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Das Ende der Entertainer#

Peter Alexander ist tot – eine Ära der Film- und Fernsehunterhaltung endet#


Von der Wiener Zeitung (Dienstag, 15. Februar 2011) freundlicherweise zur Verfügung gestellt

Von

Edwin Baumgartner


Peter Alexander, Allround-Star in Film und Fernsehen. Erfolg als Sänger und Parodist#

Peter Alexander mit Inge Meysel
Legendäre Fernsehunterhaltung: Peter Alexander mit Inge Meysel in einer "Peter-Alexander-Show" 1971.
Foto: dpa/Dieter Klar

Wien. Mit dem Tod von Peter Alexander am Samstag endet eine Ära der deutschen Allround-Unterhaltungskünstler. Der Österreicher Peter Alexander, der kommenden Samstag auf dem Zentralfriedhof aufgebahrt wird, bildete mit dem 2005 verstorbenen Deutschen Harald Juhnke und dem 2006 verstorbenen Niederländer Rudi Carrell das Dreigestirn von Sänger-Schauspieler-Showmastern im deutschsprachigen Raum.

Alexander, Juhnke und Carrell ist gemeinsam, dass sie ihre Karriere als Chansonnier oder Schauspieler begonnen hatten, ehe sie durch Fernsehshows eine überwältigende Breitenwirkung erzielten. Alexander und Juhnke hatten jedoch noch etwas gemein: Eine Neigung zu dunkel grüblerischen Gedanken, was sie nach außen hin lange Zeit kaschierten. Bei Juhnke führten diese Gedanken in den Alkoholismus, Alexander wählte nach dem Tod seiner Frau im Jahr 2003 den völligen Rückzug aus der Öffentlichkeit, nachdem er sich schon ab 1998 rar gemacht hatte. 2009 musste er auch den Tod seiner Tochter, der Malerin und Kunstwissenschafterin Susanne Neumayer, verkraften, die bei einem Autounfall in Thailand ums Leben kam.

Diese tragische Überschattung seines Lebens verhinderte nicht, dass Peter Alexander als Botschafter der heilen Welt bezeichnet wurde – mitunter anerkennend, mitunter freilich auch ironisch.

Der als Peter Alexander Ferdinand Maximilian Neumayer am 30. Juni 1926 in Wien geborene Künstler, Sohn eines Musikalienhändlers, erprobte sein Talent als Parodist und Improvisator am Klavier bereits als Kriegsgefangener in diversen Lagern der Briten. Seine Eltern hatten für ihn ein Medizinstudium vorgesehen, doch nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft und der Immatrikulation an der Universität Wien kam Alexander über eine einzige Vorlesung an der medizinischen Fakultät nicht hinaus.

Komödie und Schlager#

Statt dessen schrieb er sich am Max Reinhardt Seminar ein. Sein erklärtes Ziel war ein Engagement am Wiener Burgtheater. Allerdings überzeugte er während des Studiums, das er 1948 mit Auszeichnung abschloss, primär als Komödiant. Gesang eignete er sich, ebenso wie zuvor Klavierspiel, autodidaktisch an. Sein großes Vorbild als Sänger war Frank Sinatra – auch das eine Parallele zu Harald Juhnke.

Bereits 1951 erschien Alexanders erste Schallplatte mit dem Schlager "Das machen nur die Beine von Dolores", der über Jahre hinaus zum Dauerbrenner wurde. Bis 1981 positionierte sich Alexander als Sänger 38 mal mit Top-Ten-Hits in der Bundesrepublik Deutschland, 80 mal war er unter den Top Hundert. Das unverwechselbare Timbre seiner Stimme und die weiche, vom österreichischen Idiom geprägte Aussprache machten ihn zu etwas Besonderem unter den deutschsprachigen Chansonniers. Nummern wie "Eventuell", "Der letzte Walzer", "Liebesleid" oder "Die Kirschen in Nachbars Garten" sind untrennbar mit Alexanders Vortragstechnik verbunden.

Achtete er bei seinen Schlagern, trotz übersüßter Arrangements, auf Niveau, trat er als Filmschauspieler auch in grellen Komödien auf. Filme wie "Wehe, wenn sie losgelassen", "Die Abenteuer des Grafen Bobby", "Charleys Tante" und ". . . und sowas muß um 8 ins Bett" wollten reine Unterhaltung sein und waren kommerziell erfolgreich. Sein einziger Misserfolg als Filmkomiker war "Schwejks Flegeljahre", doch der ging eher auf das Konto des Regisseurs Wolfgang Liebeneiner, der aus der satirischen Vorlage Jaroslav Hašeks eine Militärklamotte machte. Insgesamt spielte Alexander in 38 Filmen mit, zuletzt 1972 in "Hauptsache Ferien".

Die Fernseh-Legende#

1963 startete der WDR die "Peter-Alexander-Shows" zuerst als einstündiges Format. Von 1969 bis 1996 zogen die Shows (1969 bis 1987 ZDF/ORF, 1991 bis 1996 ORF), in denen Alexander als Gastgeber, Entertainer, Parodist und Sänger auftrat, im deutschsprachigen Raum mehr als 38 Millionen Zuschauer vor den Bildschirm und erreichten damit Einschaltquoten wie sonst nur Fußballweltmeisterschaften. Das Rezept war einfach: Familienfreundliche Unterhaltung, bei der Alexanders Parodien die unschlagbaren Höhepunkte darstellten. Außerdem präsentierte Alexander die TV-Sendungen "Spezialitäten" und "Wir gratulieren".

Peter Alexander nahm die Unterhaltung ernst. Selbst Menschen, die diesem Metier skeptisch gegenüberstehen, zollten ihm Bewunderung. Eine große Rolle spielte hier zweifellos auch sein völlig skandalfreies Privatleben und nicht zuletzt, dass Peter Alexander ein Star ohne Allüren war. Er machte es den Menschen leicht, ihn, über seine Kunst hinaus, zu lieben.

Wiener Zeitung, Dienstag, 15. Februar 2011