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Die U-Bahn feiert 35. Geburtstag #

Vor 35 Jahren fuhr die Linie U1 zum ersten Mal vom Reumannplatz zum Karlsplatz #


Von der Wiener Zeitung (Dienstag, 26. Februar 2013) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Bernd Vasari


Einbau neuer Gleisanlagen
Ein erstes Facelifting hat die U1 mit dem Einbau neuer Gleisanlagen 2012 bekommen.
Foto: © Wr. Linien/Zinner

1978 wurde das erste Teilstück des Wiener U-Bahnnetzes eröffnet. #

Wien. Vor 35 Jahren wurde das erste Teilstück des Wiener UBahnnetzes mit der Fahrt der Linie U1 vom Reumannplatz zum Karlsplatz eröffnet. Heute gibt es fünf U-Bahnlinien, die gemeinsam in jeweils eine Richtung insgesamt 74,6 Kilometer zurücklegen. Die Fahrleistung der 150 U-Bahnzüge erreicht täglich 36.500 Kilometer. Rund 444 Millionen der insgesamt 907 Millionen Fahrgäste der Wiener Linien waren im Jahr 2012 mit der U-Bahn unterwegs. Gefeiert wird das Jubiläum nicht – das hat man bereits bei „40 Jahre Spatenstich gemacht“, heißt es bei den Wiener Linien.

Die Fahrgastanzahl in den UBahnen steigt stetig. Die Wiener Linien räumen zwar beengte Verhältnisse am Morgen und am Abend ein, denn da sei man teilweise bereits am sicherheitstechnischen Intervalllimit von zwei Minuten dreißig; die Grenzen der Kapazität seien aber noch nicht erreicht. Zudem seien laut einer aktuellen Umfrage unter Fahrgästen 82 Prozent mit dem vorhandenen Platzangebot „sehr zufrieden“ bzw. „zufrieden“. Mit der Sitzplatzverfügbarkeit seien sogar 88 Prozent zufrieden, betont man gegenüber der „Wiener Zeitung“.

U1 im Jahr 2017

Allen Wienern kann man es nicht recht machen#

Neben Sanierungen wie etwa in de U6 Station Josefstädter Straße oder der Passage am Karlsplatz werden derzeit die Bauarbeiten zur Ausbaustufe vier vorangetrieben. Im Gegensatz zu den Anfängen des U-Bahnbaus, als große Teile der Inneren Stadt aufgegraben wurden und einige Bürger daran Kritik übten, haben die Wiener ihre U-Bahn zu schätzen gelernt. Allen kann man es aber nicht recht machen, wie der Chefplaner der Wiener Linien, Kurt Höfling, erzählt. Autofahrer, die ihr Auto als einziges Verkehrsmittel sehen, würden sich durch die Verkehrseinschränkungen, die für den U-Bahnbau notwendig sind, oftmals sehr beeinträchtigt fühlen.

Der Wiener U-Bahnbau erfolgt in vier Ausbaustufen. Die erste Ausbaustufe (1976 bis 1982) schaffte ein erstes „Grundnetz“. Die ehemalige Stadtbahn an der Wiental-Donaukanal-Linie wurde schrittweise in die U4, die unterhalb der Zweierlinie verlaufende Straßenbahn in die U2 umgewandelt. Mit dem Ende der ersten Ausbaustufe gab es mit der U1 (Reumannplatz-Kagran), der U2 (Schottenring-Karlsplatz) und der U4 (Heiligenstadt-Hütteldorf) drei U-Bahnlinien in Wien.

In der zweiten Ausbaustufe (1989 bis 2000) wurden zwei Linien hinzugefügt. Die Stadtbahn an der Gürtellinie wurde bis Siebenhirten bzw. nach Floridsdorf verlängert und in die U6 umgewandelt. Zum ersten Mal bestand somit eine Anbindung über die Donau. Die Streckenführung der U3 wurde gänzlich neu gebaut. Am 2. Dezember 2000 wurde das vorerst letzte Teilstück der U3 eröffnet, die Linie fuhr von nun an zwischen Ottakring und Simmering.

Danach begann die dritte Ausbaustufe (2001 bis 2010) in der die Linie U1 bis Leopoldau und die Linie U2 bis zur Aspernstraße ausgebaut wurden. Die Bezirke Floridsdorf und Donaustadt waren somit stärker an das U-Bahn- Netz angebunden.

Europameisterschaft als U-Bahn-Bau-Beschleuniger#

Aufgrund der in Österreich stattfindenden Fußball-Europameisterschaft 2008 musste die U2-Verlängerung bis zum Ernst-Happel- Stadion rechtzeitig fertig werden. Obwohl Verzögerungen aufgrund von rechtlichen Problemen bei der Untertunnelung zweier Wohnhäuser entstanden waren, konnte die Eröffnung doch noch rechtzeitig am 10. Mai 2008 erfolgen. Das weitere rund fünf Kilometer lange Teilstück bis Aspernstraße wurde komplett in Hochlage errichtet.

In der derzeitigen Ausbauphase vier (2010 bis 2019) wird im Herbst 2013 die Verlängerung der U2 bis zur Seestadt Aspern eröffnet werden. Danach liegt das Hauptaugenmerk auf dem Ausbau der südlichen Strecke der U1. Bereits seit Herbst 2010 laufen in Favoriten die Vorarbeiten für die Verlängerung. Im Sommer 2012 erfolgte dann der Startschuss für den unterirdischen U-Bahnbau bis kurz nach der zukünftigen Station Alaudagasse.

Die Bauarbeiten für die weitere auf Straßenniveau geführte Strecke nach Oberlaa beginnen im Frühjahr 2014. Ab Herbst 2017 wird die U1 von Leopoldau nach Oberlaa fahren und somit mit 19,2 Kilometern die längste UBahnlinie Wiens sein. Neben der Therme Wien werden der Campus der FH-Wien und die Bewohner der Per-Albin-Hansson-Siedlung sowie der Stadtentwicklungsgebiete im Süden besser an den öffentlichen Verkehr angebunden sein. Mit den fünf neuen Stationen entsteht ein zusätzliches Fahrgäste-Potenzial von 21.000 Personen.

Die ursprünglich in der vierten Ausbaustufe geplante Endstelle Rothneusiedl bleibt als künftige Option für einen weiteren Ausbau aufrecht (siehe Grafik). Nach der Station Alaudagasse wird eine Liniengabelung eingebaut, um einen eventuellen zweiten Streckenast nach Rothneusiedl weiterführen zu können. Aus derzeitiger Sicht der Stadtplanung ist die Weiterführung in dieser Ausbaustufe noch nicht notwendig.

Ein erstes Facelifting hat die U1 mit dem Einbau neuer Gleisanlagen 2012 bekommen. Foto: Wr. Linien/Zinner

Wiener Zeitung, Dienstag, 26. Februar 2013