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„Perfektion, Virtuosität, Kostbarkeit“ #

Die Kunstkammer Wien wird am 1. März wieder eröffnet, sie war elf Jahre lang geschlossen. Man zeigt mehr als 2.000 kostbare Werke aus Elfenbein, Bergkristall, Gold und Co., darunter die berühmte und berüchtigte Saliera von Benvenuto Cellini. #


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus: DIE FURCHE (Donnerstag, 28. Februar 2013).

Von

Theresa Steininger


Einblick in die Kunstkammer
Auf 2.700 Quadratmetern werden mehr als 2.000 Objekte präsentiert, darunter solche aus kostbaren Materialien wie Elfenbein, Edelhölzern...
© hg merz architekten
Bergkristall-Tafelaufsatz
...oder Bergkristall – wie der Tafelaufsatz aus dem 16. Jh.
© Wien, Kunsthistorisches Museum
Marmor-Werk, Junges-Paar
Lombardos Marmor-Werk „Junges Paar“
© Wien, Kunsthistorisches Museum

Es ist die „Erfüllung eines lange gehegten Traums, auch von mir persönlich“. Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums, ist sichtlich erleichtert und voller Vorfreude, am 1. März die Kunstkammer Wien wieder eröffnen zu können. Seit 2002 war diese geschlossen, nun dürfen die Kostbarkeiten aus Elfenbein, Bergkristall, Bernstein, edlen Hölzern, Horn, Diamanten und vielem mehr wieder erstrahlen. Auf 2.700 Quadratmetern präsentiert man 2.162 Objekte, die einst von Kaisern und Erzherzögen angehäuft wurden, um die Wunder der Welt zu versammeln, ein Spiegelbild des damaligen Wissens über den Kosmos zu kreieren und geheimnisvolle Kräfte der Natur anschaulich zu machen.

„Die Kunstkammer ist ein Archiv des Wissens der Zeit vom Mittelalter bis 1891, das Fragen der Technologie, Geografi e, Religion, Wissenschaft und vieles mehr vereint und einen hohen Anspruch an Perfektion, Virtuosität und Kostbarkeit stellt“, so Haag im Gespräch mit der FURCHE.

Anticos teils vergoldete Venus
Anticos teils vergoldete Venus
© Wien, Kunsthistorisches Museum

Saalregenten als Wegmarken #

Werke wie die Krumauer Madonna, der Fliegende Merkur von Giambologna, eine Bronze-Büste Kaiser Rudolfs II., eine Elfenbeinstatue von Josef I. und viele mehr werden chronologisch präsentiert, zudem hat jeder der 20 Räume ein Werk als „Saalregenten“. „Diese sind ein leitmotivisches Objekt, das besonders aussagekräftig für das Thema des Saales ist“, sagt Haag. „Wir möchten unterschiedliche Rundgänge ermöglichen, die die Geschichte des Sammelns erzählen und das Vertiefen in einzelne Themen je nach Wunsch erlauben. Wer nur die Saalregenten ansieht, bekommt einen guten Überblick, wer sich weiter ins Detail vertieft, kann die Möglichkeiten der Museumsdidaktik von Audioguides und Texten bis zu iPads nutzen.“

Als Leitobjekt der Kunstkammer an sich dient die Saliera von Benvenuto Cellini. Sie ist nicht nur aufgrund ihrer Kostbarkeit das bekannteste Werk der Sammlung. 2003 wurde sie gestohlen, erst drei Jahre später wiedergefunden, für Haag einschneidende Erlebnisse: „Ich war es, die als erste vor der eingeschlagenen Vitrine der Saliera stand, und jene, die sie wieder auspackte, als sie gefunden wurde. Natürlich haben wir, was die Sicherheit der neuen Kunstkammer betrifft, unser Bestmögliches geleistet“, sagt Haag.

Saliera von Benvenuto Cellini
Salzfass. Nicht nur die Saliera auch Werke gehören zu den Schätzen, die von ehemaligen Herrschern angehäuft wurden.
© Wien, Kunsthistorisches Museum

„Ich bin froh, dass wir das Projekt im zeitlichen und budgetären Rahmen geschafft haben“, sagt Haag. Das würden manche anders sehen – 2002 war überhaupt nur von einer kurzzeitigen Schließung die Rede. Die Neukonzeption war von Anfang an Haag übertragen, 2008 wurde sie als Generaldirektorin bestellt. Das Warten auf die Zusage der Finanzierung dauerte, erst 2010 konnte man auch offiziell planen. Bis heute hat das Projekt 18,56 Millionen Euro gekostet, von denen das Kunsthistorische Museum selbst 3,5 Millionen aufstellte: durch Freundesvereine, Fundraising-Dinner und ähnliches, aber auch durch die Goldhelm- Aktion, die durch ihre Plakatwerbung nicht zuletzt das öffentliche Bewusstsein für die Kunstkammer deutlich erhöhte. „Durch den Verkauf der Helme wurde gezeigt, dass jeder seinen Beitrag für die Wiedereröffnung der Kunstkammer leisten konnte, auch einen kleinen. Wir wollten eine Identifizierung der Österreicher mit dem Projekt erreichen, schließlich ist es unsere Aufgabe zu verwalten und zu präsentieren – Besitzer aber ist die Republik und somit jeder Staatsbürger.“

Making-of der Kunstkammer #

Und auch wenn mehr als 2.000 Objekte gezeigt werden, so ist das nur ein Viertel des Bestands zum Thema. Umso mehr freut man sich über neu geschaffene Sonderausstellungsräume, wo auch weitere Werke gezeigt werden sollen. Vorerst wird hier ein Making-of der Kunstkammer neu präsentiert.

Ansonsten möchte man die derzeitige Ausstellung von Zeit zu Zeit geringfügig verändern: „Das hält die Sammlung lebendig. Die ersten anderthalb Jahre soll aber möglichst alles so bleiben, wie es jetzt ist, um den Besuchern die Möglichkeit zu geben, die Kunstkammer so zu sehen, danach kann es kleine Veränderungen geben“, erklärt Haag.

Kunstkammer Wien ab 1. März, Kunsthistorisches Museum, Maria- Theresien-Platz, 1010 Wien.

DIE FURCHE, 28. Februar 2013