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Zum Geburtstag ein Rebstock#

UNO-City feiert 35-Jahr-Jubiläum mit Ausstellung über Gebäude und Arbeit der Vereinten Nationen.#


Von der Wiener Zeitung (Mittwoch, 10. September 2014) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


Blick aus der Vogelperspektive auf das Vienna International Center
Blick aus der Vogelperspektive auf das Vienna International Center, rechts daneben das später gebaute Konferenzzentrum und zwei der Hochhäuser der neuen Donau-City an der Reichsbrücke.
© apa/Robert Jäger

Wien. Seit 35 Jahren ist das Vienna International Center (VIC), besser bekannt als UNO-City, fester Bestandteil der Wiener Skyline. "Die UNO-City ist ein Wahrzeichen der Stadt und ein Symbol für die Weltoffenheit Wiens", sagte Bürgermeister Michael Häupl am Mittwoch beim Festakt zum 35-Jahr-Jubiläum und überreichte einen Weinstock, der in Zukunft im VIC wachsen wird.

"Der Weinstock vom Weingut Cobenzl ist ein Symbol für die gute Beziehung, die die Stadt Wien mit der UNO-City hat", erklärte Häupl, bevor er das Gewächs gemeinsam mit dem Generaldirektor des Büros der Vereinten Nationen in Wien, Yury Fedotov, im Garten des Gebäudes einpflanzte. "Ein Weinstock wächst lange und über Jahre schenkt er einem die besten Trauben", ergänzte der Bürgermeister.

In seiner Rede stellte Häupl auch den kulturellen Aspekt der UNO-City in den Vordergrund: "Menschen aus aller Welt arbeiten hier. Diese sind eine Bereicherung für uns alle und tragen zur kulturellen Vielfalt in der Stadt bei." Im VIC arbeiten mehr als 4000 Menschen aus 120 verschiedenen Ländern, ein Drittel davon aus Österreich.

Um die Arbeit der Vereinten Nationen sowie der UNO-City den Menschen näherzubringen, wurde zudem eine Jubliäums-Ausstellung eröffnet. Zu sehen ist die Entstehungsgeschichte des Gebäudekomplexes der UNO-City, dokumentiert wird auch die Arbeit der Vereinten Nationen wie etwa die Friedenseinsätze der Blauhelme. Auch die Organisationen und Büros am UN-Amtssitz Wien werden vorgestellt.

"Krönung der Neutralitätspolitik"#

Seit 35 Jahren ist Wien einer der heutigen vier Amtssitze der Vereinten Nationen. Nach der feierlichen Eröffnung des Vienna International Centre (VIC) am 23. August 1979 eröffnete im Jänner darauf das Büro der Vereinten Nationen in Wien (UNOV) - nach New York und Genf der dritte UN-Standort.

Dieser Schritt war die "Krönung der österreichischen Neutralitätspolitik", wie es der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky formulierte. Er war der Meinung, dass die Ansiedlung internationaler Organisationen für Österreich ein besserer Schutz sei als ein erhöhtes Verteidigungsbudget.

Eigentlich kamen die Vereinten Nationen bereits vor mehr als 50 Jahren nach Wien. 1957 ließ sich die damals gegründete Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO/IAEA) im ehemaligen Grand Hotel am Opernring nieder. Bei der Standortwahl hatte sich Österreich wegen seiner Neutralität und der Nähe zum Ostblock gegen Länder wie Brasilien, Dänemark und die Schweiz durchsetzen können.

Zehn Jahre später kam die neu gegründete Organisation für industrielle Entwicklung (Unido) nach Wien. Um die beiden wichtigen UN-Organisationen an einem Standort unterzubringen, bot die österreichische Bundesregierung den Vereinten Nationen daraufhin die kostenlose Errichtung eines Gebäudekomplexes an.

Gemeinsam mit der Stadt Wien wurde 1967 das Gelände am linken Donauufer dafür zur Verfügung gestellt und die Planung in Angriff genommen: Für die Gestaltung des Gebäudekomplexes wurde ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben, der Auftrag ging schließlich an den Wiener Architekten Johann Staber.

Sechs Jahre Bauzeit, 640 Millionen Euro Baukosten#

Sein Entwurf sah eine Anlage von sechs Bürotürmen mit der markanten Grundrissform eines Ypsilons vor. Die Gebäude sind in Paaren um ein zentrales, rundes Konferenzgebäude so angeordnet, dass sie sich so gering wie möglich gegenseitig beschatten. Die Bauarbeiten dauerten von 1973 bis 1979. Die Baukosten von umgerechnet circa 640 Millionen Euro wurden zu 65 Prozent vom Bund und zu 35 Prozent von der Stadt Wien getragen. Als nach zwei Jahren Bauzeit klar wurde, dass IAEO und Unido das Gebäude nicht zur Gänze füllen würden, bemühte sich Österreich um die Verlegung weiterer UN-Abteilungen nach Wien - mit Erfolg: Gegen den Widerstand Genfs konnte Österreich die Ernennung Wiens zum dritten Amtssitz der Vereinten Nationen durchsetzen.

Die feierliche Übergabe der UNO-City an den damaligen UN-Generalsekretär Kurt Waldheim fand am 23. August 1979 statt. Waldheim übergab bei dem international beachteten Festakt an Finanzminister Hannes Androsch einen Schilling - zu diesem symbolischen Mietpreis wurde das Vienna International Centre den Vereinten Nationen nämlich für 99 Jahre überlassen.

Der 180.000 Quadratmeter umfassende Gebäudekomplex hat exterritorialen Status. Die UNO-City mit der Adresse Wagramer Straße 5 im 22. Bezirk hat auch eine eigene Postleitzahl (1400 Wien).

Wiener Zeitung, Mittwoch, 10. September 2014