswirren. Auch Kaiser Maximilian brachte er sicher nach Olmütz, als dieser 1864 seine Herrschaft in Mexico antrat.

Die Firmengründung in Wien#

Obwohl Grundmann somit der Lokführer, also der "Privatchauffeur" dreier Kaiser war, beschäftigte er sich intensiv mit der maschinellen Fabrikation von Schlössern, die damals noch durchgehend manuell hergestellt wurden.

Daher erzeugte er vorerst gemeinsam mit dem Lokführer-Kollegen Rudolf Gehring im Gartenhäuschen einer Wohnung in der Pfeffergasse im Zweiten Wiener Bezirk ab 1862 erstmalig Schlösser mit Hilfe von Maschinen in seiner eigenen Firma, die er mit Hilfe der kaiserlichen Belohnungen im selben Jahr gegründete.

Dafür hatte er auch ein eigenes kaiserliches Privileg erhalten. Da Grundmann keine Meisterprüfung abgelegt hatte, hätte er ohne dieses damals nicht als Schlosser arbeiten dürfen. Seine Tätigkeit als Fluchthelfer der Kaiser ermöglichte ihm aber die Firmengründung.

Er vereinfachte dabei die Konstruktion der Schlösser weitgehend, um sie maschinell herstellen zu können, wofür er eine Reihe von Patenten erhielt. Schließlich stellten seine Erfindungen einen gewaltigen Innovationsschub dar, der die gesamte damalige Schließtechnik revolutionierte, da bisher in Österreich-Ungarn niemand Schlösser industriell hergestellt hatte.

Die Söhne Grundmanns Julius, Gustav und Heinrich arbeiteten auch schon in der Firma mit, der vierte Sohn Wilhelm absolvierte in Deutschland noch ein einjähriges Praktikum.

Die kleine Firma expandierte rasch, 1873 waren schon über eine Million Schlösser verkauft, und das Unternehmen auch auf der Wiener Weltausstellung vertreten. Allerdings war in Wien trotz Übersiedelung nach Hernals der Platzmangel ein gravierendes Problem, das eine weitere Expansion nicht zuließ.

Herzogenburg als neuer Firmenstandort: Die Grundmann-Werke als größter Schließwaren-Hersteller der Donaumonarchie#

Grundmann entschloss sich daher 1874 zu einer Übersiedelung nach Herzogenburg und 1879 auch zur Errichtung einer eigenen Fabrik an der Traisen, als sich die in Ossarn von der Firma Vollrath angemieteten Produktionsstätten neuerlich als zu klein erwiesen. Er hatte nämlich als ehemaliger Lokführer dreier Kaiser den lukrativen Großauftrag erhalten, die Scharnierbänder für die Munitionskisten der gesamten Artillerie der k.u.k. Armee herzustellen.

Das war die eigentliche Geburtsstunde der späteren "Gebrüder Grundmann" - Werke und Herzogenburg wurde zum Zentrum der metallverarbeitenden Industrie im unteren Traisental, obwohl sich Wilhelm Grundmann 1894 von seinen drei Brüdern trennte und in Rohrbach an der Gölsen ein eigenes Unternehmen gründete.

Viele neue Arbeitsplätze entstanden, wodurch sich die Sozialstruktur des Ortes rasch wandelte. Aus Bauern und Handwerkern begannen Industriearbeiter zu werden, die gemeinsam mit dem Gründer und seinen Söhnen ein Unternehmen von Weltruf schufen. Auch die Stadterhebung von 1927 des nur wenig über 2700 Einwohner zählenden Marktes war eine Folge der industriellen Entwicklung.

Am Allerheiligentag 1880 wurde die neue Fabrik in Herzogenburg bezogen. Carl Grundmann selbst erlebte dies jedoch nicht mehr, da er am 21. August 1878 im 61. Lebensjahr gestorben war.

1884 wurde wurde das Fabriksgebäude um einen weiteren Trakt erweitert, der Maschinenpark wurde ebenfalls ausgebaut, um der "boomenden" Umsatzentwicklung Rechnung zu tragen. "Auslandsvertretungen" wurden in Budapest und Lemberg errichtet, Heinrich Grundmann unternahm Geschäftsreisen in alle Kronländer, um Aufträge zu sammeln.

Als im Dezember 1886 ein Großteil des Fabriksgeländes durch einen Brand zerstört wurde, konnte die Arbeit schon im Februar des folgenden Jahres in einem neuerbauten Werk fortgesetzt werden.

Schon vor dem Ersten Weltkrieg waren die Gebrüder-Grundmann-Werke in Herzogenburg mit fast fünfhundert Mitarbeitern der größte Schließwarenhersteller der Donaumonarchie und haben ihre führende Position als Teil zweier Schweizer Konzerne bis in die Gegenwart nachhaltig behauptet. 2012 werden sie -gemeinsam mit dem Schweizer Mutterkonzern KABA, der ebenfalls heuer 150 Jahre alt ist und dies in allen seinen Niederlassungen weltweit feiert- ihr 150. Bestandsjubiläum festlich begehen.

Wie dieses dreifache Jubiläum 2012, das von Stadt, Kaba-Konzern und Stift nicht nur punktuell sondern festlich als Jubiläumsjahr begangen wird, unübersehbar zeigt, ist Herzogenburg durch Carl Grundmann zum modernen Industriezentrum im Traisental geworden und dabei auch die Barockstadt unter dem Erzherzogshut geblieben.

Literatur:

  • Katzler, Günter: Die Urkunden des Augustiner - Chorherrenstiftes St. Georgen an der Traisen. Von den Anfängen bis 1201. Diplomarbeit, Universität Wien, 2009.
  • Mathis, Franz: Big Business in Austria. Österreichische Großunternehmen in Kurzdarstellungen; Oldenburg 1987.
  • Meiller, A.: Auszüge aus den Necrologien der Erzabtei St. Peter in Salzburg, Admont in Steiermark und der Propstei St. Andrä an der Traisen in Österreich unter der Enns, Wien, Gerold - Verlag, 1858.
  • Nikodim, G.: Geschichte des Augustiner - Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1513 - 1602, Phil. Diss.; Wien 1968.
  • Rupp, Anton, Schmidbauer, Hans-Peter: Herzogenburg, St. Pölten 1991.
  • Sandner, W.: Geschichte des Augustiner - Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1244 - 1513, Phil. Diss.; Wien 1967.
  • Specht, Heidemarie: Das Verhältnis des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Pölten zur Stadt St. Pölten im Mittelalter und in Früher Neuzeit: Gemeinsamkeiten und Streitpunkte. In: Standpunkt 197/2009, Wien 2009.
  • Herzogenburg. Hrsg. von der Stadtgemeinde, St. Pölten 1977, mit Beiträgen von über vierzig Autoren.
  • Das Chorherrenstift St. Andrä an der Traisen
  • Kurze Geschichte der Stadt Herzogenburg
  • Dürnstein- Steinernes Dokument der österreichischen Geschichte


Anmerkung:

Der Autor dankt dem Herzogenburger Bürgermeister, Herrn Regierungsrat Franz Zwicker, für die Unterstützung des Forschungsprojekts und den Stadträten Gottfried Eder , Franz Leithner und Franz Mrskos (in alphabetischer Reihenfolge) für wichtige Hinweise und Korrekturen, der Stadtbibliothek Herzogenburg für die Bereitstellung der erforderlichen Quellen und Literatur.