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Warum hungert Afrika?#

Otmar Höll

In mehr als 30 der 53 afrikanischen Staaten sind Millionen Menschen von Hungersnöten bedroht. Aktuell sind davon 18 Millionen Menschen in Ostafrika, zwölf Millionen im Süden des Kontinents und ca. neun Millionen Menschen in Westafrika, insgesamt also knapp 40 Millionen Menschen von Hungerkatastrophen betroffen.

Die Ursachen liegen zum Teil in seit vielen Jahren andauernder Trockenheit. Schlechte Wasser- und Gesundheitsversorgung verschlimmern die Probleme häufig noch zusätzlich. Meistens sind es auch die Regierungen, die zu spät reagieren, oder die mangelnden Investitionen in die Infrastruktur und Wasserversorgung. Auch fehlt es häufig an einer genügenden Informations- und Schulungsarbeit für die ländliche Bevölkerung, diemit den sich raschwandelnden klimatischen Bedingungen oft überfordert ist.

Weitere Gründe liegen aber nicht nur in der schlechten Politik der Regierungen, sondern auch an der subventionierten Konkurrenz aus dem Norden, die Nahrungsmittel zu derartig günstigen Preisen anbietet, dass die afrikanischen Bauern nicht mit diesen gestützten Preisen konkurrieren können und als Folge die eigene Produktion einstellen (müssen). Zwar hat eine Reihe von afrikanischen Regierungen die Notwendigkeit erkannt, ihre Landwirtschaft zu fördern, allerdings wurde hier erst ein Anfang gemacht.

Der notwendige Aufbau von Bewässerungssystemen, um der verheerenden Auswirkung von Dürreperioden gegenzusteuern, wurde in der Vergangenheit durch Fehlplanungen oft zunichte gemacht, die Überschuldung vieler afrikanischer Staaten erschwert derartige Maßnahmen natürlich.

Heute setzt man wieder vermehrt auf kleine Projekte und vermeidet den Bau von riesigen Staudämmen, die sich nicht selten als ökologisches und politisches Desaster erwiesen haben. Es gibt auch viele Experten, welche die Nahrungsmittelhilfe der westlichen Staaten als Teil des Problems sehen. Nicht selten wird durch die regelmäßig fließende Nahrungshilfe den Landwirten der Anreiz genommen, die eigene landwirtschaftliche Produktion auszubauen bzw. zu verbessern. Erst seit kurzem ist man dazu übergegangen, die Nahrungsmittelhilfe auf akute Katastrophenfälle zu beschränken.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Grund für die schlechte Ernährungslage in Afrika sind Kriege und Gewaltkonflikte. Es sind meist die Bauern, die von diesen Konflikten als erste betroffen sind. Zudem hat auch die Immunschwächekrankheit Aids in einigen Ländern verheerende Folgen nach sich gezogen.

Da in vielen Staaten die nationalen Regierungenmit den Problemen des Hungers überfordert sind, liegt es an der internationalen Staatengemeinschaft, sich kurz und mittelfristig dieses Problems anzunehmen. Langfristig ist aber das effizienteste Mittel der Ausbau der staatlichen und zivilen Strukturen vor Ort, um zukünftigen Hungerkatastrophen vorzubeugen.

Und nicht zuletzt ist das Problem des Hungers in Afrika ein Problem der internationalen Medienberichterstattung. Ihre Dringlichkeit wird erst von der internationalen Gemeinschaft als solche erkannt, wenn der so genannte CNN-Effekt einsetzt, d. h., wenn die internationalen Medien – aus welchen Gründen auch immer – aus den Krisengebieten Berichte und Bilder von hungernden Kindern zeigen.


Dieser Essay stammt mit freundlicher Genehmigung des Verlags aus dem Buch:

© 2007 by Styria Verlag in der, Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG, Wien
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