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Tapfer und barmherzig #

Johanniter und Malteser gedenken am 13. April ihrer Anerkennung vor 900 Jahren #


Von der Wiener Zeitung (Freitag, 12. April 2013) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Heiner Boberski


Aus einem mittelalterlichen Ritterorden wurden zwei karitative Organisationen. #

Michelangelo Merisi da Caravaggio
Michelangelo Merisi da Caravaggio: Porträt eines Malteserritters (Fra Antonio Martelli), 1608, Palazzo Pitti, Florenz.
Foto: wikimedia

Wien. „Wahrung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen“ (Tuitio fidei et obsquium pauperum) lautet der Wahlspruch des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens, einer der wichtigsten global tätigen katholischen Organisationen. Nach eigenen Angaben unterstützen die Malteser weltweit in 120 Ländern über 15 Millionen notleidende Menschen, insbesondere Alte, Kranke und Katastrophenopfer.

Der Orden hat die gleiche Wurzel wie die ganz ähnliche Aufgaben erfüllenden evangelischen Johanniter. Darum feiern beide Organisationen am 13. April um 10.30 Uhr im Wiener Stephansdom gemeinsam mit einem ökumenischen Gottesdienst ihr 900- Jahr-Jubiläum: Am 15. Februar 1113 hat Papst Paschalis II. mit der Bulle „Piae postulatio voluntatis“ den damaligen Orden vom Hospital des Heiligen Johannes von Jerusalem anerkannt. Er ging auf eine Mitte des 11. Jahrhunderts von Kaufleuten aus Amalfi gegründete Laienbruderschaft zurück, der sich 1099 christliche Kreuzritter anschlossen.

Der Orden sorgte sich nicht nur um kranke Pilger, sondern nahm auch Aufgaben der militärischen Verteidigung des Christentums im Heiligen Land wahr. Als dort die Muslime die Oberhand gewannen, zog er sich schrittweise nach Westen zurück – erst nach Zypern, dann nach Rhodos. Damals waren die Ordensritter – sie legten die drei monastischen Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ab – häufig in Kämpfe, vor allem auch in Seeschlachten verwickelt, zeitweise kontrollierten sie mit ihrer Flotte das östliche Mittelmeer. 1530 mussten sie sich auf die Insel Malta zurückziehen – daher der Name Malteser für den katholischen Ordenszweig.

Seit 1834 haben die Malteser ihren Hauptsitz in Rom. Das achtzackige Malteserkreuz, das für die acht Elende steht (Krankheit und Hunger, Schuld und Unglaube, Heimatlosigkeit und Verlassenheit, Gleichgültigkeit und Lieblosigkeit), ist Symbol des Ordens. Dessen 1538 gegründete protestantische Linie trägt den alten Namen Johanniter, umfasst heute weltweit über 4000 Ritterbrüder und wirkt mit der Johanniter- Augenklinik in Jerusalem heute noch am Ort der Entstehung.

Ein Ritter als „Drachentöter“ #

Noch in die Zeit auf Rhodos fällt jene Begebenheit, die Friedrich Schiller in seiner Ballade „Der Kampf mit dem Drachen“ verewigt hat. Ein junger Johanniter nimmt gegen den ausdrücklichen Wunsch seines Großmeisters den Kampf mit einem die Insel heimsuchenden Drachen auf, besiegt das Untier und wird vom Großmeister mit dem – auch in der „Ungehorsam“-Debatte in der katholischen Kirche wiederholt zitierten – Satz „Mut zeiget auch der Mameluck, Gehorsam ist des Christen Schmuck“ streng gerügt. Als der Ritter seinen Fehler einsieht, nimmt ihn der Großmeister sofort wieder liebevoll auf.

Den Ritter gab es wirklich, er hieß Dieudonné de Gozon, seine Tat geschah im Jahr 1332, er selbst amtierte von 1346 bis zu seinem Tod 1353 als Großmeister des Ordens. Der etwa 100 Jahre später genauer untersuchte Schädel des „Drachen“ entpuppte sich als Kopf eines großen Krokodils.

Heute verteidigt der Orden den christlichen Glauben nicht mehr mit dem Schwert, sondern durch vorbildlichen Einsatz auf dem Gebiet der Nächstenliebe. In Österreich arbeiten derzeit etwa 1800 Malteser in den einzelnen Werken des Ordens. 1956 entstand im Zuge der Hilfe für Ungarnflüchtlinge der Malteser Hospitaldienst Austria (MHDA), dessen ausnahmslos freiwillig und unentgeltlich arbeitende Mitglieder pro Jahr rund 100.000 Dienststunden – administrative Tätigkeiten nicht mitgerechnet – erbringen.

Bei den Johannitern engagieren sich in Österreich, wo sie 1974 mit der Johanniter-Unfall-Hilfe starteten, rund 900 Mitarbeiter ehrenund hauptamtlich sowie als Zivildiener. Als unlängst die Flüchtlinge in der Wiener Votivkirche ins Servitenkloster übersiedelten, bedankten sie sich für geleistete Hilfe ausdrücklich bei der Caritas – und bei den Johannitern.

Mit dem Roten Kreuz und dem Arbeiter-Samariter-Bund bilden Malteser und Johanniter heute die vor allem in der Bundeshauptstadt in Sachen Krankentransporte, Alten- und Behindertenbetreuung sowie -verpflegung tätige Gruppe „Die 4 für Wien“, die gegenwärtig im heimischen Sozialund Gesundheitssystem unentbehrlich ist. Auch die Erfüllung dieser Aufgaben erfordert ritterliche Tugenden: Tapferkeit und Barmherzigkeit.

Wiener Zeitung, Freitag, 12. April 2013